Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 34 (1866) · p. Seite 134

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
34 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 134 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4908862-5999396-6026820--3296-4911488
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— -134 — jenigen, welche ihn aussprechen, nur die Worte der Verliebten wiederholen (der Ausdruck rca-:m .-fisn::"» im "Original ist viel stärker): und ihren Geist und ihre Gedanken zu diesen hingeführt werden (und unreine Gedanken statt frommer werden entstehen). Denselben Tadel verdienen solche, welche er Sehern Nora (der ehrfurchtsvolle Name an die Stelle von Senora (Dame) schreiben und ähnliche Ausdrücke (H. di Lonzano, in nn* *rr 147). Die Ähnlichkeit des Baues und des Klanges der spanischen und italienischen Sprache mit der hebräischen erleichterte diese Witze sehr, von denen wir viele Beispiele anführen könnten. (Siehe u. A. Ephraim Lnzzato's a*“ir:n :2 London, '1766.) Ich habe eben eine Drehorgel gehabt, die folgende zehn Melodien spielen konnte:— 1 En Kelohenu; 2 Adon Ohm; 3 Yigdal: 4 Kadiseh. 5 Halle!; 6 Aschkebinu; 7 Leclia Dodi; 8 Yad Schemha: 9 El Nora Alilah; 10 Yah E hemalig. Nach dem verstorbenen 1>. A. de Sola, aus besten Werk ich Manches von den interestanten Angaben dieses Artikels genommen habe, wurden alle diese Melodien in Spanien vor der Vertreibung der Jecken componirt, ausgenommen die des Leeha Dodi, welche von den andern Melodiken stch unterscheidet, da ste viel älter ist, als das Gedicht, das nach ihr jetzt von allen sephardischen Gemeinden gesungen wird; weil in allen alten Ausgaben ihrer Gebete bestimmt ist, daß es nach der Melodie ftn*, von •s'n'rri'i *cb: 'sre von Judah Halevi gesungen werde, der dem Autor des Leeha Dodi um einige Jahrhunderte voranging. Der Verfaster vom Lecha Dodi is^ Salomon Halevi Alkabetz, aus Zaphet. Er lebte e>st im 16. Jahrhundert und ist es einer der modernsten Hymnen in unserer Liturgie-. Betreffs Yigdal's, so hat Professor S. D. Luzzato in einem alten Manuskript folgende Bestimmung zu diesem Hymnus gefundm. rs'-ciaa O'-p* a"' orr 777« )"-,.n:Tnrn' '-1 r*:; V’si „Dies sind die dreizehn Glaubensartikel, von R. Daniel, Sohn des R. Judah, dem Dayan oder Richter, geordnet." Diese Entdeckung ist nicht ohne Jntereste für die Geschichte unsrer Liturgie. Gespräche. tFerr'eyuiig.' II. Am folgenden Tage gingErnstmitseinerjüngerenSchwester Clara am Ufer des Flusses spazieren. Es war di,selbe J junge Dame, die den Oheim Eduard in fast neckischer Weise um eine sorgfältigere und klarere Darstellung seiner Gedanken interpellier hatte. Lange hatten die Geschwister . ihre Blicke in die herrliche Gegend hinausschweifen lassen.! In der Ferne ragten die Höhen des Gebirges, von blauem Duft umhüllt, und eine weite, lachende Ebene voll grünender Saatfelder, mit Menschenwohnungen und hier und da sanften Rebhügeln, breitete sich vor ihnen aus; zu ihren Füßen aber rauschten die W llen des Stromes, und schlugen plätschernd an das Ufer. Die r Sonnenstrahlen warfen glänzende Lichter auf das Wasser, das von leichten Nachen''und schweren Lastkähnen wech-; selnd durchschnitten ward. Endlich redete die Schwester Ernst an, der in tiefes Sinnen versunken schien. „Du bist mir eine Erklärung schuldig, Bruder. Ein Ausspruch, den Du gestern thatest, ein Satz, den Du hinwarfest und der mich frappirte, ist mir seitdem nicht aus dem Sinn gekommen. Er reizte mich zum Nachdenken, und doch will er mir nicht recht verständlich werden. So macht ihr Männer es; in ' Eurer- Weisheit nehmt Ihr wenig Rücksicht auf Eure Zuhörer, und meinet, wenn Ihr etwas ausgesprochen, so ist genug geschehen. Und doch denke ich, daß das Sprechen bestimmt ist, Anderen seine Gedanken klar zu mach,n, nicht aber blos, sich selbst auszusprechen." „Das Letztere brauchte ich Dir, mein Schwesterchen, eigentlich nicht zuzugeben. Genau genommen dient das Sprechen vor Allem dazu, unsre Gedanken uns selbst erst vollkommen klar zu machen, wenigstens werden sie lies erst dadurch, daß wir sie aussprechen. Dann wäre erst das Zweite, daß Andere sie begreifen. Denn erst müssen wir uns selbst verstehen, ehe wir von Anderen verstanden werden. Doch darüber wollen wir nicht streiten, sonst könnte ich Dir zu Deiner alten Behauptung Veranlassung geben, daß wir Männer Nichts als eine Heerde selbstsüchtig, r Geschöpfe seien, die, selbst wenn sie vorgeben, die Frauen zu verehren, nichts weiter wollen, als von den Frauen verehrt zu werden. Sage lieber, welche sind die Worte, die Dir Kopfschmerz verursacht haben?" „Scherz bei Seite, Ernst, Euer ewiges Philosophiren hat mich angesteckt, und es ist mir daher um meine Frage ganz ernstlich zu thun. Du sagtest, der Pantheismus sei doch nichts weiter als Heidenthum, und lehre einen Nichtgott; denn, Du sagtest: „Was Alles ist.'ist eben Nichts." Dieser letzte Satz ist es. der mir noch nicht einleuchten will. Ich fühle wohl, daß hierin etwas Wahres liegen mag, aber ich fasse es nicht. Sage mir, ehe ich meine Zweifel kundgebe, was Du damit gemeint hast." „Seh'r gern, und es wird nicht all zuschwer sein. Die Pantheisten sagen, Gott ist die Welt, und die Welt ist Gltt. 2.ll,s Seiende ist Gott. Undda sage ich eben, daß sie aus Gott ein Nichts gemacht haben, daß chr Begriff Gott völlig leer und wesenlos ist, so daß sie nur verkappte Gottesleugner sind und ihren Atheismus mit einer Phrase zudccken. Denn Alles, was wir gewahren. was wir kennen oder in seinem Dasein voraussetzen, ist einzelnes Wesen. Wir gewahren die Wesen dieser^Erde, die Erde selbst mit der sie umgebenden Luft, die Sonne, den Mond und die Sterne. Alles ist Einzelnes. Individuen, und Jedes ist das. was es ist, immer nur individuell. Sage ich nun, alle diese Dinge sind Gott, so meine ich doch nichts Anderes, als daß diese Erde, dieses Thier, diese Pflanze, dieser Stein, diese Sonne, dieser 'Stern Gott sind. Aber alle diese Gegenstände sind doch eben Erde, Thier und Pflanze, Sonne und Stern, in ihrer ganzen Individualität, und ich mag von ihnen aussagen, was ich will, bleiben sie immer nur diese Individuen. Somit ist Gott, wenn er alle diese I. llv.dmn wäre, eben nicht Gott, sondern

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.