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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 37 (1866) · p. Seite 147

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
37 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 147 (sequence 3)
Language
German
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0uimnvHvw|vuu, imu/ den £t<Um blätterten, wo herzlich schlechte Holzschnitte die Lastarbeiten der Kinder Israel in Aegypten, die zehn Plagen, welche Pharao und sein Volk trafen, den Untergang des hartnäckigen Königs mit seinem Heere in den zurückkehrenden Fluthen des rothcn Meeres abkonterfeiten. Mit schulmeisterlichem Ernste erklärte der Knabe seinem aufmerksamen Schwesterchen die Bilder, und ihre kindlichen Fragen zeigten, daß sie von seinen gelehrten Bemerkungen — nur wenig verstand. Weibliche Beschäftigungen haben das Eigene, daß sie mitten in der Thätigkeit der emsig Schaffenden die Freiheit lassen, die Gedanken nach Belieben umherschweifen zu lassen. Bei dem armen, bekümmerten Weibe geschah dies aber kaum nach Belieben. Ihre Gedanken waren nothwendig gerichtet auf den fernweilendm Mann, der bereits seit vier Monaten als Landwehrmann ersten Aufgebots eingezogen worden, und in den letzten zwei Monaten auf dem Kriegsschauplätze geweilt hatte. Dann und wann war ein Briefchen emgelaufen, das ihr die beglückende Nachricht brachte, wie er Wohl und unverletzt geblieben. Aber die Freude hierüber, nachdem noch dazu die Waffenruhe so schnell eingetreten, wurde durch die, Furcht verkümmert, daß die böse Seuche in den Reihen der preußischen Krieger ausgebrochen und viele Opfer fordere. Ihr banges Herz zog sich krampfhaft vor der Angst zusammen, daß auch ihren braven geliebten Mann dieses schreckliche Loos treffen, und — nein! sie konnte diesen Gedanken nicht zu Ende denken! Und ihre Seele war auf die Noth gerichtet, die mit dem Abzüge des Ernährers, in ihrer Hütte eingezogcn. Sein Fleiß und seine Gewandtheit hatten sie anständig ernährt, wenn er auch Nichts zu erübrigen vermochte. Ihre siebenjährige Ehe war bereits mit vier Kindern gesegnet, theuren, holden Kindern, deren Pflege aber der Mutter um so weniger gestattete, das Nöthige in der Abwesenheit ihres Mannes zu erwerben. Und doch hatte sie sich nicht überwinden können, um die Unterstützung der städtischen Gemeinde an die hinterlaffenen Familien der Landwehrmänner nachzusuchcn, und sich unter die Frauen zu mischen, welche Woche für Woche sich im Rathhause zu versammeln hatten, um die Spenden in Empfang zu nehmen. . Ach, sie war von so „bekoweten" Eltern, und ihr Mann galt Etwas in der Stadt und in" der Gemeinde, und : mußte es nicht selbst seinem Eredite schaden, ohne welchen | er doch nach seiner Rückkehr seinen Handel nicht wieder: betreiben konnte, wenn sic unter den Almosenempfängern! gestanden hätte! Freilich, die Noth ward immer größer. und so hatte das Mutterherz kurz vor dem Feste doch j den Sieg über den Stolz davon getragen, uud sie hatte > eine Gabe erbeten und empfangen. So konnte sie zum . heiligen Feste doch einige bescheidene Zurüstungen treffen, j das war ein Jubel für die beiden größeren Kinder ge- , wesen, einen schönen Lbstkuchen zum Bäcker zu bringen, , und ihn wohlgebräunt und duftend nach Hause zu tragen. Jetzt hatte die Frau das zweijährige Mädchen zur Ruhe; in die Kammer gebracht, ihren halbjährigen Säugling noch einmal an der Mutterbrust genährt und räumte im i Stübchen auf, um sich dann zum Gebet und hierauf mit j ihren beiden