Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 42 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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167 kommandirt von Capitän Curling, dessen Freundlichkeit und beständige Aufmerksamkeit ich mir Freuden erwähne, und am 11. landeten wir in Alexandria. So bald wie ich in dieser weltberühmten Stadt ankam. die mir so bekannt ist, ging ich mit De. Löwe und Herrn und Frau Sebag nach der Synagoge, der Kenis Eiijahu, welche an dem Platze erbaut ist, wo der großartige Tempel von Alexandria oder des Önias einst gestanden haben soll, und dort brachten wir dem himmlischen Vater unfern Dank! dar. daß er uns sicher an die Küsten von Aegypten geführt. Indem ich in Alexandria in das Boot sprang, verletzte ich mir den Fuß. Dies nöthigte zu einem Aufenthalte von mehreren Tagen, den ich dazu bestimmte, alle Documente zu ordnen, welche im heiligen Lande nützlich sein konnten, und von Chacham Joseph Burla und anderen Personen aus Jerusalem mir Bericht erstatten zu lassen. Das Bedauern, welches ich über diese kurze Unterbrechung meiner Reise empfand, wurde beträchtlich durch die befriedigende Darstellung vermindert, die mir der ehrwürdige Chacham Nathan Amram und die Aeltesten der Gemeinde von der glücklichen Lage unserer Brüder iwAlexandria gaben, von Venen die meisten die englische, französische und italienische Sprache geläufig sprechen und die europäische Kleidung statt der orientalischen angenommen haben. „Sonntag den 18. März verließen wir Alexandria und kamen am nächsten Tag um l*.z Uhr Nachmittags jssa an. Bei meiner Landung wurde ich von Er', enz dem Gouverneur der Stadt, dem Richter, dem sshaber der Truppen und den Repräsentanten verschiedenen religiösen Genossenschaften empfangen, rum war ich in das Hotel eingetreten, als ich mit Telegrammen herzlichen Willkommens in schneller Aufeinanderfolge aus Jerusalem begrüßt wurde. Ich wurde auch -von zahlreichen Deputationen aller Klassen besucht, um rtzir zu meiner sichern Ankunft Glück zu wünschen; und ick hatte das Vergnügen, meinen Freund, Herrn KonslA Moore, zu sehen, der besonders kam, mich zu begrüßen, und auf höchst freundliche Weise alle nöthigen Vorbereitungen für unsere Weiterreise nach der Heiligen Stadtz traf. Vor meinem Weggange von England hatte es nützlich zur Ausführung der Aufgabe meiner Reise geschichlen, daß eine genaue und methodisch angelegte Untersuchung über den Zustand unserer Brüder im h. Lande gemacht würde, und daß ich, um die Ursachen des Verfalles zu finden, der dort herrscht, und angemessene Pläne für dessen Beseitigung zu entwerfen, eine möglichst» genaue und dstaillirte Uebersicht über den moralischen und sozialen Zustaud der Bewohner mir verschaffte. Für diesen Zweck hatte . ich Tabellen und Schemate mitgebracht, die ich theils den Repräsentanten der verschiedenen Gemeinden aus dem h. Lande, die in Jaffa anwesend waren, übergab, theils durch Boten an die Behörden derjenigen Gemeinden sandte, deren weite Entfernung von Jaffa es ihnen ^unmöglich machte, Vertreter an mich zu senden. „Meine ursprüngliche Absicht war, nur einen Tag lang in Jaffa zu bleiben und dann nach Jerusalem aufzubrechen. aber dieser Plan wurde, durch die Krankheit meines vielbetrauerten Freundes Dr. Hodgkin vereitelt. Da es mir sehr schmerzlich war, ihn zu verlassen, blieb ich bei ihm bis zur letzten Stunde, wo es absolut noth- 1 wendig wurde, nach Jerusalem abzureifen, um dort noch ’ zur rechten Zeit vor dem Possahfeste anzukommen. Zu, l dieser Zeit empfing ich Schilderungen von den Leiden j und der schrecklichen Sterblichkeit, welche der kürzlich« Ausbruch der Cholera unfern unglücklichen Brüdern verursachte. Sehr häufig wurden diese betrübenden Erzählungen durch das Erscheinen von jungen und noch grünen Heuschrecken unterbrochen, welche, wie man uns sagte, die i sehr gefürchteten Vorläufer einer andern üblen Zeit seien. . Manchen Morgen vor Sonnenaufganghörten wir das! Raffeln der Trommel, welches die Einwohner von Jaffa erweckte, ihre Pflicht zu erfüllen, nämlich jeder ein Maaß ' Heuschrecken vor Tagesanbruch zu sammeln, daijiit der I drohende Feind vernichtet werde, denn die Erscheinung > dieser Heuschrecken ist um so mehr gefürchtet, weil man ' glaubt, daß fie stets eine epidemische Krankheit mit sich bringt, deren schmerzliche Folgen man erst kürzlich er- fahren hätte." (Endlich war Sir Moses gezwungen, den Dr. Hodgkin < zu verlassen, nachdem er ihm die reichlichste und sorgfaltigste Pflege verschafft. Trotzdem starb dieser würdige Mann zu Sir Moses größtem Schmerze.) „Als ich Jaffa verließ, gaben mir die Würdmträger der Stadt das Geleit, gefolgt von einer Anzahl Personen, Kawassen und Soldaten. Sie ritten mit uns einige Stunden weit, bis wir das Dorf Ramlah erreichten. Wie wir uns diesem Dorfe näherten, kam uns der Gouverneur mit Truppen entgegen, und so eskortirt, zogen wir in Ramlah ein und nahmen dort Wohnung in dem russischen Hospiz, wo wir alle Bequemlichkeiten fanden, die ein Reisender wünschen kann. Am Montag, dem 26. März, setzten wir unsere Reise bis nach Abu-Gusch fort, von dem man meint, daß es das Kiriath - Jearim der Schrift sei, wo Abinadab wohnte, in-Lessen Hause auf dem'Gipfel des Hügels die Lade des Herrn stand, als sie von den Philistern aus Bethsemes fortgcbracht wurde. Der gegenwärtige Befehlshaber, Mohammed Effendi Abu Gusch, ein Mann von großem Ansehn und Einfluß, schickte uns seinen Bruder, um uns in fein Haus einzuladen, und kam dann selbst, uns um die Annahme seiner Gastfreundschaft zu ersuchen'— eine Bitte, die ich gern erfüllte. Das Haus unseres Wirthes lag auf dem Gipfel des Hügels, und die Straße dahin war so schlecht und steil, daß ich oft glaubte, mein Tachterevan würde in Stücke brechen; aber die Anstrengung, die ich erduldete, wurde reichlich durch die herzliche Gastfreundlichkeit aufgewogen, mit der ich bewillkommt wurde." j „Viele Deputationen aus Jerusalem und Hebron > waren während der Nacht augelangt, und als wir das! Dorf Abu Gusch verließen, zu früher Morgenstunde, konnte man von den benachbarten Hügeln eine beträcht- , liche Anzahl Leute herabsteigen sehen, die ihren Weg zu uns nahmen, und nicht weit von dem Dorfe Colonia hatte ich das Vergnügen, unfern ausgezeichneten Konsul, Herrn Noel Moore, wieder zu treffen, der aus Jerusalem kam um mich zu begrüßen. Man erzählte mir bei unserem Weitermarsche von den großen Leiden, die das Volk; von Jerusalem während des Herrschens der Epidemie! erduldet hatte, und pries in glänzenden Worten die Wohlthaten, welche das Volk von meinem Bestich erhoffte,! indem es erwartete, direkte Unterstützung von mir zu er-