Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 26 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4908862-5999396-6026810--3258-4911458- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— k)4 — in Saigon, brr welcher ich angestellt -in, beschäftigt vier j Israeliten als Arbeiter. Za Saigon, wo wir ein.Dutzend j Glaubensgenossen sind, waren wir Pessach fast Alle vrr- \ sammelt um den Seder ju feiern: ty« hat unsere i Erinnerung aufgefrischt. . Dieses Fest hatte für mich einen um so ergreifenderen ' Charakter, da ich, um hierherzukommen, daS Land unsrer Daeer durchreisen mußte; ich bin über das roth« Meer, gefahren, ich Hab« den Berg Horeb, den Berg Sinai, die, Mosesquelle gesehen, wo er da« Wasser au« einem Felsen .hrrvorrieseln machte; ich habe (freilich von Alerandkien, bi« Suez per Eisenbahn) die Wüste durchschritten, wo unser«! unglücklichen Väter so lange geblieben sind; ich habe in Ceylon den Berg Adam gesehen, so genannt, weil die Legende aussagr, daß Adam hier zur Welt gekommen'sei. Diese Ceremoni, Kalte also füo mich einen zwiefachen Charakter; 3.500 Meilen von Frankreich, vergißt der Jude doch nicht die Seimgen. . . TL. Die Bekchriingsgesellschast in Birmingham. . / Oie englische Bekehrungsgesellschaft, diese zähe und hartnäckige Gegnerin des Judenthums, die sich durch alle Erfolglosigkeit ihrer Anstrengungen und Geldopfer nicht abschrecken läßt — die Führer und Organe derselben wissen sehr gut, warum i — har, wie seit fünfzig Jahren, ihre jährliche Versammlung in Birmingham gehalten. Da sie ihr« zahlenden Mitglieder nicht mit Aufzahlung i ihrer wirklichen Triumphe entschädigen kann, so. speist sie : dieselben 'mir Hoffnungen ad. Diesmal richteten sie diese I auf zwei rhatsächliche Momente, und weissagten aus denselben Bekehrungen in Masse, nämlich aus den gemischten Ehen, die häufiger vorkämen, und aus dem Umstande, baß öfter christliche Gouvernanten ven jüdischen Familien angenommen ' würden; da diese Damen stets sie Gelegenheit benutzten, ihren Zöglingen die Glaubenslehren des Christenthums ein- ' zustoßen. Aus den Hoffnungen, welche dir Bekehrungsgesellschaft auf diese Fakten setzt, mögen unsere Glaubensgenossen ersehen. daß deidr nicht ohne Gefahr für /die Glaubenstreue, für die celigiösrUeberzeugung sind, und sich nachdrücklich davor warnen lassen. Allein di« Erwartungen der Bekehrungsgesellschaft sind dadurch doch wohl allzu hoch gespannt; sie glaubt, was sie wünscht, oder benutzt, ihre Anbänger zu täuschen, was sich ihr darbietet. Die gemilchten Ehen sind immerhin doch ein Aeugniß, daß die veiven Ehegatten für ihre Religion noch nicht ganz gleichgültig sind, sonst würde der «ine Theil vörziehen, dem Bekenntniß des andern zu folgen. Schreibt man aber >n vielen Fällen dieses Beharren beider in ihrem Bckenncniß etwaigen obwaltenden Familienverhalmisien zu, so waltet bei beiden eine religiöse Gleichgültigkeit vor. welche für keine der beiden Religionen ein Aeugniß ablegl und dem Chrisienthume mindestens ebenso gefährlich ist wie rem Judenthume. Diese Leute sind aber blind gegen alle Zeichen der Zeit oder wollen es sein. Haben sie eS nicht grfehun, wie man den Werten Renan'S, Strauß', Schenkel'« u. A. zugejaAchzt und sie verschlungen hat? Wann «erden sie sich überzeugen, baß es für sie hunbertmm wichtig» ist, einen gläubigen Christen zu behalten, «S hundert religionslos« Juden zubekehren? ja, daß diese tmj Schoße der Kirche viel mehr Unheil anrichten. als sie i jemals vermochten, wenn sie Huden geblieben? Wa« nun die Gouvernanten betrifft, so wollrn wir absehen /davon, daß eS nicht sehr klug ist. diese« Triumphgeschrei darüber zu erheben. In der neuesten Zeit haben die Julien die Kraft bewährt manches Uebel wieder aus ihrer Mitte zu beseitigen, nachdem sie es als solches erkannt /harten. Der Judelruf d» Bekehrungsgesellschaft wird /sofort ein Warnungsruf für die Juden. Da wir , nun /die Leiter der Bekehrungsgesellschaft durchaus für > schlalre Männer halten, so könnte ,S scheinen, daß sie nur aus/völligem- Mangel an bessern Argumenten für bi« Fortsetzung ihre« Werkes zum Ausposaunen dieses Bekehrungsmi/telÄ gegriffen. Allein wir wollen absehen hiervon, und fragen nur. welch ein Aeugniß der Sittlichkeir, bet Offenh/it und Redlichkeit stellen diese Männer hiermit den christlichen Gouvernanten, geschweige sich selbst au«! Das : Vertrauen, welches jüdische Eltern dieses christlichen Damen Erzeugen, indem sie diese in das Heiligthum der Familie /rufnehmen und ihnen ihre Kinder in die Hände geben, selbstverständlich nur mit der ausgesprochenen Aufgabe, . ihnen profanes Wissen und humanitäre Bildung beizudrinj gen, wird auf solche Weife gemißbraucht, baß die juncen Seelen hinter dem Rücken d» Eltern dem väterlichen Glauben entzogen und ihnen/GlaubenSsätze eingefloßt werden, welche den Ellern widersprechen, und »durch welche .sie ihren Ettern tntfrimbit werdend Welche Kampfe und Spaltungen werdeck hierdurch bisweilen in den Familien hervorgerufen, und wie oft mag die Stunde verwünscht werden, in welcher eine solche Dame den Fuß über die Schwelle des Hauses gesetzt! Jndeß sind diese Gouvernanten doch in Etwas zu entschuldigen, wenn die verordnelen Lehrer ihrer Kirche diesen furchtbaren Mißbrauch deS Vertrauens nicht blos fanktioniren, sondern höchlichst beloben und' den Triumph ihrer Kirche daraus vorauszusagen! Jndeß mögen die Herren nicht allzusehr sich und ihre Anhänger täuschen. Alle diese Fälle sind zu sehr vereinzelt, als daß sie von wesentlicher Bedeutung waren. Die bezahlten Gouvernanten werden ebensowenig wie die bezahlten Missionäre eine nachhaltige Wirkung haben! Allgemeine Zerrung des JudenlbumS. No. 25. 18t'6. Inhalt: Leitende A rtikel: Zur Charakteristik des Talmud. VI. — Die Krise. — Zeitungsnachrichten: Deutschland; Homburg v. d. | Höhe,Hannover. Preußen: Berlin,Neubrandeiiburg. Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien, Wien, Pest. Schweiz- Lengnau, Neusrbatel. Rußland: Bonn. China: Kaisung-Fu. Belg ien:"Brüsie>. Brasilien: Pernambuco. Correspondenz: AuS Frankfurt a. d. O. 33?° Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich v Xbaler. Verantwortlicher Redacreur Dr. H. Lotze. Berlar -es Basmgü:r uer t Bucbba»oluag in S:i«,lz. — Druck von <** srcvsing i.n e-ivji-. I