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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 34 (1866) · p. Seite 135

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
34 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 135 (sequence 3)
Language
German
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135 diese Pmge, das ist Nichts, weil die Individuen eben nur solche sind. Oder wollen sie sagen, alle diese Dinge zusammengenommen sind Gott, so haben sie txiederum Gott zu Nichts gemacht. Denn alle Wesen bilden ein Ganzes nur durch den Zusammenhang, in welchem sie stehen, durch die Jneinandergliederung, indem jedes seinen Bestand dadurch fortsetzt, daß es die anderen Dinge auf sich wirken läßt, daß es sie ganz oder zum Tbeil in sich aufnimmt.. Dieser Zusammenhang ist aber an sich Nichts, denn er besteht nur in der Aneinandersügung der Dinge, in der Wirkung, die in einem Gegenstände durch den andern hervorgebracht wird; die große Weltordnung in der Natur ist also nichts Wesenhaftes, sondern beruht nur in den Attributen, in den Eigenschaften der einzelnen Dinge. Der Gott der Pantheisten ist also ein Nichtgott, und Du wirst begreifen, daß, da wir nur individuelle Dinge kennen, -die in einem Zusammenhänge stehen, das, wäs Alle sein sollen, ein Nichts ist." Clara erwiederte: „Jetzt verstehe ich Dich; aber trotz Deiner scharfen Beweisführung kann ich mich noch nicht dazu bekennen. Ich nehme meineZuflucht zu einem Vergleich. Ich schaue in diese Gegend hinaus, ich bewundere sie, ich ergötze mich an ihr. Was ist das, diese Gegend? Diese Berge, Ebene, Häuser und Weinberge, dieser Fluß, seine Usir, die Bäume, die sie beschatten. Alles dies ist diese Gegend, obgleich sie nicht der Berg, der Fluß, der Baum u. s. f. sst. Die Gegend ist also Alles dies und kann ich nun sagen: die Gegend ist Nichts, weil sie Alles ist?" Haupt, aber das Wssen, das eigentliche Sein jedes Dinges ist Gott." | „Gut", antwort 4e Ernst. „Dann wird et uns aber gestatten muffen, ih>> zu fragen, was er mit diesem Wesen oder eigentlichen Sein jedes Dinges versteht? Wir können an dem Dinge doch nur den Stoff, aus dem es besteht, und das Gesetz, nach welchem dieser Stoff zu diesem Dinge so ui d so sich gestaltet hat , unterscheiden. Das Wesen kann nun theils in dem Stoffe, theils jn dem Gesetz liegen; beide zusammen machen das DÄlg aus. Den Stoff an und für sich,-wie er aus gewissen,. Elementen zusammengesetzt ist, wird selbst der Pantheist nicht Gott nennen,! wozu auch? Er ist Stoff. Aber das Gesetz? Nun dies ist, da der Pantheist kein besonderes schöpferisches Wesen, Gott, anerkennt, mit dem Stoff inhärirend verbunden, für ihn gar nicht getrennt vorhanden, also — wieder nichts Besonderes, was als Gott bezeichnet werden kennte." Adolph war mit dieser Auseinandersetzung einverstanden, und fügte nur hinzu: „Ich habe es.immer als eine Täuschung, unter Umständen als eine Fälschung angesehen, wenn man vorgab, daß sich die pantheistische Anschauung auch mit dem Judenthume vertrüge. Letzteres wolle nur die Eicheit Gottes und seine Unkörperlichkeit lehren, überlaste es aber Jedem, sich diesen Gott izu denken, wi: er es vermöge. Es mag dies wohl Jemand aus dem Nützlichkeitsgrunde zugeben, daß das Judenlhum so um! affend wie möglich sei und so viel möglich Denkfreiheit wie möglich gewähre. Aber dieser Nutzen _ Äf .. würde doch nur ein um so größerer Schaden sein, denn Das Glcichnlß macht dir alle Ehre, Schwester, rst~^ zuletzt würde es < uf diese Weise nur zu einer leeren sthr scharfsinnig gewählt. Aber schlagend ist es doch nicht. Du kannst nemlich nicht mit Recht sagen, daß die Gegend alle die von Dir aufgezähltcn Dinge, also Alles was sie umfaßt, ist. sondern nur daß alle diese Dinge zusammengenommen die Gegend ausmachen. Die Gegend ist demnach nichts anderes in dem Vergleich, als das Weltall in der Natur, als die Gesammtheit aller Wesen und Dinge in der Natur. Ich habe Dir aber oben gezeigt, daß diese. Gesammtheit nur in dem Zusammenhänge der Dinge und in den zu diesem Zusammenhänge nothwendigen Eigenschaften besteht, also an und für sich selbst nichts ist. Ebenso ist die Gegend nur das Zusammenwirken der in ihr vorhandenen Gegenstände zu einem G'sammtbilde. Weltall und Gegend sind nur Begriffe des Menschen, die er sich aus der Verbindung der einzelnen Dinge combinirt, jenes sehr unklar, weil es unbegrenzt, diese bestimmt, weil sie durch seinen Gesichtskreis begrenzt ist. An sich aber haben beide nichts Wesenhaftes. Dieser Fluß, dieser Baum, dieser Berg bestehen auch für das Thier, die Gegend aber nicht; nicht weil es dem Thiere an Wahrnehmung fehlt, sondern an dem Begriffe, mit deffen Mangel die Existenz der Gegend aufhört." Während des Gespräches hatte sich Adolph zu ihnen gesellt, und schnell mit dem Gegenstände bekannt gemacht, sagte er jetzt: „Es ist richtig, daß Gott eine leere, wesenlose Bezeichnung wäre, sowohl wenn wir damit die Dinge ident'fizirten, wie sie sind, als auch wenn man darunter das W.ltall als Ganzes verstände. Der Pantheist weiß sich aber zu helfen, indem er sagt: nicht die Dmge über- Hülse, in welche ma t nach Belieben alles Mögliche hineinschachtelt. Mit ihrem ersten Worte unterscheidet die h. Schrift auf's Schärfste den Schöpfer und das Geschaffene und hält diese Unterscheidung bis zu ihrem letzten Buchstaben fest. Darin folgen ihr die Talmudisten auf dem Fuß, und ieder Segensspruch, den sie verordnet haben, erweist uns dies sonnenklar." Die junge Dame hatte aufmerksam zugehört, und fügte nun hinzu: „Das ist gewiß richtig; dann knüpft sich aber mir eine Frag: über die Allgegenwadt Gottes hieran, die Ihr mit beantworten müsset." (Schluß folgt.) Kuriosa. sEine Trom mel mit Bibelversen.) Aus Gaunersdorf wird folgende, nicht uninteressante Geschichte berichtet: Ein jüdischer Kaufmann kam dieser Tage mit einem ^ambour der hier lagernden Preußen zusammen und erstaunte nicht wenig, als er auf dem Trommelfelle mit hebräischen Lettern folgenden Bibelvers in der Ursprachesah: „Auf, Ewig er,zerstreue dieFeinde!" Der Kaufmann fragte den Tambour, wie seine Trommel zu diesem Spruche gekommen sei, worauf dieser erzählte- Bor der Schlacht bei Königgrätz sei ein Fell seiner Trommel geplatzt, weßhalb von seinem Commandanten in einem Orte Böhmen-Junten den Requisitionen auch ein Kalbsfell verlangt wurde. Es Wad indessen keines

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