Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 37 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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funft auf meinem Herzen verwahrte. Diese Sachen aber habe ich mir an meiner Löhnung in der letzten Zeit erspart, da wir noch ganz gut verpflegt wurden. Sv sei nun ganz glücklich und laß uns zu Tische setzen, denn ich Hab großen Hunger. Ich und Jakob find von der letzten Eisenbabnstation sechs Stunden ohne auszuruhen hierhermarschirt, um vor dem Anfang des heiligen Festes noch hier zu sein." Noch eine Umarmung. Noch einen Kuß!- Wir versetzen uns nach einem Städtchen, weithin gen Osten, im Böbrnerlande. In einer ziemlich breiten Straße strömen aus der weit geöffneten Pforte eines baufälligen Hauses viele Menschen heraus, Männer und Frauen, jene in dunkler Kleidung, diese in weißen Gewändern. Wie sie vor einander vorüberdrängen, hört män sie die Worte sich zurufen: „Lesckonoh tauwoh thikkoßeiw!" Es waren die Beter und Beterinnen, welche die hinter dem Hause befindliche Synagoge nach beendetem Gottesdienste des ersten Rausch-haschonoh-Abends verließen. Einzelne der Männer bildeten in der Mitte der Straße hier und da eine Gruppe, die noch einige Augenblicke zum Plaudern sich vergönnte, ehe sie den Rückweg nach ihren Hausern antraten; man kam, man stand, man ging. „Nun", sagte einer, „da haben wir denn die i Kaiserlichen wieder hier, und es ist ein ganz schmuckes Corps Jäger, das heute eingezogen." — „Ja, ija," erwiderte ein anderer, „sie nehmen sich doch ganz anders , aus, als die Preußen, die gestern von hier fdrtzogen. j Die gehen so leger, die Uniformen hängen ihn gm Leibe, und die schwarzen Kochtöpfe auf dem Kopfe gesellen mir auch nicht." — „Mag sein", siel ein anderer ein. „wenn einmal ein Feind sein muß, lobe ich mir diese Preußen doch. Sie haben uns viel gekostet, viel aufgegeffen, aber niemanden etwas zu Leide gethan, und waren freundlich mit jedem, der freundlich gegen sie war.' Großer Gott, was haben wir uns alles von ihnen vorgestrllt, wie sie uns die Häuser über den Kopf anzünden, unsere Möbel j zerschlagen, unsere Kinder mißhandeln werden — sie haben von allem dem nichts gethan." — „Du hast reden, Jekef, sie haben dir deine Pseifenköpse und deine Cigarrenspitzen gut genug bezahlt" — „Und dir haben sie deinen Liqueur ' auch nicht umsonst ausgetrunken." — „Laßt es gut sein," . redete ein anderer hinein. „Danken wir Gott, daß die I Oesterreicher wieder da sind. Hab« ich doch mehr gezittert , vor dem czechischen Pöbel, wenn die einen fortgezogen,! und die andern noch nicht wiedergekommen sein werden. Das Gesindel in der Stadt und Umgegend hatte sich i schon drauf gefreut, und wir wären alle unsres Lebens! nicht sicher gewesen!" — (Schluß folgt).; Die Emsühriilig des neuen Großrabbinen! von Belgien Herrn Astruc in sein Amt. ‘ Brüssel, 26. August 186«. Tie Feierlichkeit in der Synagoge war recht schön und würdig, batte sich aber noch viel vollkommener - gemacht, wenn die Synagoge nicht so klein wäre. Eine ' Derantworäicher Reda, «olaj oer. Banmzärtner's Sn^antlung in erstickende Hitze war schon in dem überfüllten Raume, als der H. Rabbiner, begleitet vom Konsistorium und den Dorbetern, unter dem Gesänge des 122. Psalms, Musik von Halevi, eintrat. Der Chor bestand aus Damen und Herren. Nach Absingen des Psalms rezrtirte der erste hiesige Vorbeter. Herr Cohn, mit seiner kräftigen Stimme die Dewillkommnungsstanzen in hebräischer Sprache. Darauf hielt der Präsident des Konsistoriums eine kurze Ansprache welcher der Psalm 25 folgte cornponirt von Herrn E. Lassen, der sehr gut vom Chor ausgekührt wurde. Alsdann bestieg der Rabbiner die Kanzel um die Anwesenden durch eine recht eindringliche Ansprache, denn Predigt war es wohl nicht zu nennen, zu erheben. Nachdem er die Tugenden seines Vorgängers und dessen Hingabe an sein Amt hervorgehoben hatte, ging cr zu dem Kern seines Vortrags über: die Stellung nämlich des Geistlichen dem Staate und den Mitbürgern gegenüber, und dann noch die Pflichten, die ein Rabbiner in seiner Gemeinde vollbringen muß. Er sprach auch noch über den Kultus im Allgemeinen und kam dann auf den jüdischen speziell zurück, der, obgleich die Grundlage dieselbe bleibe, doch den Veränderungen der Zeit unterliege und den Umständen der Zeit Rechnung tragen muß. In diesem Sinne wäre schon vieles geschehen von Seiten der Gemeinde, es bliebe aber noch vieles zu unternehmen, zu deffen Ausführung er um den Beistand jedes Einzelnen bitte; eine der nächsten Thaten müßte aber der Neubau einer Synagoge sein, die würdiger der Gemeinde sei. Nachdem er die jüdische Mildthätigkeit, wie sie in einer ganz besondern Art bestanden hat und noch besteht, näher beleuchtet hgtte, forderte cr in den wärmsten Worten alle Mitglieder zum Beistände in seinem so schroterigen Amte auf. Die Vortragsweise des Rabb. Astruc ist vortrefflich, und leiht allem, was er sagt, die größte Innigkeit, indem er auf das wärmste spricht, so daß es niemals ohne Eindruck bleibt. Hierauf wurde Jimlach gesungen, dem ein Gebet für den König folgte. Zum Schluffe sang man Hallelujab, womit die Feierlichkeit schloß. — Man hatte zuerst die Absicht ihr noch ein großartiges Banquet folgen zu lasten, was man aber wegen der großen Hitze und der Cholera wieder aufgab. Allgemeine Zeitung des Judeurhums. No 36. 1866. Inhalt: Leitende L ctikel: Dir Donaufürflenthilmer. (Schluß). — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn, Mann, heim. OesterreichischerKaiserstaat:Prag,Wien.Schwei;: Bern. Belgien: Brüssel. Italien: Aus Oberitalien, Paris. Frankreich: Paris. Dänemark: Kopenhagen. Abhandlungen verschiede neu Zn Halis: Die MoseSgruppe von Rauch (Forts.). ZE3* Au bestehen.durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, viertejäbrlich A Thaler. Dr. H. Lotzr Seivrig. — Truck von A. Kreysing in eeipjig