Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 32 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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123 vieren Schwester." 3o wenig gilt den Rothschilds eine balbe Million! Man fetzt gewöhnlub voraus, daß sie nur Geldmacher sind. Das ist ein Jrrthum: sie sind fleißig arbeitende Männer, und Männer von Gefühl. Vor zwei Jahre bat ich, gleichviel aus welchem Grunde, um eine Unterredung mit Baron James. Sie wurde für den Morgen um acht Uhr bestimmt. Es geschieht nicht oft, daß ich mitten im hinter um 7 Uhr Morgens aufstehe, wenn der Schnee noch dick auf dem Fenstersims liegt. Ich machte mich auf den Weg nach rue Lafiue. Um fünf Minuten nach acht hatte ich die Ehre von dem Baron empfangen zu werden, den ich in seinem Cabinet, mit einer weißen Cravatte, beendeter Toilette und frisirtem Haare fand. Er fchlürfte seinen Thee, während er seinem Sekrctair, Herrn Benari, Ordres gab, einem ganz jungen Preußen, der in wenigen Jahren sich eine wichtige Stelle errungen hat. Baron James, jitr sicherlich von seinen Renten leben könnte, ist trotz seiner dreiundsiebzig einer. der thätigsten Männer von Paris. Um sechs Uhr des Morgens steht er auf, und während Felix, um Ltaniinerdienei. seinen Herrn rasirr und anklcidcr, lieft Herr l.oudeviil«, der ausgezeichnete Borleser, dem Baron die Morgenzeitungen vor. Um acht Uhr beginnt der Baron sein-Geschäft. Sein Sekretär kommt, und die Privalcorresspondenz des Barons, wird dürchgegangen. Er erhält täglich ungefähr 2Öo Bittschriften aus allen Ländern. Jeder Brief wird sorgfältig gelesen; der Baron macht 'eine Noten. Da kommt keine Bitte eines unglücklichen Mannes, der vergebens seine Hände »ach der rue Lulitie ausgestreckt hätte; nächst dem Vergnügen, Geld zu machen, kennt er keine größere Freude als! die tu geben. Dies, sollte ich denken, ist ein guter Anfang des Tagewerks. Um halb neun kommt der Sekretair, und unter den Befehlen seines Herrn vertieft sich der junge Preuße in Berechnungen, die für einen einfachen Lireraten undurchdxinalich sind und zum -Gegenstand haben, die Bewegungen des Geldverkehrs in den verschiedensten Ländern der Welt zu cvnibtniren. Wenn diese Arbeit vorüber, zieht sich der Sekretär zurück, und der Baron, der nun fern tägliches Brod verdient bat, denkt daran, das Plus auszugeben. Um diese Stunde enipfängt er den Gemäße- und Earivsitälenhändler, der beauftragt ist, seltene Gegenstände für seine wundervolle Gallerte in dem Schloß Ferneres aufzusuchen, denn Baron Rothschild ist einer der ältesten Sammler von Paris. Wenn dem Cpmmissionsagenten ein Fayence-Leuchter von 20,000 Frs. verkauft ist. können Sie sicher sein, daß er morgen in die Sammlung des H. v. Rochschild wandern wird. Um eils Uhr geht der Baron in sein Bureau, und mit Ausnahme von einer Stunde zum Frühstück, bleibt .r dort bis sechs Uhr Abends; dann geht er zu einer Partie Whist in seinen Club. Obgleich der Baron nicht besonderes Glück im Spiele hat. ist er doch noch nicht ruinirt worden. Denn da er vor Allem ein ordentlicher Mann überschreitet er nie die Grenzen seiner Mittel. Um acht Uhr Abends vereinigt das Diner die ganze Familie ‘ bei Tische. Die Herrschaft des Barons ist nun vorüber, und die der Baronesse beginnt. Fortuna, nicht zufrieden, ihm bei seiner Geburt einen silbernen Löffel in den Mund gesteckt zu haben, hat ihm auch vergönnt, in seiner eigenen Familie eine Gemahlin zu finden, die die anmuthigste Herrin des Hauses und eine Frau pon höherer Jntelli- : genz 'st- Die Baronin James v. Rothschild, deren Geist ihrer Güte gleichkommt, besitzt eine seltene Bildung, und die Briefe, welche sie mit ihren Freunden wechselt, sind kleine : Wunder von Anmuth, Geschmack und Styl. Unter den häufigsten und bedeutendsten Besuchern in ihrem Salon sind II. Tliiers und General Chanjiarnier zu nennen. Um welche Stunde der Baron auch zur Ruhe geht, um sieben Uhr des Morgens ist er auf. Gewiß ist die>e Thärigkeit bei einem 'Manne von seinem Älter bewundrungswerth; aber von der andern Seite, welche angenehme Beschäftigung! Der Baron, der ein strenger Geschäftsmann ist, ist in Wirklichkeit ein launischer Wohlthäter. Wenn es vorkommt, daß er einen Mäkler, der seine Ordres einholen will, cavaliermäßig und kurz behandelt, so ist das Glück jenes Mannes gemacht, denn am 'Morgen heilt der Baron die Wunde mit dem Balsam, welcher Courtage hsißt. Aber einmal aus seinem Bureau und frei von det Wucht der Geschäfte, ist Herr v. Rothschild überall der . höflichste liebenswürdigste und zugänglichste Mann von ganz Paris. Letzten Herbst begegnete er bei einem offiziellen Diner einem gefeierten Maler. „Nun, wie steht cs mit Ihnen?" fragte der Financier. „Sehr gut. Herr Baron." „Dian sieht Sie so selten; besuchen Sie mich in Ferrieres und schießen' Sie etwas mit mir oder so („wer quelques cou|k ,l«: kit-iil")." ..Herr Baron, ich würde lieber auf Sie ziehen (tirer suivous) Für 10,000 Frs." „Es fei so", erwiderte der Baron, „aber erst gegen Ende des Monats, denn meine Pkunition für den 15. ist schon etwas erschöpft." Die Skizze schließt mit einem Bericht über den dritten Sohn des Barons, Edmond, der sich für die Barre (Advokalenstandi vorbereitet. Allgemeine Zeitung des Judenidums.!Ko 31- .0. Inhalt: Leitende Artikel: Zur Sbaralrcrütif d.w Talmud. VIII. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Preußen: Berlin, Lüobeäe. Lesterreichischer ataiserstaat: Boau. Rußland: Sk- Petersburg. Schwei;: Aus dem Aargau. Italien: Floren;. G roßbrita nie n: London. Frankreich: Paris. Do n a u - fürste n thüme r:-Bonn, Bukarest, Jassy. A u sl ral mi: Jtro* aoschin. R orv am erika: New-Aork. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Die MofeSgruppe von Rauch.! ryy* Zu beziehen durch jed^S Poftaml und jede Buchbandliutg. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich Thaler. Lerantworilicher Redacteur Dr. H. Lotzr * 4 ti.rtu; w: üir.ii^i::r.er'» in — Druck »sa G. »reokiog in Vriv;rg. /