Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 39 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4908862-5999396-6026825--3320-4911507- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Jüdisches Bolksblatt. Zur Belehrung und Anterhattung aut jüdische,» Gebiete. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn.; [No. 39. 1866.^1 U.,t J J.U ■ «o» Mdre 8rit14rift eridwtat trwkmli4 tiae «»»»er. Steil )« 2«dr» gang« 1 Iblt- 9»tne,iäbri)t 7 V «|t. 8D< B»ckba»rU«»ge», Srftänta ■nb ämunftMrvebitirsni »eb»en SefteD^Miea ««. [13. Jahrg. 3. Quartal. Hermann Goldschinidt, Maler und Astronom. Am 29. August verstarb der weithin berühmte Hermann Goldschmidt zu Fontainebleau, wo er seit einigen Jahren wohnte. Wir theilen folgenden Nekrolog aus der Abeille de Foulainebleau mit: Vergangenen Donnerstag bewegte sich ein Trauerzug durch die Straßen von Fontainebleau, um sich direkt von einem bescheidenen Hause der Straße Saint-Honorv nach dem israelitischen Vegräbnißplatz zu begeben. Einige Verwandte, die Mitglieder der israelitischen Gemeinde, viele angesehene Persönlichkeiten und mehrere Mitglieder der Departemental - Gesellschaft für Archäologie folgten dem Sarge. Ein Picket Infanterie unter einem Lsfiziere erwies die militärischen Ehren, welche den Mitgliedern der Ehrenlegion bestimmt sind. Dieser Leichenzug war der eines edlen Menschen, eines verdienten Künstlers und berühmten Gelehrten, der im Allgemeinen hier wegen seiner bescheidenen Gewohnheiten und seines zurückgezogenen, ganz der Arbeit gewidmeten Lebens wenig bekannt war, aber den während seiner letzten Jahre besessen zu haben. Fontainebleau sich beständig rühmen wird, und dessen Name in unvergänglicher Weise in das goldene Buch der Wissenschaft eingeschrieben ist. In der That wird Hermann Goldschmidt, acht Mal während des Zeitraumes von zehn Jahren durch die Akademie der Wissenschaften gekrönt, im Jahre 1861 mit einer großen goldenen Medaille von der Königlichen Astronomischen Gesellschaft in London geehrt, deren Mitglied er 1866 geworden ist, unter allen Astronomen berühmt bleiben, denn man schuldet'ihm die Entdeckung von vierzehn Planeten in der Asteroidenzone zwischen Mars und Jupiter., Die archäologische Gesellschaft des Departements Seine-et-Marne rechnet eS sich zur Ehre an, Herrn Goldschmidt unter ihre Begründer zu zählen. In Gemäßheit des israelitischen Ritus wurde der Sarg von Glaubensgenossen zum Friedhofe getragen und von ihnen in eine, zwischen vier jungen Eichen gegrabene Vertiefung niedergesetzt, an einem Platze, den Herr Goldschmidt selbst bestimmt hatte, neben einem einsamen Fußpfad, auf dem er zu wandeln liebte. Auf dem Friedhofe hielt Herr Di. Tabouret, Oize- Präfident der Sektion von Fontainebleau der archäologischen Gesellschaft des Departement-, folgende Ansprache: „Erlauben Sie mir, im Namen der archäologischen Gesellschaft Sie an dem offenen Grabe eines vorzüglichen Mannes aufzuhalten, welchen der Tod eben der Wissenschaft geraubt hat, und zwar in dem Augenblicke, wo er den letzten Stein in das Gebäude setzen wollte, an dem er vierzig Jahre lang gearbeitet hatte." „Vor einigen Monten erst hat er in der Akademie der Wissenschaften ein kostbares Manuscript niedergelegt, welches die Krönung der Arbeiten seines ganzen Lebens sein sollte. Noch ein Augenblick, und er hätte sich der Frucht seiner Entdeckungen erfreuen können; aber dep Tod wartet nicht, und anstatt einer Krone, die ihm di« Wissenschaft versprach, reichte ihm der Tod nur sein trauriges Grabgewand." „Goldschmidt, meine Herren, war einer jener uneri müdlichen Männer, die alles einer Idee opfern. Reich-, thum, Ruhe werden von diesen ausgezeichneten Geistern für nichts gerechnet; sie leben nur für einen ^einzigen Zweck, den Fortschritt der Wissenschaft." „Die Astronomie zahlte Goldschmidt unter ihde^ glühendsten Jünger. Er hat in der Himmelssphäre zahlreiche Entdeckungen gemacht, die seinem Namen den ausgezeichnetesten Rang sichern. Mehrere gelehrte Gesellschaften ehrten ihn hoch, sie hatten ihn zu chrem Pen« sionnär angenommen und bestimmten ihm jedes Jahr Belohnungen, die seinem Talente geschuldet waren. Der Beherrscher unsres Staates hat auf die Brust Goldschmidt's das Kreuz der Ehrenlegion geheftet, jenes ruhmvolle Zeichen, welches in der ganzen Welt verkündet: Verdienst und Edelmuth in Gemeinschaft." „In Goldschmidt bedauern wir den Gelehrten, bedauern wir auch den wackern Mann, in dem sich Tugenden .offenbarten, die sich sonst selten vereinigt finden: das Talent und die Bescheidenheit, die Festigkeit üttd die Güte und die Sanftheit des Charakter-, welche ihn bald von allen, die ihn kannten, als einen Freund betrachten ließen." „Zu dieser Stunde hat ihn der Gott seiner Vät« beurtheilt, er hat ihm einen Platz zu seiner Rechten gegeben, und er weiß nun, was die Belohnungen der Erde im Vergleich zu denjenigen sind, welche unin den ewige« Wohnstätten zugetheilt werden." In Frankfurt am Main geboren, schloß sich Hermann Goldschmidt, nachdem seine Erziehung beendigt seinem Vater an, den er in seinem Handel unterstützt«. Trotz der Dortheile, die ihm in dieser Stellung sich« waren, verließ Hermann, von sein« Neigung zur Malerei