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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 26 (1866) · p. Seite 103

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
26 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 103 (sequence 3)
Language
German
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103 von mir ist dies, Sache geschehen. Und sie gehorchten dem Wort« de- Ewigen." (I. Kön. 13, 21 ff.) Die Zeit der Propheten ist längst vorüber. Dafür haben wir eine Zeit der Diplomaten, und diese sind nichts weniger als Propheten, auch nicht Männer des Friedens, sondern des Haders. Und wenn ein Prophet käme, dem ..das Wort Gottes" in der Seel« flammte, schwerlich würde er Gehör finden, und der Donner der gezogenen Geschützt, der Aündnadelgewebre und Miniödüchsen würde seine Stimme übertönen. Und würde er selbst seiner Stimme Gehör verschaffen, er fände keinen Gehorsqm und rein« Folge, sondern ein schweres Gericht erginge über ihn al« Verführer des Heeres und Verteilers des Volke». Dafür ziehen aber auch nun Brüder i» den blutigen, zerstörenden Kampf wider einander, und deutsches Blut, von deutschen Händen vergossen, trankt die deutsche Erde — und wann und wie di« streitenden Heere, die anderthalb Millionen Krieger wieder zu Haus und Heerd zurückkebren werben, wer weiß es? wer könnte es uns verkünden? So ist eine schwere Zeit der Prüfung und de- Leibenfür Alle, deS Verderbens für Viele, des Todes und der Verstümmelung für zahlreiche über uns heraufgezogen. .. doch wir wollen das Bild nicht ausmalen, bas sich mit schwarzen Farben genugsam in schreckhaftester Wirklichkeit vor unfern Augen aufrollen wird. Sechen wir vielmehr zu, wasich in all dieser Traurigkeit noch tröstliches finden werde. Zuerst: es ist in Deutschland kein Krieg der Völker, sondern der Fürsten. Die beutfchen Volksstämme selbst wollten und wollen keinen Krieg unter einander, und wo die Stimme des Volkesich hörbar machen konnte, verlangte sie nach Frieden, versöhnlicher Ausgleichung, friedlicher Entwickelung. Würden noch heut« die Stimmen des Volkes befragt, so würde «s auch jetzt noch in seiner ungeheuren Mehrheit für den Frieden sich erheben. Und weil eS nun eben kein Kampf des Volkes ist, nicht der Leidenschaft und dem Hasse der Völker entsprungen, hoffen wir, daß der Krieg nicht mit jener zerstörenden Wuth, nicht mit dem Ausbruche der wildesten Begierden, der wüstesten Leidenschaften geführt werden wird, daß selbst die Sieger, wer diese auch seien, nicht vergessen werden, daß auch der Besiegten Land deutsche Erde und die besiegten Stamme deutsche Brüder sind l Freilich steht uns diese Hoffnung, dieser Glaube an das deutsche Volk, dasich doch an so vielen Schützen», Turner- und Liedeefesten als einheitlich gefeiert hat, freilich steht dies« Hofft nung uns da nicht zur Seite, wo fremde Nationen über deutsche Länder auSgegossrn werden, Völker, die mit Bewußtsein oder aus Instinkt in der Schwächung der Deutschen ein Wachsen ihrer eigenen Kraft, in der Niederwerfung Deutscher eine Stärkung ihrer eigenen Macht und Bedeutung erblicken. So möge dies nur in engen beschränkten Bezirken der Fall sein! Und dann lebt in uns die Erwartung, daß dieser Bruderkrieg nur ein kurzer, bald mlschiedener sein «erde. Mit je größerer Anspannung aller vorhandenen Kräfte, mit je ungeheureren Massen, mit je, auSgedildeterea Waffen