Aelresten zum frugalen Festmahle zu setzen.! Da ging, plötzlich die Thüre auf, und in derselben er- , schien jener Mann in der blauen Blouse mit der Mili-; , tmrmütze. Im ersten Augenblicke wardie Frau wie i erstarrt. In ihrer Geschäftigkeit hatte sie die nahenden ' Schritte nicht gehört. Wie? War^ es der Geist ihres i Mannes? Aber ein lautes, fröhliches'„Leschonoh tauwoh" ' löste ihren Schreck, und mit dem Rufe „David, mein David!" stürzte sie an die Brust des Angekommenen. „Vater, der Vater!" riefen die Kinder, sprangen vom Stuhle und umklammerten die Füße des Mannes, der mit der , Linken sein Weib umschlang und mit der Rechten die Häupter seiner Kinder an sich drückte. Es war ein > Rjoment unermeßlicher Seligkeit und unbeschreibbarer Ge-! fühle, die sich nur in Freuden- und Dankesrufen gegen! den göttlichen Lenker der Geschicke Luft machten; Keiner! konnte sich vom Andern losreißen, und die Khnder such-! len, an ihren Eltern in die Höhe zu kommen, um sich auch zum Gegenstände ihrer Liebkosungen zu machen. Plötzlich schrie es in der Kammer, und die Eltern eilten hinein, die Mutter mit einem Lichte: das Iettele war wieder aufgewacht. Der Vater nahm es aus seinem Beuchen und holte aus der Tasche einige Chokoladrstückchcn, die er hierzu gekauft und unter die Kinder vertheilte. Dann führte ihn die Frau zur Wiege, in welcher der Säugling schlummerte, und der Vater konnte sich an dem schönen, wohlgenährten Knabchen nicht satt sehen and dankte seinem Weibe ein Mal über 'das andere für di« Multerpflege, die sie den Kindern angedeihen gelaffen. „Sie sehen ja alle so schmuck und so prächtig aus." Das Kind hatte sich wieder beruhigt und §um Schlafen herumgedreht; da ging's in die Stube zurück. Bei seinem Eintritt hatte der Mann ein starkes Bündel schnell auf einen Stuhl geworfen, bevor er sein Weib umarmte. Jetzt wurde es hervorgeholt, aufgeknüpft, und tie schönen Dinge auf dem Tische ausgebreitet, die der Vater für die Seinen zu Rauschhaschonohgeschenken mitgebracht: für den Knaben einen schönen Hut, für die Mädchen """ hübsche Röckchen, ein Bilderbuch und zwei Puppen, und für die Frau — den Stoff zu einem schönen Kleide, womit sie am Sabbath und Fest sich wieder herausputzen könne. Das Staunen, die Bewunderung, die Freude waren unbegrenzt. Aber die Frau hob doch einen sorglichen Blick zu dem Manne empor und auf den Lippen schwebte die Frage: „Wie konntest Du, lieber DaAid... jetzt, wo wir so viele .. „Laß gut sein, theures Weib, kam ihr der theure Mann zuvor. Ich kann dir noch mehr zeigen." Und aus derBrusttasche brachte er einerothlederne Brieftasche hervor, die ihr wohl bekannt, deren Farbe freilich vom Gebrauche sehr gedunkelt hatte, und aus chr hob er triumphirend einen Schein in die Höhe, einen — Funfzigthalerschein! „Siehst du, Marianne, damit fange ich mein Geschäft wieder an, und der Gatt, der-uns glücklich wieder' zusammengebracht und unsre Herzen heute so überaus beglückt, er wird uns Seinen Segen spenden, daß wir bald auf all' die Noth und Gefahr, die wir durchgemacht, mir freudiger Erinnerung zurückdenkpr werden. Und siehst"du, du kannst es ruhig in deine reine Hand nehmen; es haftet kein Blut und kein Seufzer voran. Einem reichen Manne in P. habe ich in der Stunde großer Ledrängniß einen wichtigen Dienste ^. geleistet, der mit meiner Pflicht als Soldat in keinem Widerspruch stand; und da hat er mich mit diesem Scheine beschenkt, den ich als ein Pfand glücklicher Zu-

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