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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 42 (1866) · p. Seite 168

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
42 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 168 (sequence 4)
Language
German
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168 halteir.' Dies bewies mir^klar die Schwierigkeit und delikate Natur des Unternehmens, das vor mir lag, denn mein hauptsächlicher Zweck bei dem Besuche Jerusalems war nicht so wohl, dem Volk Geldunterstüyunz au gewähren, als vielmehr die bleibenden Ursachen seines schlimmen Zustandes zu entfernen, und sehr innig rief ich mir selbst zu: „„Möge der Herr mich leiten und fuhren."" * „Jede Minute brachte neue Ankömmlinge, his einige„ Stunden vor der h. Stadt die Straße, und die benachbarten Hügel mit einer ungeheuren ' Menge von Leuten v?n der verschiedensten Art bedeckt waren. Sr. Hoheit J;;et Pascha, der Gouverneur 'von Jerusalem, schickte vierzig Reiter und Kawaffen unter einem Offizier. Mein alter Freund Achmed Agha Dschesdar, früher der Gouverneur von Jerusalem unter Mohammed Ali, kam auch mit seinem Enkel und einer Anzahl Diener, der Ebrw. Ehaim David Hassan, der. Chacham Baschi Oberrabbiner), aus einem prachtvollen arabischen Rosse, begleitet von seinem kirchlichen Gerichtshöfe — den geistlichen Häuptern der deutschen Gemeinde — dem Ehrw. Samuel Sqlant, dem Ehrw. Meyer Auerbach und allen Mitgliedern ihres BetbDin. Ich glaube, ich kann eibne Uebertr«ibung sagen, es waren dort alle unsre Brüder aus Jerusalem zu sehen, die im Stande waren, die Stadt zu verkästen, an ihrer Spitze die Vorstände ihrer Synagogen, Akademien und Schulen, und alle meine Ankunft begrüßend mit dem Ausrufe „Baruch haba", „Gelobt sei, der kommt." An der Seite der Straße standen Hunderte von Kindern, hebräische Hymnen singend, die besonders für diese Gelegenheit gedichtet waren, und in denen die Leiden Zion's und die Hoffnung auf Jsrael's Zukunft geschildert waren. Ich bemerkte vorzüglich vierzig Knaben aus der „Simon Edlen von LSmels Stiftung", deren gesundes und hübsches Aussehen und wunderbar harmonischer Gesang sehr viel zu dein Eindruck einer Szene beitrugen, die nicht leicht ru vergessen ist. In der Tbat, Was ich da bemerkte nicht ohne tiefe Erregung, gab mir die feste Ueberzeugung, daß ein aufrichtiges Jntereste an dem Dohle des b. Landes nicht verfehlt und nicht verfehlen wird, in der Brust seiner Bewohner eine enthustaftische Anerkennung zu finden. „Wir hielten eiue kurze Zeit, um die üblichen Gebete;u rezitiren, an der Stelle an, wo'der Pilger oder Wanderer ruerst einen Blick von der h. Stadt erlangt, und gingen dann zu den Zelten weiter, welche der Chacbam Baschi für unsere Aufnahme vorbereitet hatte. Hier wurden Erfrischungen gereicht und BegrüßungsbvHmen ' gesungen, aber ich wollte mick? nicht aufhalten, da ich begierig war, ohne Aufschub in die Mauern Jerusalem's zu gelangen; und wieder kamen uns Scharen von Menschen entgegen, die in vollkommener Ordnung von der Hebronnraße nach dem Jaffalbore zogen. Bei unserer Ankunft am Thore hielten wir an, um dem Gebete eines der Hauptbeamten der Synagoge zu lauschen, in dem er Gottes Segen auf den Gesandten aus fernem Lande herabrief — ein Gebet, auf welches die große Menge Menschen mit einem berzrübrenden „A^en!" antwortete. „Meine erste Pflicht nach dem Eintritte in Jerusalem war, mich nach der Synagoge Kenis Jstambuli zu begeben, damit ich dort meinem himmlischen Vater dankte, daß er mir so erlaubt habe, zum sechsten Male Jerusalem zu sehen; nach Gebeten und Dankessprüchen von Seiten aller Anwesenden, zogen wir unter den Freudenrufen des Volkes nach dem Befitzthume, das als Kerem Mosche we Jehudith bekannt ist und auf dein Hügel Gichon liegt." (Forts, folgt; Kuriosum. Auf dem israelit. Friedhöfe in Währing kam dieser Tage eine eigentbümlich« Verwechslung vor. Inder Todrenkammer des Friedhofes lagen zwei Särge aufgebahrt, der eine barg die Leiche derGattin eines reichenKaufmannes.der andere die irdische Hülle eines armen Handelsagenten. Das Leichenbegängniß der Kaufmannsgattin sollte mit allen bei solcher Gelegenheit üblicben Ehren stattfinden; man hatte den Ehor aus dem Tempel bestellt, der am Grabe ein Trauerlied fingen^-und den Prediger, welcher eine Rede haften sollte. Die Familie des armen Agenten, die kaum die einfachsten Begräbnißkosten herbeischaffen konnte, mußte auf solche Auszeichnung für ihren Todten verzichten. Tie Särge standen nebeneinander und da sie — nach jüdischem Ritus — nicht polirt, sondern aus einfachen gehobelten Brettern gezimmert waren, so war eine Verwechslung wohl möglich. Das Begräbniß der Frau fand zuerst statt. Man trug den Sarg hinaus, fteß ihn in das Grab hinab, das die Angehörigen weinend umstanden; der Chor hatte soeben ein feic^ftches Trauerlicd beendigt, und der Prediger schickte-lsich gerade an, in rührender Weise den Verlust der verstorbenen Frau zu beklagen, als einer der Todtengraber bestürzt herbeieilte mit der Meldung, man solle in der Ceremonie cinhalten, die Leiche, die in dem Grabe liege, sei die eines Mannes und nur durch Verwechslung in das Grab geralhen. Während die Ceremonie auf dem Friedhöfe stattgefunden, war nämlich ein Verwandter des verstorbenen Agenten in die Todtenkammer gekommen und hatte verlangt, die Leiche seines Verwandten nochmals zu sehen. Der zurückgebliebene Sarg wurde geöffnet, und stehe da — es lag eine Frau darin. So kam die Verwechslung an den Tag. — Uebrigens störte man die Ruhe .der Todten nicht weiter, man ließ den Sarg des Agenten in der für die reiche Frau angekausten Grube, und bestatttte die Frau in dem zweiten Grabe daneben. Ällgemeine Zeirunq de« Iudentbum». No 41. 18-6. JnhaltrLeirendeLrtikel: Der Miste Separatismus. (Fortsetzung). — Zur Semiuarsrage. — Tie Stellring der Znten in Anball (Schluß). Zeitungsnachrichten: Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien, Lemberg. Frankreich: Paris. Italien: Aus Obernalien. Nordamerika: Cincinnati, N«w-?)ork. Corresponden;: Russische Briefe V. .XST Zu bezirken durch jede» Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich y» Thaler. Verantwortlicher Retackeur Dr. H. Lotze Ccrljjj oo« Saumgärtnci'# 8u4b«RM»»8 in Truck von *9. Ärtpfiug tu Ütipitg.

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