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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 38 (1866) · p. Seite 151

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
38 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 151 (sequence 3)
Language
German
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151 Menschen breitet sich zwischen seinem.Egypten und seinem Sinai ein Rothes Meer und eine Sapdwüste; aber hat er beide durchschritten: steht er am Fuße des Gottesberges und hat in der Wonne und Erhebung seines Geistes Alles vergessen, was hinter ihm liegt. Sehen wir uns um im Kreise unsrer Familie und drücken Alle an unser Herz, die der Herr uns gegeben und erhalten hat. Fühlen wir uns in der Gesundheit und Kraft, die uns geblieben, in den Mitteln, die uns nicht geschwundensind, und sie werden ,uns genug sein, um weiter zu arbeiten,! weiter zu schassen und zu wirken. Und dies ist doch das Haupttheil des Lebens. Unsre Erfolge, unsre Erwerbniste sind alle schwankender Art. und schwinden uns leicht unter den Händen hinweg. Rechnen wir auf sie 'für unsre Kinder, werden wir uns zehn Male getäuscht finden — denn eignen sie sich für sie? und wisien sie den rechten Gebrauch davon zu machen? Aber was wir gearbeitet, geschafft, gewirkt — das ist unser eigen und kugn uns nicht genommen werden. Es soll bester werden. Dies ist unser Aller Wunsch. Draußen, im großen Ganzen, im Staat, in der Gesellschaft. Drinnen, in unserm Hause, in unsrer Familie, an äußeren und inneren Gütern. Aber am meisten Drinnen, in unserm Ich, in den Kammern unsres Herzens und Geistes, in unsrer religiösen Ueberzeugung, in unserm sittlichen Bewußtsein und in der Bethätigung dieser. Ihr Alle, die Ihr dieses Fest feiert, schließet Euch enger und inniger an Euer Judenthum an. Daß Ihr es feiert, dadurch beweiset Ihr. daß Ihr Juden seid. Warum und wozu nun dies halb oder noch weniger sein? Wir wünschen aus Israel allen Fanatismus, alle Verketzerungs- und Verfolgungssucht hinweg. Aber ebenso warm und innig ist unser Wunsch, daß diese Gleichgültigkeit, dieser Jndifferentismus, diese Mißachtung aus unsrer Mitte verschwinde, die so Viele vergessen macht, daß sie Juden sind, oder aber, wenn sie daran erinnert werden, sie unwillig und ärgerlich werden läßt, am wenigsten aber sie beeifert, für das, was dennoch den Kern ihres geistigen Lebens ausmacht, zu streben, zu wirken und Opfer zu bringen. Hinweg mit dieser Geist- und Kraftlosigkeit! Ja. es bestcre sich in diesem neuen Jahre! Die Einweihung der neuen Synagoge in | Berlin am 5. September. Unter den großartigen Neubauten der Residenz nimmt neben der Börse und dem noch nicht vollendeten Rathhause die neue Synagoge einen bedeutenden Rang ein. ' Im Jahre 1859 begonnen, wurde sie im Rohbau zw.ar schon im Jahre 1863 beendet, wogegen die innere Ausj schmückung einen fast eben so großen Zeitraum in Anspruch nahm. Nach dem ursprünglichen Bauplan war der Kostenanschlag auf 125,000 Thaler berechnet, aber : durch mannigfache Abänderungen diese Summe bis auf; 750.U00 Thaler erhöht worden. Der leider zu früh [ verstorbene Baurath Knoblauch führte die Oberleitung, > unterstützt von dem Architekten Hähnel. Spater, als, Knoblauch von einem unheilbaren Gemüthsleiden er-! griffen wurde, übernahm der Geh. Ober-Baurath Stüler J die Vertretung des Leidenden und als auch er durch I einen plötzlichen Tod der Kunst entristen wurde,' führte! Hähnel den Bau bis zu besten jetziger Vollendung. Die neue Synagoge selbst erhebt sich in der Oranienburger Straße mit ihrer Fronkvon 92 Fuß und in einer Tiefe von 308 Fuß. Der imposante und eben so originelle Bau ist im maurischSn L tyle ausgeführt, mit Thürmen und orientalischen Kuppeln reich geschmückt und durch ein kunstvolles Gitter an der Vorderseite von der Straße abgeschloffen. Drei mächtige Broncethüren führen in das Innere, zunächst "ineine Rotunde von 45' Durchmesier, deren Decke von zwölf schlanken Säulen getragen wird, daran schließt sich eine > Vorhalle, welche in die sogenannte kleine Synagoge führt,! wo an Wochentagen der gewöhnliche Gottesdienst abge- ' halten wird, während an den Feiertagen die eigentliche v | Hauptsynagoge zu diesem Zwecke bestimmt ist. Diese ’ selbst bat eine Länge von 143' uno eine Breite von ' 126'; so daß sie für die Bedürfniste der Gemeinde vollkommen ausreicht. Ihre Ausschmückung ist eben so reich ' als geschmackvoll und erinnert unwillkürlich an die Zauberräume der Alhambra und die schönsten Denkmäler der , arabischen Architektur! Die mit Sternen besäete Decke. . deren Höhe im Mittelschiff 87' beträgt, ruht auf einer j doppeltes Reihe von Säulen, zwischen denen sich die ] 25' int Durchmesier enthaltenden Bogen wölben. Das 1 Licht strömt von vier kleineren und einer größeren Hauptkuppel, sowie durch fünf Seitenfenster und 10"Fenster in den Emporen ein, durch die bunten Scheiben magisch gedämpft und verklärt. - Decke, Wände, Säulen, Bögen ■ und Fenster sind mit verschwenderischer Pracht auSgestattet und bilden mit ihren Vergoldungen und Verzierungen einen .wunderbaren, zu einem harmonischen Ganzen sich verschlingenden Arabeskenkranz von feenhafter, . überirdischer Wirkung. Diese gipfelt sich in dem sogenannten Allerheiligsten, zu dem eine breite Marmortreppe! von beiden Seiten führt. Hier erhebt sich zunächst der j Tisch des Vorbeters, dahinter die Kanzel des Predigers : von weißem Marmor und mit kostbaren Steinarten reich! geschmückt. Unter einem Tabernakel, das von zwölf ■ weißen Marmorsäulen getragen und von einer vergoldeten i Kuppel gekrönt wird, ruht gleichsam wie ein Schatzkästlein die aus Holz kunstvoll geschnitzte „heilige Lade", welche die geweihten Gesetzesrollen birgt. Der Eindruck des! Ganzen, beleuchtet durch dar gedämpfte Licht der bunten Glasfenster und den Kerzenglanz der goldenen Kandelaber, ist in der That groß und ergreifend. — Am Tage der Einweihung versammelten sich in diesen Räumen die Repräsentanten und Mitglieder der jüdischen Gemeinde, die Vertreter der Stadt und der Königlichen Behörden, sowie die zahlreiche Menge der Ehrengäste. Unter den Letzteren bemerkte man den Grafen Bismark, die Minister v. d. Heydt, Mühler und Eulewburg, den Fürsten Radziwill. Feldmarschall Wrangel, General v. Waldersee u. s. w. Die Feier wurde durch den Chorgesang des 26. Verses 116. Psalms eröffnet, desten bedeutende Compofition von dem Musikdirector Lewandowski, dem um die Ausbildung des musikalischen Theils des Jüdischen Gottesdienstes hochverdienten Chordirektor der hiesigen Jüdischen Gemeinde, herrührt. Derselbe leitete selbst die Aus-

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