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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 39 (1866) · p. Seite 154

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
39 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 154 (sequence 2)
Language
German
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beherrscht, den Handel, um in die Schule der schönen Künste zu München einzutrelen, wo er zum Lehrer den berühmten Cornelius hatte. Er zahlte damals ungefähr dreißig Jahre. Später im Jahre 1834 begab sich' Goldschmidt nach Paris, und seit dem Jahre 1836 figurirte er ehrenvoll in allen Ausstellungen der Hauptstadt und der Provinz. Seine bedeutendsten Werke sind: Eine algierische Jüdin, Gestalt in Lebensgröße; Die Poesie; Ein junger Mann, seiner Braut einen Ring bietend (1836); Die Sibylle (1844); Opfer an Venus (1845); Kleopatra; Der Fischmarkt zu Rom und der alte Tempel der Oktavia (1848); Romeo und Julie, Rachtstück, auf Befehl des Staatsministexs gefertigt; Große Alpenlandschaft; Wasserfall der Aar (1857). Die Revolution des Jahres 1848 ließ den Malern traurige Muße, welche Goldschmidt zu Gunsten der Astronomie benutzte, indem er die beiden Ateliers, die wie Taubenhäuschen oben auf den beiden Häusern, in welchen er nach einander in Paris wohnte, angebracht waren, zu Observatorien umwandelte. In diesen Ateliers entdeckte er nach einander alle seine Planeten und verbrachte im September 1860 seine Tage im Stillschweigen und in der Zurückgezogenheit bei dem Malen eines großen Oelgemäldes, das die Sonnenfinsterniß des 18. Juli darstellte, und die Nächte im Befragen der Tiefen des Himmels, wo er seinen dreizehnten Planeten entdeckte. Da Goldschmidt kein Vermögen besaß und seine einzige Hülfsquelle der Ertrag seiner künstlerischen Tätigkeit war, so konnte er nicht die ungeheure Ausgabe für große und genaue Instrumente machen. Während der ersten Jahre seiner Untersuchungen hatte er an Instrumenten für astronomische Beobachtungen nur'ein einfaches Taschcnfernrohr, Chercheur genannt, und so ist es überraschend, wie er mit so schwachen Mitteln der Beobachtung zu so schönen Endeckungen gelangen konnte. Bis vor kurzer Zeit waren nur neunzehn Planeten bekannt: Herr Chacornac in Marseille hatte den zwanzigsten entdeckt, der „Masialia" genannt wurde; und so war es ein großes Ereigniß in der wissenschaftlichen Welt, als Herr Goldschmidt später in Paris den einundzwanzigsien Planeten entdeckte, welcher den Ramm,Lutetia" führt. Voll Liebe und Verehrung für seine würdige Mutter, die Helene hieß, hatte der Künstler-Astronom den rührenden Gedanken, seinem Planeten diesen Namen zu geben, aber Betrachtungen einer erhabenen Natur und auch, wie wir glauben, der Wunsch, seinem Adoptivvaterlande eine laute Huldigung darzubringen, veranlaßten ihn. einen Namen, der ihm theuer war, gegen denjenigen der Hauptstadt Frankreich's. Lutetia, zü vertauschen, wo er zum ersten Male einen Planeten entdeckt hatte. Die wichtigen Entdeckungen des Herrn Goldschmidt fanden in folgender Ordnung statt: Lutetia, 15. November 1652; Pomona, 26. Oktober 1854; Atalanta, 5. Oktober 1855; Harmonia, so genannt in Erinnerung an den Friedensschluß, 1856, am 13. März; Daphne, 22. Mai 1856; Nyta, 27. Mai 1857; Eugenia, II. Juli 1857; Melita, 9. September 1857; Palcs und Toris, beide am 19. September 1857; Europa, 6. Februar 1858; Alexandra, 60. September 1858; Danane, 9. September 1860; Panopa, 5. Mai 1861! Wie diese Liste zeigt, wird das Jahr 1857, Dank Goldschmidt, eine bemerkenswerthe Epoche in den Annalen der Astronomie bilden: im Zeittaume von sechs Monaten hat er fünf , Planeten entdeckt, davon zwei am selben Tage, am 19. September; ein Verdienst, welches Herr Babinet einige Tage später (Journal des Debats, 26. September) hervorhob, „aber," beeilte sich der geistreiche Gelehrte hinzufügen, „eine nicht minder bewundernswürdige Arbeit ist von Herrn Goldschmidt gethan: sein Planet Daphne war verloren unter Hunderttausenden von Sternen zehnter Größe. Dank einer eifrigen, langwierigen und scharfsinnigen Arbeit, hat Herr Goldschmidt einen Diamanten gefunden in einem Sandhügel." Goldschmidt war einer jener nützlichen Menschen, welche dem Staate nichts kosten, und man thut ihm nur Gerechtigkeit. wenn man von ihm sagt, wie der Abbe Moigno im Cosmos (1859): „er ist ein Astronom, der, von wiffenschafklichem Standpunkte aus, nicht allein Frankreich vor der Unterordnung vertheidigt, sondern es sogar in den ersten Rang der priviligirten Stationen versetzt hat." Diese Betrachtungen haben für Goldschmidt eine der wenigen Anwendungen des Gesetzes vom Dezember 1849 veranlaßt, welches den Fremden, die sich ein außerordentliches Verdienst. erworben haben, die Naturalisation zu gestatten erlaubt. Die Ehrenbezeigungen wie die ehrenden Belohnungen d'er gelehrten Körperschaften würden Goldschmidt nicht gefehlt haben, wenn seine außerordentliche Bescheidenheit! ihn nicht veranlaßt hätte sie zu fliehen, aus Furcht, einige 1 Augenblicke seinen theuren Studien zu entziehen. Aber so bescheiden seine Neigungen und so groß seine Erfolge waren, er starb, ehe er einen seiner liebsten Träume sich verwirklichen gesehen, ehe er ein hinreichend starkes Teleskop j besessen, welches ihm erlaubte, seine Nachforschungen weiter , in den Himmel auszudehnen. Wer kann sagen, was er erreicht hatte, er, der so viel mit so schwachen Mitteln , gethan hat! Wenn ihm auch diese Genugthuung nicht gewährt wurde, so giebt es eine Belohnung, wegen deren er sich mit Recht stolz gezeigt hat, nämlich die Ehrenlegion, welche ihm der Kaiser 1857 gewährte, auf den Vorschlag des; Marschall Vaillant und nach der freiwilligen Forderung j der Akademie der Wiflenschasten. i 1 Aus der Schule. Erinnerungen.! (Schluß.)! Dies ist so ungefähr das Bild unsrer Schule in Be- > zug auf den Unterricht. Dem geselle sich noch ein Blick > auf die Disciplin. Don Censuren, halb- oder ganzjäh- . rigen hatten wir keine Vorstellung; ebenso wenig von Rügen vor dem versammelten Lehrerkollegium; dergleichen Formalitäten liebte man nicht. Von Strafmttleln fand keine große Auswahl statt. Ich erinnere znich, daß in einem Winkel des Hofraums ein großer, hölzerner Esel

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