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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 42 (1866) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
42 (1866)
Date
1866-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt. Zur •Bclefjrunfl unö Äulerhattung auf jüdischem gestielt. HerauSgegeben vou - Rabbiner Vr. Ludwig Philippsou in Bonn. tRo. 42 186«.] vo« vieler Zti1s«bri«t erlLeuu «SLruUich ei»e N»«»er. Prei» de» Jahr» ,ang» l Lhlr. Vierttlfähng 7 V Rgr. Alle vuchbanbinnge». VofiSourr und Zeiniagserpedinooen nehmen vestrllnngea an. [13* Jahrg. 4. «^uajtal. Ein Auszug.^) Durch die Zeitungen geht eine Notiz, die erzählt, daß eine Anzahl jüdischer Familien im Norden der Vereinigten Staaten sich zusammen gethan, um nach Palästina auszuwandern und daselbst in der Nähe von Jerusalem > eine Ackerbaukolonie zu gründen. **) Etwas Aehnliches 1 kam schon zu Anfang dieses Jahrhunderts in Böhmen vor und es ist das eine Geschichte, die, in ihren Einzelheiten erforscht, gewiß den Stoff zu einer ergreifenden und abenteuerlichen Erzählung geben würde. Wir können hier nur wiedergeben, was uns im Allgemeinen und vor vielen Jahren darüber mitgetheilt wurde. Das sogenannte „Finanzpatent" oder der Bankerott - des Kaisers Franz I. brachte vorzugsweise über Jene großes Elend, deren Eigentbum in Geld bestand und somit über die Juden Böhmens, die kein Grundeigenthum ■ haben durften und dabei noch neben den andern Steuern des Staates mit einer besonderen Judensteüer belastet waren. Dazu gingen in jenen Kriegszeiten die Geschäfte! schlecht und die Juden des offenen Landes, die ausschließlich ans den Handel angewiesen waren, versanken in drückende Armuth. Von Auswanderungen nach Amerika wußte man damals in Böhmen noch nichts, und so kam ein unternehmender Kopf aus den Gedanken, nach Palästina, in die Urheimath auszuwandern und daselbst das Feld zu bauen, wie es die Väter gethan. Dieser neue Moses durchzog die Umgegend seines Dorfes im südlichen Böhmen, wo das Elend groß war, und hatte bald eine Anzahl von 70 bis 80 Familien um sich versammelt, alle bereit, in das Land ihrer Sehnsucht auszuwandern und die Mühen und Gefahren einer solchen Reise über sich zu nehmen. Sie verkauften alle unnütze Habe, schafften Ackerbaugeräthe an. bewaffneten sich auch theilweise und luden, was sie brauchten, mit Weib und Kind auf leichte, von einzelnen Pferden gezogene Leiterwagen, die mit Leinwand gedeckt waren und während der Reise die Zelte ersetzen sollten. So machte sich der lange Wagenzug auf den Weg, Männer, Weiber und Kinder, auch viele Greise, die im heiligen Boden begraben werden wollten, *) Die folgende Piece ist der „Freva" eullehut. Wir bitten | unsere CorreSp. in Böhmen und Ungarn uns mitzutheilen, j ob wirklich annähernd sichere Traditionen über das Erzählt« de- > stehen. Redaktion. > **) Der B«rf. befindet sich im Jrrthum. Ein christlicher! Verein, mystisch-biblischen Sinne-, bat sich iu Amerika gebil- I bet, um eine jüdische Eolonie in Palästina zu begründen. j Redaktion der Bolksbl. ausgerüstet vom Prager Pabbiner puT hebräischen Empfehlungsschreiben an die jüdischen Gemeinden, mit denen sie auf ihrer langen Fahrt in Berührung kommen konnten. Anfangs ging alles gut. Die großen Gemeinden von Nikolsburg in Mähren und^-don Presburg an der ungarischen Grenze nahmen sichrer Auswanderer auf's Brüderlichste an und verschafften ihnen gar von Wien aus Empfehlungen an die türkischen Behörden. , Ader bald nachdem sie unfern von Presburg über die Dosiau gegangen waren, auf der großen Ebene, die dieser Fluß im Norden und Osten begrenzt, begannen ihre Leiden. Einige Nachzügler wurden von Schweinehirten der dortigen Waldungen ausgeplündert und darauf folgten mehrere vereinzelte Angriffe, die aber die Juden meist mit Glück zurückschlugen. Allein die Zurückgeschlagenen verbreiteten unter ihres Gleichen rasch die Nachricht, daß eine Sckaar Juden durchs Land ziehe, die, alL, Juden, wahrscheinlich große Schätze mit sich' führten. unD lockten so auch andere herbei, die, obwohl sonst nicht Räuber, Theil an dem Raube haben wollten. Schweine - und Roßhirten strömten herbei, zu Fuß und zu Pferd, und alle bewaffnet. Die Juden, da sie sich so bedroht sahen, bildeten aus ihren Wagen eine dreieckige Wagenburg, nahmen die Kinder und Weiber in die Mitte und schlugen die Räuber mit Tapferkeit zurück. Aber schon beim ersten Angriff fiel ihr Moses. Sie stellten nun einen gewissen Jakob Meisl an ihre Spitze, der sich schon wahrend der ganzen Reise durch seine Entschlossenheit ausgezeichnet hatte. Dieser traf in der That so gute Anordnungen, daß sich-die Feinde der Wagenburg kaum zu nähern wagten und sich darauf beschränken mußten, si? zu umringen und aus der Ferne zu belagern. Damit war aber den Auswanderern nicht gedient, sie mußten aus dieser gefährlichett- Gegend fort und überhaupt weiter zu kommen suchen. Meisl verwandelte die Wagenburg in ein Viereck- und setzte die ganze Karavane in Bewegung, Man kam wohl eine Strecke weit, aber die Räuber schossen eine Anzahl von Pferden nieder und der Zug kam ins Stocken. Die Lücken und die Verwirrung, die da entstanden, benützten die Räuber, um einzudriugen, und es entspann sich ein blutiges Handgemenge. Es gab Todte auf beiden Seiten; die Weiber und Kinder ergriffen die Flucht, kamen aus der Wagenburg heraus und viele von ihnen wurden unbarmherzig niedergemacht oder von dm Räuber gefangen. Die Wagenburg wurde wiederhergestellt, die Räuber waren zurückgeschlagen, aber diese hatten viele Weiber und Kinder in ihrer Gewalt. Meisl machte

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