gekämpft wird, desto entscheidender werden die Schläge sein, die da fallen werden, und je reicher die Ström« Blutes, die unter solchen Bedingungen fließen müssen, desto schneller wird die Zeit nahen, die zum Frieden nöthigen wird. O daß dies« Hoffnung sich nur nicht täusche; baß nur di, Leidenschrft sich nicht steigere, je mehr sie durch den Kampf Rahrun erhält, daß auf dft-oinen oder d«r andern Seite nur naügegebe» wird, tetnnjfilt Kräfte erschöpft werden! Zndeß a ich hiergegen können wir uns d«s Glaubens nicht entschlag >n, daß irgend Zwischenfälle einrreren, welche dem Kampfe, so «t immer schwerer und bittrer sich steigern würde, «In Halt zurufen mögen. > Bor Allem aber richten wir unsre Zuversicht in die Höhe, arf Den, in dessen Hand zuletzt doch die Lenkung der Gestliche liegt. Fürwahr, er hält die Verblendung der Menschen, den Strom ihrer Leidenschaft, das Thun ihrer Verirrungen nicht durch Wunder und übernatürliche Eingriff? von Oben her auf; da er si, zu Wesen freierk Willens und eigener Selbstbestimmung gemacht, läßt er ihren schlimmsten Neigungen freien Lauf; mögen «sie Zusehen, wie sie die Verantwortlichkeit und Folgen zu tragen haben. einem t «stimmten Ziele hin, zu einem Ziele des Heiles für das Seinem wollten Aber all ihr Thun leitet zuletzt Sein Wille zu Ganze, und Seine Fügung ist es, welche das zusamm nhangslos« Treiben der einzelnen Menschen nach -I Rathe auf einanderstoßen und den von Zhm ge- Erfokg erreichen läßt. Darum ist Er auch, wie bas Wört der Schrift uns verkündet, und wir im täglichen Gebete aussprechen, „der Herr des Krieges," derinmitten der «n fesselten Leidenschaften der Menschen gerade. am meisten seine Leitung offenbart, jede menschliche Berechnung zu Schmben macht, .nicht die Zahl der Rosse, und der Reisige«, nicht die Furchtbarkeit der Waffen und der Krieger enischeiten läßt, sondern stürzt, wen Er stürzen will und erhebt, wen Er erbeben will, die Sehnen der Starken erschlafft, und die Arme der Schwachen stärkt. . . Und unterband und innerhalb dieses großen Ganzen schaut Sein Ange apf jeden Einzelnen, und vergißt Keines, und ordnet Zeglichftn sein Geschick zu, und Seine Wacht schlummert nicht und Seme Hut schläft nicht. Daran richte dich auf, Daterhetz, das für den Sohn ln den Schlachtreihen bangt; dadurch stärke dich, Mutter, deren einer Gedanke zum er« löschenden Wachtfeuer in dunkler Nacht fliegt, an welchem ein Kind sich wärmt, das sie unter ihrem Herzen getragen und mi^ so vieler Sorgfalt erzogen, deren andrer Gedanke an der Wiege de» Kindleins zittert, daß über das Lächeln der unbewußten Unschuld nicht der Schrecken des nahenden Stürmekomme! Fürchtet euch nicht, denn „der Herr behütet di, Gerechten und Schuldlosen," und „an denen, die ihn ehren, verherrlicht er sich." und „theuer Ist ihm das Geschick derer, di« auf ihm vertrau«-." Darum: „Kehr, zurück, meine Seet«^ zu Deiner Ruhe, denn der Ewige ftaltet über dir! Du rettest meine Seele vom Tode, mein Äug« vom Meisten, meinen Fuß vom Straucheln! Ich werbe wandeln im Lande des Lebens und erzähle« die Theten Gottes!" Ein Schreiben ans Saigon in Cochinchina. Vom 25 Lpril 1866. Bekanntlich besitzen jetzt die Franzosen eine Eoloni« * in Eochknchina" (Hinterinbirn). Boa hier aus schreibt ein Glaubensgenosse: Di« kaiserliche französische Luchdruckerei / .

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