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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 34 (1866) · p. Seite 136

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
34 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 136 (sequence 4)
Language
German
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136 zu bekommen. Nach langem Hin- und Herrschen wurde' der Tambour an einen jüdischen Bibelschreiber gewiesen, da dieser stet- Pergament vorrächig haben müsse. In der Thal wurde dieser gerade angetroffen, als er auf einem Pergament-' Berse aufzeichnele. Der Tambour machte nicht viel Federlesens und forderte kategorisch van Vern friedlichen Manne das Material zu der Trommel, welches natürlich sofort abgeliefert wurde. Als er die fremdartigen Zeichen auf dem Pergamente erblickte, konnte er fich nicht enthalten, den Schreiber um die Erklärung derselben anzugchen. Dieser zögerte nicht, ihm zu sagen, daß die Worte den Anfang eines lieberes bedeuteten, daS er — für den Sieg der österreichischen Waffen niedergeschriebcn. „Del macht nichts." meinte der Tambour nach kurzem Besinnen, „wir requiriren das Gebet für die preußischen Waffen." Aus Nikolsburg wird erzählt: Wie bei der erregten Stimmung der dortigen Bevölkerung begreiflich, fehlte es in den ersten Stunden der Okkupation nicht an heftigen Aeußerungen gegen das Borgeben der preußischen Kommandanten in Rücksicht der Requisitionen und anderer Bedrückungen. Ein jüdischer Einwohner Nikolsburgs war sogar unklug genug, diesem Unmuthe auf offener Straße Ausdruck zu geben, und in nicht sehr gewählten Worten gegen die -Preußen loszuziehen. Einige „Sieger", welche soeben vorbeimarschirten, hiel ten es nicht für unter ihrer Würde, den Mann sofort zu ergreifen, und — ohne jede Anwendung des Zünduadelgewehrs — so gründlich zu schlagen, daß er in jämmerliches Geschrei ausbrach. Sofort sammelte sich eine große Menge der Einwohner um den Mann und seine Gegner: Soldaten traten hinzu und schon drohte die Scene in einen allgemeineren Kamps überzugehen, als Herr v. Bismarck in Landwehrmajors - Uniform auf dem Platze erschien. „Was giebt es hier?" fragte > er die salutirenden Soldaten. „Der Mann hat auf ' die Preußen geschimpft und —. " „Es ist nicht wahr," schrie der Geprügelte, der den Premier nicht erkannte; ..ick habe nickt die Armee, ick habe nur den Bismarck geschimpft . . . ." Schallendes Gelackter begrüßte die iatale Antwort, wäbrend Alles fragend nach dem Premier sab. Dieser sagte jedoch ruhig: „Laßt ihn laufen, das haben schon Größere gcthan." Zur Statistik der Israel,len. — Alexandria bat unter seinen 15,000 Einwohnern nur 4i)00 Juden, darunter :woo Eingeborene und 1500 aus Europa Eiügewandene. die zusammen 5 Synagogen besitzen. In den vier, den Juden heiligen Städten Palästina's leben 8372 Juden, nämlich in Jerusalem 4346. in Hebron 513. iw Safet 2113, in Tiberias 1407. In Konstantinepel besitzt die große jüdische Gemeinde 37 Synagogen und SO Bethäuser. In Korfu beträgt die jüdische Bevölkerung den vierlev Tbcil der Stadteinwohner und bildet zwei Gemeinden: eine Italienische und eine Griechische. Die Moldau zählt 50,000 Israeliten. Die Anzahl derselben in der Walachei ist geringer. In Odessa giebt es 17000 ansässige Juden und 6000, die sich zeitweilig dort aufhalten. Rußland mit Polen! zusammen hat gegen 2,000,000 Juden mit 616 Synagogen, 2435 Betschulen und 5109 Geistlichen. Die ' Karäer wohnen in fünf Gouvernements,' am meisten im südlichen Rußland, wo es deren 12,000 giebt. Im österreichischen Staate beträgt die jüdische Bevölkerung etwas über 1,000,000 Seelen. Italien zählt jetzt 43,446. Holland 62.647 und Preußen 250,000 Israeliten. (Uebr.) Anekdote. Ein Witzbold sagte jüngst, als in Frankfurt am Main die großen Contributionen ausgeschrieben worden: „Hier haben alle Barbiere ihren Lohn aufs doppelte erhöht." Warum? war die Frage. „Weil die Gesichter aller Frankfurter länger geworden." Notiz. Die Wiener Blätter erzählen: Der von Eisenstadt gebürtige und hier in der Stadt ctablirte Kleinhändler : Isidor «ch. kam gestern Nachmittags in das israelitische > Spital in der Hoßau und gab dem eben amtirenden Primararzt Dr. Herzfelder an, daß er sich aus Lebensüberdruß und von der bittersten Noch getrieben, mittelst Schwefelsäure zu vergiften gesucht und eine bedeutende Quantität dieser Flüssigkeit zu sich genommen habe. Der Aermste wurde schnell zu Bett gebracht, und starb zwei Stunden später trotz der sofort angewendeten Gegenmittel. Allgemeine Zeirung de« Judenkhums. No. 33. 18',6- Inhalt: Leitende Artikel: Die Friedenkaussickten. — Zur Charakteristik des Talmuds. X. - Heber die Form;ur Eingehung einer vollgiltigen Ehe eines jütt chen Brauipaares tn den östlichen Provinzen de» preußischen Staates. - Z eirurtgsn ach richte»,: Deutschland: Easiel. Preu ßeu: Berlin. Görlitz. Orsterreichischer Kai se rftaat: Wien. Rußland: St. Petersburg. Türkei: Loostaininopel. Frankreich: Mühlhausen, Pari». Italien: Aus Ober« «alten. Spanien: Madrid. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Die MoseSgruppe von Rauch. (Fons.) Z£3T Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Tbaler, vierteljährlich y Thaler. Beranlwrrriichrr Redakteur pr. H. VerUj ve« Saiajintet'» ®«6bdnHu«| in Veir;ig. — Jiai v.o 11 o(iag in erivjig.

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