Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 42 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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16G einen Ausfall und es gelang ihm, mehrere Gefangene zu befreien-, andere wurden, ehe er in den Feind eini drang, vor seinen Augen' massakrirt. Diese Kämpfe | dauerten bereits volle zwei Tage und Nächte; man war im Hochsommer, die Sonne brannte, und den Belagerten fehlte es an Walser. Sie litten furchtbar und waren dem Verschmachten nabe. Sie begannen mit den Räubern zu unterhandeln, aber diesen.schien jedes Lösegcld zu gering, da sie bei den Juden ungeheure Schätze vermutbeten. Da am vierten Tage kam ein Graf Esterhazy zufällig über den Kampfplatz. Er erfuhr, was hier verging, und suchte das Gesindel von seinem Vorhaben abrubringen. Die Räuber wagten nicht, den ungarischen Magnaten. der außerdem von Bewaffneten umgeben war, anzugreifen, aber andererseits kehrten sie sich auch nicht an seine Ermahnungen und Drohungen. Er zuckte die Achseln, als ob er die Sache gänzlich aufgcbe, und ritt weiter. Aber schoß nach wenigen Stunden kam er an der Spitze einer Anzahl Heiducken und Husaren zurück: die Juden, erkannten sofort, daß er als ihr Retter kam, brachen aus ihrer Verschanzung hervor und mit ihren Kampfgenoffen vereint, fielen sie über das Gesindel her, das wie Spreu auseinander stob und nach allen Seiten die Flucht ergriff. Einige wurden gefangen und von den Heiducken abgcsührt. Sofort setzten sich die Juden in Bewegung, nachdem sie ihre edlen Befreier mit Segenswünschen überhäuft, begleitet von einer Schaar Husaren, die sie erst am folgenden Tage verließ. Auf dem öden Kamvfplaye hinterlreßen die Juden mehr als fünfzig Gräber der Ihrigen, die Leichen der Räuber blieben als Beute der Vögel und Wölfe liegen. Aber mit dieser Rettung durch den edlen Grafen war die Reihe der Leiden dieser Unglücklichen noch nicht geschloffen. In Folge der Mühseligkeiten, der Entbehrungen, der Aufregungen und der furchtbaren Sonnenhitze brachen in dem wandernden Lager Krankheiten aus. die fast eben so viele niederstreckrcn, wie die ausgestandcnen Kämpfe. Unter denen, die den Krankheiten erlagen, war auch der tapfere Meisl. An seiner Stelle wurden nun fünf Aelteste gewählt, welche die schwer Geprüften, weitep'fübren sollten. Sie wurden ihnen bald genug entrissen, qenn in der Rabe der kroatisch-ungarischen Grenze kam ihnen ein Edelmann mit Bewaffneten entgegen geritten, der cs ihnen als Verbrechen anrechnete, daß sie, ohne vorher seine Erlaubniß eingeholt zu haben, „über seine Gebiete" wgen. Die Aeltcsten, die hervortrezwn um sich zu entschuldigen, ließ er in's Gefängniß werfen und den Andern verbot er, weiter zu ziehen, bis'er ihre Habe «nien'ucht. ob sie nicht „Verbotenes" in's Ausland füo'.ten, bis er ihre Papiere geprüft und die Summe bestimmt habe, die sie ihm als Buße zu zahlen hätten. Sie mußten vor einem Dorfe lagern, bewacht von den Heiducken des Edelmannes und täglich von den Einwohnern um einige Geienständeberaubt. Die Aeltesten blieben mehrere Tage im Gefängniß-, die Krankheiten wütheten fort im Lager; die Sümme.die sie zahlen mußten.brachte sie um den größtenTheil. ihres Vermögens. Entmutbigt gaben sie den Gedanken an das gelobte Land auf, und zu einem kleinen Häuflein ursammengeschmolzen, zerstreuten siesich: die einen, um bei den nächsten Judcngemeinden Schutz und Hülfe zu suchen, die andern, um sich wieder nach Böhmen durchzuschlagen. Don diesen Letzteren kamen nur wenige als Bettler zurück. Nur fünf entschlossene Männer, die, unverheirathet, weniger zu wagen hatten, setzten die Reise nach Palästina fort. Bon diesen kamEiner, ein gewisserHartmann, nach Jahren als blinder Mann nach Böhmen zurück. Er war, der Himmel weiß wie, auf einem Schiffe den Barbaresken in die Hände gefallen; im Momente, da die Seeräuber das Schiff erstürchten, warfen sie der Mannschaft und den Reisenden eiisiin Staub in die Augen, der sie blendete, daß sie sich nicht vertheidigen konnten. Hartmann wurde in Folge dessen ganz blind und als blinder Bettler kehrte er von seinem Suchen nach dem gelobten Lande in das Land der Unterdrückung und der Judenhetzen zurück. Bericht Sir Moses Montefiore's über feine letzte Reise nach Jerusalem. Sir Moses Montefiore erstattete am Ende des vorigen Monates den Vertretern der englischen Juden (B<>ard of Depuiies) einen Bericht über seine letzte Reise nach Palästina ab, der so viel des Interessanten enthält und zugleich die liebenswürdige Gestalt des edlen Greises uns so nahe bringt, daß wir ihn unfern Lesern nicht vorenthalten wollen. Sir Moses rekapulirt zuerst, welches der Grund seiner diesmaligen Reise gewesen sei, nämlich die Verwendung des unter den englischen Israeliten gesammelten Unterstützungsfonds für das Heilige Land, spricht der englischen Negierung und dem russischen Gesandten in Konstantinopet, Herrn von Brünnow, seinen Dank für deren Unterstützung aus und fährt dann fort: „Sie wissen, daß meine Reisegefährten waren mein hochgeehrter Arzt und vielbetrauerter Freund, der verstorbene Dr. Hodgkin, Eapitän Moore, Bruder des Consuls Ihr. Maj. in Jerusalcni, der während des indischen Aufstandes ein thätiges und ausgezeichnetes Mitglied des Generalstabes von Sir Hugb Rose war, Dr. Ludwig Löwe, mein hochgeschätzter Gefährte auf mehreren meiner früheren Reisen, darunter zwei Besuchen im Heiligen Lande, dessen vollständige Meisterschaft in den orientalischen Sprachen und eifrige Dienste für mich unschätzbar waren, und meine theuern und werthen Verwandten, Herr und Frau Sebag. „Im Bewußtsein der schweren Verantwortlichkeit, die ich im Begriffe war, auf mich zu nehmen, fühlte ich, daß ich mein Unternehmen nicht geeigneter und glückverheißender einweihen könnte, als wenn ich mich zu dem geweihten Mausoleum derjenigen begäbe, die auf mancher mühsamen Pilgerfayrt mich mit ihrer liebenden Sorgfalt erfreute und mit ihrem unerschrockenen Geiste aufrecht erhielt, um dort zu unserm Allmächtigen Vater, der an Zion Wohlgefallen hat, zu beten, daß er seine Engel mir zur Seite gebe, um mich und meine Gefährten während unserer beabsichtigten Reise zu beschützen und die Verwirklichung meiner innigen Wünsche für das Wohl Jerusalems zu bewirken. „Dienstag Morgen, am 27. Februar, verließen wir England und kamen dieselbe Nacht nach Paris, dann reisten wir nach Marseille und erreichten diese Stadt Freitag am 2. März, wo ich den Sabbath verbrachte. Am Montag den 5. März, gingen wir an Bord des „Poonah",