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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 32 (1866) · p. Seite 126

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
32 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 126 (sequence 2)
Language
German
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126 in. Zu diesem End« ip besonders nothwendlg. daß wir die Handlungen und Ereignisse bei Individuen wie Völkern nicht einzeln in Erwägung riehen, sonkern in ihrem ganren Verlause, in ihrem Zusammenhänge mir früheren und späteren Zeiten. Tann erst', wenn eine größere Epcch« sich abgeivielt, vermögen wir uns eine Vorstellung und ein Unheil ru bilden. Tenn allerdings muß jede Handlung eine unmittelbare Wirkung haben: aber erst durch di« Fügung der mit ihr zusammen:rersinken.Ge- 'ibebnisse kann sich dies« Wirkung gestalten und so ihre Ruckwirkung aus den Urheber nach der. weiteren Entfaltung .-als göttliche Vergeltung gewinnen. Sehen wir nun. wie oft sich bei einem Jeden von uns das UNheil über Persönlichkeiten und Tinge ändert: wie sal'ch geraderu dieses Unheil oft ausfallr und in kurzer Zeit sich völlig umkebn, wenn wir Werteres von diesen Pylonen erfahren oder über Wenh, Zweck und Wirkung eines Ereignisses naher unterrichtet wurden. Es muß also Alles erst reifen, und die Frucht kann nicht nach der Blüthe vorausgesagr werden. Von diesem Gesichtspunkte aber aus wird ein Jeder in feinem Leben zuletzt die Hand der Vergeltung erkennen, die ihn nicht für diese oder jene Thar belohnt, für dielen oder jenen Fehler bestraft. wohl aber aus seinem Wandel, seinem Eharakrer, seinen Neigungen oder Leidenschaften die endliche Gestalrung seines Gebens hervcrgehen läßt, und zwar nicht gerade als die unmittelbaren faktischen Dolgen, sondern aldie sittlichen Ergebnisse, wie ne sich geistig und kontier durch eigenes Thun und göttliche Fugung herausgebilder haben." „Und nun laß mich noch geneben, lieber Eduard, daß ichmich uberzeugt halte, die Ansichten, die Tu über Volker und Menschheit ausgesprochen. seien im Grunde doch nicht die Teinen, sondern vielmehr aus dem Unmuth entsprungen, den in Tir wie in vielen Andern, die furchtbaren politischen Ereignisse erregten, welche sich eben vor unfern Augen abi'vielen. Es geht ern altes Wort durch die Geschichte der Menschheit: ein Volk erfahrt nur das. was es verdient! Und wer möchte dies leugnen, der einen liefern Blick in die Geschichte der Völker wirft. Wenn Tu meinst, daß nicht selten ein astanscher Tespot eine noch lebenskräftige Nation niedergelreren habe, »o mochte dies doch wohl nur ein oberflächliches Unheil sein. Tenn diese asiatischen Despoten erschienen im Anfang immer nur erst an der Spitze kleiner, aber lebenskräftiger Völkerschaften.h^denen andere, wenn in ihnen noch Energie gewesen', wohl zu widerstehen vermochten. Als die Phönizier vor .dem Chaldäer sielen, waren sie eben nicht mehr die alten Phönizier, und Jerusalem. das vor Nebuchadnnar in Trümmer sank, hatte sein Schicksal wohl verdient. Das sagen uns die gewiß glaubhaftesten Zeugen, die Propheten. Hellas, das Persien wie ein Fels widerstand und vor Macedonien und Rom wie 'Wachs zerschmolz, war nicht dasselbe, und die Peloponnesischen und Thebanischen Kriege batten es als zum Untergange reif erwiesen. Sder hat die Vergeltung über das cäsarische Rom nicht lange genug ihren Arm ausgehalren? Weny eine Nation wie die französische nach blutigen Revolutionen immer wieder unter die Herrschaft des staatsklugen oder militärischen Absolutismus verfällt, kann man behaupten, daß sie ihr Schicksql nicht in ihren eigenen Händen gehabt, daß ne nicht verdien:, was ihr geworden? Blicke aus Spanien, und krage Dich, ob hier nicht die Wege der Vergeltung so klar erkennbar sind, als ob sie der logische Verstand selbst vorgereichnet harne? Wahrlich, uh hatte Recht, als ich sagte, wir wüßten von der göttlichen Vergeltung schon so viel, daß wir folgerichtig auch auf das schließen könnten, was uns weniger verständlich." # „Was endlich den Fortschritt der Menschheit in allen Dingen, namentlich aber in Anerkennung und Belharizung der Wahrheit, des Rechtes, der Liebe und der Freiheit bettissr. io wird er der verurtheilslosen Prüfung immer zwenellos sein, wenn wir nur nicht ungestüm und voreilig dieses wahre Reich Gottes alsbald vor unfern Äugen vollständig vom Himmel gestiegen haben wollen und uns von einzelnen, örtlichen und zeitlichen Erscheinungen nicht verwirren lassen. Erst müßtest Du mir erweisen, daß alle eurcvaischen und amerikanischen Völker in den unzweideutigsten Ver'all hineingeralhen seien, daß Gesittung, Bildung. Wissenschaft und Kunst abgenommen und sich verdunkelt haben, daß die Herrschaft der rohen Gewalt blutgieriger Grausamkeit, wachsender Verdummung, ungezügeltster Sittenlosigkeit in unaufhaltsamem Wachsrhum begrissen fei. Und da Tu dies nicht kannst, da vielmehr von Iahrzehend zu Iahrzehend sich das Gegentheil erweist. Untergang das was im Absterben begrissen. trotz aller Screirelemente zu immer kräftigerer Blüthe nch ausrichlet. was Leben in sich har. und rüstig nach Lebensentsalrung ringt: so sinde ich, daß die trost» reiche Ueberzeugung von der göttlichen Vorsehung und Vergeltung von aller unsrer Erkennrniß unerschütterlich gestutzt wird. Uebrigcns bist Tu als Jude um mehr genötbigl, ein Schildträger deri'elbrn zu sein, wenn Tu nur einen klaren Blick aus. die Geschichte unsrer Glau« bensgenossenschasr im letzten Jahrhundert nach Außen und nach Innen wirkst." Tie Rede Ernst's machte einen riesen Eindruck auf seine Zuhörer, unk Eduard selbst fügte nach einer Pause hinzu: „Gut, ich bin schon zufrieden, eine Auseinandersetzung wie die Deine heroorgerufen ru haben, und ich will daher ihren schonen erhebenden Eindruck nicht verwischen. wenn ich auch dieses und jenes emniwenden Härte." So schied die Gesellschaft in der angenehmsten Stimmung und in allseiriger Befriedigung. Myrtil Maas. Wir geben im Folgenden "die Lebensbeschreibung eines vor Kurzem verstorbenen französischen Israeliten, welche ein früherer Mitschüler des Verewigten in der Normalschule. Prof. Cotelle, verfaßt hat. Sie giebt uns abermals den Beweis, daß Talent und Energie auch unter, den Juden feindlichen Regierungen und Gesetzgebungen, sich einen Weg bahnen und um so größere Verdienste erwerben können. Mvrtil 'Maas ist im Jahre 1792 in einer kleinen Stadt des Meurlhe-Departements von israelitischen Eltern geboren. Sein Vater bekleidete ein Amt in der Lotterieverwaltung, welches damals eine össentliche Stelle war.

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