Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 33 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 2)
- Language
- German
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— 330 — dieser hoben, angesehenen Stellung und in dem schönen Hause, welches die Union in der rue de la Ban* <|ue hat erbauen lasten, warf Herr Cousin am Tage, wo die Gesellschaft der ehemaligen Zöglinge der Normal'chule gebildet wurde, den Blick auf Maas, welchen er den Mann „der Ordnung und der Redlichkeit", nannte, für die Funktionen des Schatzmeisters unsrer Gesellschaft. Funktionen, die er mit dem herzlichsten Eifer angenommen har. ,! . Durch die Gewohnheit, über die Register und Correspondenz der Einnahmen und Ausgaben Buch zu fahren, und die Commis, welche ihm halfen, hat er uns Dienste erwiesen, welche wir zu dieser Zeit von keinem andern | unsrer Genosten zu fordern gewagt hätten. Wenn die Gesellschaft sich an einen Fremden hätte wenden müssen, hätten uns S chreibeundRechenschaftsgebührcn mehr als die Einnahmen gekostet: und im Verlauf von zwanzig Zähren, hätte sich diese Ausgabe bis zu 20 oder 25,000 Krs. steigern können, welche wir jetzt weniger in unfern Ersparnisten hätten. Herr Maas hat dieses Amt mit ebenso viel Eifer und Pünktlichkeit wie Uneigennützigkeit und Freundlichkeit verleben. Unsre Castenfonds hätten hinsichtlich der Unterbringung unsrer Ersparniste in keinen sicherer», erfahrenern Händen sein können. ’ Lange Zeit war ich als Rarhsmitglied. mit denr Censuramte beauftragt, zusammen mit H. Oournot oder Vieille: je ernster unsre Controls war, desto zufriedener waren wir mit dem Schatzmeister, besten Register, Quittungen, Schriften und Renrentitel, eingeschrieben auf den Namen der Gesellschaft, uns in der vollkommensten Ordnung vorgelegt wurde«. Tie guten Dienste des Herrn Maas schienen uns durch seine starke Constitution und seine Geisteskraft noch für viele Zabre gesichert zu sein, als eine grausame und unheilbare Krankheit ihn überstell Verdorbene Säfte zogen sich auf das Bein, das 1814 im Marsfelde verwundet wurde, die einzige traunge und bittre Erinnerung, welche er von der rue des l’oste* bewahren konnte. In der letzten Zeit seines Lebens bat er mit Hülfe seines Sohnes ein Werk geschrieben, betitelt: Theorie elementaire des aunuitös viageres et des assuranees sur la vie. Er zeigt dort die wesentlichen Mängel der Sterblichkeitstabellen von Deparcieux und von Duvjllars: er entwickelt die Formel von Moiore, und giebt schließlich die Resultate einer genauen Arbeit über alle Combinationen der Zahresdividenden und Lebensversicherungen. Der Tod des H. Maas hat einen schmerzlichen Eindruck in der Welt der Industrie und der Bank, so wie unter fernen Glaubensgenosten gemacht. Wir haben dem Leichenbegängniß beigewohnt, wo alle Vertreter der Versicherungsgesellschaften und der Banken der Hauptstadt versammelt waren. Bei der Generalversammlung der Aktionäre der Union, am lo. April 1865 abgehalten, drückte H. Torras, ehemals Bankier, ihr Präsident, den Schmerz der Gesellschaft aus: er rühmte die hohe Einsicht des H. Maas, seine großen Kenntnisse, die er zu Gunsten der verwickelten Operationen dieser Gesellschaft verwendete, seine geschickte und ehrliche Direktion, welche der Union den Erfolg gesichert und sie zu dem hoben Ansehen und Credit erhoben harte, welche sie jetzt genießt. Indem der Herr Präsident die soliden Eigenschaften und die bewährte Fähigkeit seines Sohnes, des Unterdirektors der Union, gewürdigt, schlägt er vor. ihm die Funktionen des Direktors. an Stelle seines Vaters, zu vertrauen. Endlich tbeilte er den versammelten Aktionären mit, daß der Perwaltungsrath, der sich ihrem Bedauern anschließe, bestimmt hätte, daß die Büste des Herrn Maas in dem Sitzungssaale Platz finden sollte. Tie Versammlung nahm diese Worte mit den Zeichen des lebhaftesten Beifalls und der Zustimmung aus. Die Büste, in Marmor ausgeführt, schmückt jetzt den Sitzungssaal. Unsrerseits, hat die Verwaltungsrathfitzung schon vom II. März 1865 unter der Präsidentschaft des H. Dubois den Entschluß gefaßt, daß eine Medaille auf Herrn Maas geschlagen werden soll. Sobald die Medaille fertig sein wird, soll sie seinem würdigen und ausgezeichneten Sohn überreicht werden. CoieUe. Heinrich Sichrovsky. lieber diesen kürzlich verstorbenen Vorsteher der israelitischen Cultnsgemeinde zu Wien enthält die Preye folgenden Nekrolog. Der Mann, der kürzlich aus unserer Mitte geschieden ist. verdient es wohl, daß wir seiner auch in diesen bewegten, in diesen schrecklichen Tagen gedenken. Ja, hätten wir heute auf den Gebieten des öffentlichen Lebens, wo große Entscheidungen fallen, nur halb so viel Uneigennützigfeit, Wahrhaftigkeit und energischen Willen, wie sie Heinrich Sichrovsky ausgezeichnet haben, dann könnten wir mit mehr Zuversicht, als uns jetzt erfüllt, der kommenden Zeit entgegenschen. Heinrich Sichrovsky hatte die liebenswürdigen Leiten des Wieners ohne desten sprichwörtlich gewordene Leichtfertigkeit und Frivolität. Die Raschheit des Temperaments, der fröhliche Sinn und der harmlose Zug des Gemüthes waren bei Sichrovsky mit einer Bestimmtheit des Wollens.mit einerZähigkeit desTurchführens.mit einem strengen Pflichtgefühle verknüpft, welche vorhanden sein muffen, wenn jene freundlichen Eigenschaften unserer Stadt andere als blos heitere Wirkungen erzielen sollen. Heinrich Sichrovsky wohnte dieser edle Ernst inne, und darum hat er nicht nur durch seine leichtbcwegliche, anregende, humorvolle, echt wienerische Natur die Galerie der heimischen Gestalten aus der „guten alten Zeit" mit seinem eigenen Bilde vermehrt, sondern er hat auch Dauerndes in unserem Vaterlande geschaffen uno zum geistigen, wie materiellen Aufschwünge des Staates ohne Frage Wesentliches beigetragen. Im Jahre 1794 in Wien geboren, widmete sich Heinrich Sichrovsky, wie damals die meisten seiner jüdischen Glaubensgenossen, dem Kaufmannsstande und wurde bald Procuraführer eines der angesehensten Großhandlungshäuser der Hauptstadt. Durch viele Reisen, die er in; Begleitung des mit ihm enge befreundeten Chefs unter-! nahm, erweiterte er frühzeitig seinen geistigen Gesichtskreis und brachte lebhafte Eindrücke von den im Gegenl satze zum alten Oesterreich um ein Bedeutendes vorgeschrittenen europäischen Staaten in seine Vaterstadt zu- ’ rück. Die Eröffnung der damals eben entstandenen ersten i Eisenbahn von Liverpool nach Manchester erregte in ihm