Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 43 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 172 (sequence 4)
- Language
- German
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172 stellung, daß an diesem Tage über die Länder und Menschen bestimmt, ihr Schicksal festgefiellt werde, indem jeder That eine- Menschen, seiner Gedanken und . Pläne gedacht wird. Heil dem Menschen, der Gottes nicht vergaß und in Ihm sich gekräftigt, denn wer Ihn sucht, strauchelt nicht, und die auf Ihn verteauen, werden niemals zu Schanden. Hieran knüpfen sich Erinnerungen aus der h. Schrift, wo das Gedenken Gottes an Menschen inmitten ihres Elendes und ihrer Nöthen hervor-? tritt; zuerst Roah's, als die Gewässer der Fluth alle Wesen auf Erden vernichteten; dann Israels, als es in den Feffeln Egyptens schmachtete, worauf dann wiederum Stellen der Schrift folgen, in welchen das Wort 12 r in prägnanter Weise vorkommt. Hieran schließt sich das «"i're „Gedenke unser im Gedächtniß zum Guten u. s. w.," worin an den Bund Abrahams, .der durch die Darbringung Isaaks auf Morijah bestätigt worden, erinnert wird, und mit der Benediktion „der des Bundes gedenkt" endet. Der Satz wird daher 1:1-27 genannt. Es ist offenbar, daß in diesem Abschn. der Gedanke des göttlichen Gerichtes vorwaltet. Vorsehung und Vergeltuug werden als identisch angesehen, das Gedenken deffen, was der Mensch gethan und was geschehen ist, wird zugleich zur Bestimmung deffen, was den Menschen zukünftig treffen soll. Bekanntlich ist die Verbindung des göttlichen Gerichtes mit diesem Neujahrsfest« schon klar in der Mischnah ausgebildet und ausgesprochen. Sie leitet sich eben aus dem biblischen 1^-27 3 Moses 23, 24. her. Alleines ist'sehr bemerkenswerth, wie diese Vorstellung rom göttlichen Gerichte hier gewiffermaßen abgeschwächt oder abgeschliffen, jedenfalls von aller anthropomorpbistischen Auffassung und Darstellung frei gehalten ist. Selbst das Wort og-2’3 als Gericht kommt nicht vor, sondern es werden nur immer die Worte ^27, ipe, o-n gebraucht. Unverkennbar tritt die Vorstellung hervor, daß alle Geschehniffe unter der Fügung Gottes nur eine Entwickelung von Ursache und Wirkung, haß der ganze Verlauf der ^menschlichen Begebenheiten eine Kette zwischen Vergangenheit und Zukunft fei, in welcher Gedanke und That des Menschen, göttliche Bestimmung und natürlicbe Folge die lebendigen Glieder sind. Auch hier zeigt sich also der Geist des Verfassers, dasist Rab's, also eines tiefen ’ Denkers, der von echt religiösem Gefühle beseelt und von ' jeder sinnlichen und phantastischen Gestaltung frei, der hierdurch weit über sein und die folgenden Zeitalter in unsre Tage hineinreicht. Im dritten Gebeisatze feiert der Vers, nun die Offenbarung, die er in sinnigster Weise mit dem Blasest des Schophars in Verbindung bringt. Er stellt die Offenbarung auf Sinai dar, die unter dem Donner der Wolken und dem Klange des Schophars geschah, um Lehre und Gesetz zu verkünden.' Hieran schließen sich wiederum die Schriftstellen, in welchen das Schophar vorkommt. Es folgt nun da- »Ye», das in geschickter Weise aus dem Satze ‘1 -bi® spr der Wochenthepillah und Sätzen aus dem so wie 4 Mos. 10, 10. zusammengesetzt ist. Der Abj schnitt heißt rii-viv. Man sieht hieraus, daß Rab! auch hier dem spezifischen Schophar einen allgemeinen j Gedanken einsenken oder abgewinnen wollte. Aber statt, j wie anderweitig geschehen, den Tönen des Schophars j einen mystischen Sinn zuzuertheilen, erkennt er in ihm [ nur den Begleiter der Offenbarung und das Symbol i der zukünftigen Erlösung, welche in jener ihren Grund; und ihre Bürgschaft besitzt. Das Schophar ist ihm; so nur das äußere Bindemittel der wahren Lebens-! Momente Israels, der Offenbarung als dem Grunde,; auf welchem Israel steht, und der Erlösung, d. i. der ' einstigen Verherrlichung der in Israel lebenden religiösen Idee. Faffen wir dies zusammen, so erscheint es uns nicht ' zufällig, daß Rab in diesen drei Gebetstücken der Muffaphtbephillah jene drei Grundlehren des Judenthums zum - Ausdruck bringt, welche späterhin aus den Untersuchungen! Maimuni's, Creskas' und Albo's sich als die leitenden; Gedanken des Judenthums ergaben: die Erkenntniß des; einzigen Gottes, die göttliche Vergeltung und die Offenbarung zugleich als die Bürgschaft der Erlösung. Es - sind dies Anschauungen, welche innerhalb .des Judenthums von aller Zeit und ihrem Wechsel unabhängig sind, ewige Grundwahrheiten, von denen unsre Religion keine Spanne weit abweichen kann, und wir können daher nur wünschen, daß die Prediger unsrer Zeit dem Beispiele Rab's folgen, und gerade diese Lehren in der Unerschöpflichkeit ihres Inhalts an diesem Feste Jahr für Jahr dem Volke vortragen und lebendig in das Bewußtsein rufen mögen! Anekdote. Ein stattlicher Mann fragt in einem Bahnhofe eHnen polnischen Jungen: „wo is das Maggezyn?" — er Junge antwortet: „Das bin ich." — „Wo das Maggezyn iS, frag' ich?" — „Nu ja, der Magget (Prediger) is ma Voter, und san Syhn bin ich.— „ Allgemeine Zeitung des Judenthums. No. 42. 18 6. Inhalt: Leitende Artikel: Der jüdische Separatismus. .III. —- Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn, Karls ruhe. Oesterreichischer Kaiserstrat: Aus Ungarn, Pest. Frankreich: Paris. Schwei;: St.Gallen. Donaufürftenthümer: Bukarest. Notizen. Lorrespondenz: Russische Briefe V. 'Schluß.' — Die Gemeinde zu Aachen. Za beziehen durch jede» Postamt und jede Buchhandlung Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich Ü Thaler. Verantwortlicher Tkedactenr Dr. H. Lotze. 8ertij »ob vau-gärtner'« »sLhai dlRnz in £rart von (9. »rehsinz in reivzig.