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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 32 (1866) · p. Seite 127

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
32 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 127 (sequence 3)
Language
German
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127 Herr Maas, der Vater, zeichnete sich von den meisten Israeliten dieser Gegend durch seine Bildung aus. Sein ganzer Ehrgeiz, alle seine Hoffnung waren auf diesen einzigen Sohn gesetzt, er strebte danach, ihm eine gute Erziehung, die ihm seine Zukunft sicherte, zu geben. Aber dieser vortreffliche Vater fehlte dem Kinde schon sehr früh; dennoch hat dieses in seiner Seele einen bleibenden Eindruck des väterlichen Unterrichts bewahrt; und die Erinnerungen, der Respekt, die Dankbarkeit erweckten in ihm die glücklichste Neigung zum Studium. Madame Maas, in ihrer Wittwenschast auf sehr beschränkte Mittel angewiesen, setzte ihr ganzes Vertrauen m ihren jungen Sohn. Sie zog nach Paris und brachte alle Opfer um ihm den Fortgang ausgedehnter Studien zu ermöglichen, damit er eine höhere Earriere betreten könne und der Trost und die Stütze in ihrem Aller werde. Ihr Sohn wurde zu dem Institute von Bazin zugelaffen, das seine Zöglinge nach dem Lyceum Charlemagne führte. Er machte große Fortschritte in seinen Studien und wurde in allen Claffen die Zierde dieser Pension. So erreichte er das Ziel des Unterrichts;.'in Charlemagne lernte er H. Cousin kennen, welcher ihm um einige Jahre voraus war; H. de Boismilon hatte er zum Mitschüler, der sich so auszeichnete durch seine Erfolge beim allgemeinen Concours. Er hatte zum Professe. der Rhetorik H. Villeniain, welcher ihn stets als einen seiner besten Schüler aberkannt hat. Maas zeichnete sich in der Mathematik ebenso wie in den schönen Wiffenschaften aus. Am Schluffe des Jahres 1813 erhielt er die doppelte Ehre, in der polytechnischen und in der Normal,- Lchule ausgenommen zu werden. Als Sohn einer Wittwe, um dm Militärdienst zu vermeiden, entschied er sich für die Normalschule. Er hatte noch zwischen der Karriere der schönen und der exakten Wiffenschaftm zu wählen, da er für beide gleiche Befähigung besaß. Als Israelit, folgte er dem Rathe eines klugen Freundes und entschied sich für dieii Abtheilung der exakten Wiffenschaften. . . . Wir zählten unter uns Cameraden von originellem, frühreifem kräftigem Geiste, wie Fr«snd, Duflo.«, Levy, Israeliten wie Maas, welcher selbst ein würdiger Nebenbuhler der besten Schüler der Wiffenschaften war. Er hatte in seiner Unterhaltung nicht das Glänzende, die amüsante Lebhaftigkeit derjenigen, die ich ebm genannt. Aber ausgestattet mit einer glücklichen Physionomie, angenehnkn Zügen, die den Ausdruck der Ruhe und Bescheidmheit trugen, war Maas im Verkehr der sanfteste und zuverlässigste für seine Studiengenoffm. Die Ereignisse von 1813 bis 1815 waren in politischer Hinsicht fruchtbar an Gefühlsbewegungen, die dazu geeignet waren in den jungen Seelen tiefm Eindruck zu machen und große Erinnerungm zu hintcrlaffm. Der Kriegsschauplatz bot vielen Wechsel dar; als der Boden des Kaiserreiches von den Feinden betreten worden. ließen einige neue Siege bei Montmirail, Champauber, uns noch einen Schein von Hoffnung. Aber der Feind kam endlich vor unsern Thoren an und lieferte die Schlacht bei Paris. . . . Nach der Abdankung des Kaisers, nachdem die Bourbonen von den fremden Mächten wieder zu den Tuilerien zurückgeführt waren, mtfernten und entließen diese ihre. Truppen, damit der Thron der Restauration bald, im Jntereffe seiner Würde, von französischem Militair um- - geben würde. Die Studien wurdm wieder ausgenommen, die' Geister beruhigtm sich nach und nach. Eines Tages machte die Schule einen Spaziergang nach dem Marsfelde. Wir sahen dort Rekruten, welche Schießübungm anstellten. Ihre Patronm sollten nur mit Pulver geladen fein; unglücklicher Werse enthielten einige Kugeln. Mein freund Maas gab mir den Arm und wir standen neben Cazalis, Corneille, Kiel, Delafosse,_ Maas wird getroffen, er fällt bleich wie der Tod zu Boden; seine Nankinhose ist roth, und baf Blut fließt in Strömm bis zu seinem Fuß; wir glauben, sein Knie ist von einer Kugel zerschmettert. Man eilt nach dem Hospital Gros-Caillou, um eine Tragbahre zu holen, und wir führen unsern Cameraden nach der Schule. Alle mit Schmerz und Furcht erfüllt. Bei unserer Ankunft erkennt der herbeigerufene Chirurg, daß der Knochen des Beines von hinten, unter der Kniescheibe zerschmettert ist. Die Splitter wurden aus der Wundeherausgc- : nommen, welche, wie man sagte, an einer bösen Stelle > sei, so daß der Brand oder wenigstens die Amputation | zu fürchten war. Mad. Maas wurde am folgenden Tage zu dem Kranken zurufen. Wir nahmen alle den größten Antheil an ihrem Kummer. Glücklicher Weise ging die Heilung von statten. Maas blieb nicht einmal hinkend. Aber sein verwundetes Bein blieb immer^schwach, ^urd er empfand Schmerzen daran bis ans Ende seineNWMl^' Wir hattenim Jahre 1814 die konstitutionelle Charte, die öffentlichen Frecheiten, die parlamentarische Tribüne erhalten, Alles Sachen, die die Herzen erwärmten, indem sie den Geistern in gewiffer Beziehung neue Gesichtskreise erschloffen. Jndeffen Maas, fand in dieser Charte für den Cultus seiner Väter nicht dieselben Garantieen wie , unter Napoleon, dem ersten Herrscher Frankreichs, der. I nachdem er die Culten organisirt, die anerkannten Culten! auf den Fuß einer vollkommenen Gleichheitvor dem Gesetze stellte und sie zu allen öffentlichen Aemtern zuließ. Bald sollten die Ereigniffe seine Ahnungen und Besürchtungen für sich selbst rechtfertigen. (Schluß folgt.) j Rothschild-Anekdote». _ In einem vor Kurzem in Paris erschienenen Buche | „Memoires du Boulevard" lesen wir Folgendes. Nachdem berichtet worden, daß die Rothschilds nur unter ' einander heirathen, fährt der Autor fort: Eine der seltenen Ausnahmen hiervon war die Heirath des Barons Gustav, der bekanntlich Fräulein Anspach, die älteste Tochter des Rathes am Caffationshofe, heirathete. Fräulein Anspach brachte ihrem, Manne eine Mitgift von 500,000 Frs. An demselben Abend, an welchem Baron Gustav seine Braut nach seinem Hause führte, sagte er zu ihr, ein kleines Päckchen in die Höhe haltend: „Kannst du deinem Manne die erste Bitte versagen, welche er das Glück hat, an Dich zu richten?" „Gewiß nicht." „Nun denn, thue mir den Gefallen und nimm diese halbe Million zurück und füge sie zu der Mitgift Deiner jün

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