Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 33 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksblatt. Zur -*ieteörnnu <mh llnleröaftuug auf jüdischem Gebiete. Heran-gegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philip-sou in Bonn. [9*o. 33. 18««.] Vcn 6i<fcr .Hrtiutrifi erfftrini wo*>«niltck ««» -tt&naaer. $r<t* de* 3«br* «anrf* l XblT. ^icridjabiti) Tu Hnt. AD« t>»ch-a»dlo»«e». Poft««n«r 38t .4<»i&fta*cr*«eitiiMita nehmen <«e»ekl»n»e>» an. [13. Jahrg. 3. Quartal. Myrtil Maas. ^Schluß., Nach der zweiten Abdankung des Kaisers kehrten die Geister, die während mehrerer Monate sehr bewegt waren, in die den Studien nöthige Ruhe zurück, und alle Arbeiten wurden wieder begonnen. Aber die Beförderung der Schüler von 1813 trat nach Verlauf von > zwei Schuljahren ein, nach dem Beginne jener Zeit. Der vortreffliche Maas strebte danach, in einem könig- ' lichen College die Stelle eines Profeffors der Mathematik! zu erhalten; das war das ernstliche Ziel aller seiner Gedanken, aller seiner Anstrengungen, um seine Mutter zu - unterstützen und ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Aber , unter einem unglücklichen Einfluß, beging bei seinem Austritt aus der Schule, und nur deshalb, weil er Israelit war, die Universität den Fehler, hinsichtlich Maas, die j Jugend eines ausgezeichneten Profeffors der Mathematik: zu berauben, einer Persönlichkeit von ausgezeichnetem,! durchdringenden Geiste, von musterhaftem Betragen, die j in der Wissenschaft eine Zukunft halte. Wir sehen jetzt den jungen Maas in die Welt zu-! rückgestoßen ohne Anstellung, ohne Unterstützung sei- | tens seiner Familie, keine Hülfsquellen außer sich selbst habend und gegen die Widerwärtigkeiten des Lebens kämpfend. Er erhielt zuerst eine bescheidene Anstellung in einer Porzellanfabrik, die dem Grafen de Saim-Cricq! gehörte, dessen Sohn sein Mitschüler gewesen. Bald entschied er sich jedoch, unabhängiger zu leben, da seine Freunde versprachen, ihm zu Mathematikunterrichtstunden zu verhelfen. Im Jahre 1818 wurde die große Lebens- und Feuer- Versicherungs-Gesellschaft in Paris gegründet und hatte ihren Sitz in der rue de Richelieu. Der Direktor dieser Gesellschaft, Herr de GourculT, fühlte, daß, um seine Tarife auf die richtigen Basen zu stellen, es gut wäre, sich der Berechnung der algebraischen Formen zu bedienen. Er nahm Maas zu seinem Lehrer und erhielt einige Stunden von ihm: aber bald die Solidität seines UrtheilS und seine Befähigung in Geschäften erkennend, fand er es einfacher und bester, ihm die Arbeit aller, bei den verschiedenen Operationen des Unternehmens nöthigen Berechnungen anzuvertrauen. Bald wurde Maas dabei ein Beamter von großer Wichtigkeit. Er wurde nach j London, dem klassischen Boden der Versicherungen, geschickt, > und widmete sich da den fruchtbarsten praktischen Studien. Bei seiner Rückkehr von England fand er sich geeignet durch Berechnung alle Verficherungstarife auf die solidesten Grundlagen zu stellen. Uebrigens, zur größeren Sicherheit, bildete er ein mathematisches Comitö, zu dem er Ollnde Rodrigues. Doktor der Wissenschaften, der später einer der Begründer de- Saint - SimonismuS wurde, und Nicolei hinzu zog, einen ehemaligen Schüler der Rormalfchule, dem Observatorium attachirt. Das Comite überwachte und controlirte die Operationen der Gesellschaft und stellte die Tarife auf. welche von den bedeutendsten ftanzösischen Lebensversicherungen angenommen worden sind. Maas hatte sich noch mit den Feuerversicherungen zu beschäftigen, die damals noch in der Kindheit waren. Er hatte auch dort einen sichern Blick, und die Dienste, die er geleistet hat, verschafften ihm die Ernennung zum Unlerdirektor der Hauptcompagnie, deffen Funktionen er während zehn Jahren im Hause der rue de Richelieu erfüllt hat. Im Jahre I8l8verband sich dasHausFould mit einigen Banquiers, meistentheils aus Genf, um eine neue Versicherungsgesellschaft zu gründen, mit einem Kapital von zwanzig Millionen, nämlich zehn Millionen für die Feuerversicherung und zehn Millionen für die Lebensversicherung. 'Diese Gesellschaft nannte sich l'Union, wahrscheinlich wegen des Aufrufs am die ausländischen Hauptstädte, sich mit den ftanzösischen Hauptstädten zu verbinden. Drei Viertel dieser Atrien wurden in Genf gezeichnet zur Nominaltaxe 50,000 Frs.; aber eine Einzahlung von 100 Frs. hat bis heute den Operationen der Gesellschaft genügt. Herr Maas wurde sogleich zum Direktor ernannt, was ihm eine schöne Stellung in der industriellen und finanziellen Welt gab. Das Unternehmen wurde bei seinem Beginn sehr bedroht durch die große Anzahl und den Umfang der Unglücksfälle. Aber die Ruhe seines Direktors, sein Arbeitseifer, seine Geschicklichkeit, den Dienst zu organisiren und seine Agenten in ganz Frankreich auszuwählcn,. vermehrten die Versicherungen beider Categorieen; das Unternehmen wurde eines der blühendsten. Seine Aknen, für welche 100 Frs. eingezahlt worden sind, erhallen heute 4,-500 Frs. Prämien. Das, kann man sagen, ist der höchste Grad des Aufblühens. 1830 wurde H. Maas zum Vicepräsidenten des israelitischen Confistoriums ernannt, das alle Israeliten Frankreichs umfaßt. ' In dieser Eigenschaft hat er zur Reorganisation beigetragen und bei dem Könige und seinen Ministern die Pflichten und Ehren der Präsidentschaft gelheilt.