Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 26 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 2)
- Language
- German
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102 z.-hn Frauen, auf einem Scheiterhaufen verbrennen. Um nichts halb zu thun, war der Graf gerade des Willens auch noch die übrigen Juden seines Gebiets dem Tobt;u weihen, doch besänftigte ihn ein Lösegeld von 1000 Pfunden, das ihm ein reicher Hebräer darg/bracht." j ..Es versteht sich von selbst, daß bei solchen Gelegen^ beiten von der Habe der Ermordeten nicht ein Deut at die rechtmäßigen Erben kam» Wenn ste nicht ein Höheres an stch riß. so behielten sie die Niedern, die den Morde anschlag auSgefübrt. Don den Schuldfocderungen bet Tonen war natürlich auch nicht mehr die Rebe. Juden^ erschlagen war daher wie «ine Art Schatzgraben, nur datz der Erfolg immer sicher war. DaS ist der eigentliche Humor der Geschichte! Nur bie und da, wenn dir Graue» zu himmelschreiend, klaren bie Landesherren alS Richte^ auf. und verurtbeilten die Anstifter in Geldbußen, dir ftp ader^ selbst einzogen. Sebr selten, baß auch die Juden eine Entschädigung erhielten. Das war bie Romantik des Mittelalters. . Solche Vorfälle aber bewogen endlich die Gemeinden in Deutschland den Papst ^nnocenz kV dittlich zu «suchen!: «c möge darüber doch ein vernünftiges Work in die Welt aeli.'N lasten. Der Papst lebte damals in Hader mir Kas» >'er Friedrich ll. fast als Flüchtling zu Loon. brauchte viel Geld und war dem HaufeJakobS wahrscheinlich schobt r'ür manche Gefälligkeit verbunden. Noch wahrscheinlicher, daß er einest» menschlichen Herze'nSzug folgte, als er i. I. 1247 eine Bull, an Deutschlands und Frankreich« Erzbischöfe unh Bischoi« erließ, besagend: er habe aus der rhränenreichest .'Adresse der-deutschen Juden vernommen, daß etliche Füi» fu$> sowohl geistliche als weltliche, dann auch andere Edse und Mächtige, um deren Güter zu plündern und an sich zu reißen, verschiedene Anklagen gegen ne-schmiedeten, nicht 7.denkend, daß gleichsam -ru» den hebräischen Urkunden die Zeugnisse für den christlichen Glauben hrrvorgegangen seien. Sie dichteten ihnen auch fälschlich an. daß sie am Osterfest von dem Herzen eines gemordeten Knaben rin Abendmahl hielten. Ja, wenn man irgendwo einen Leichnam sinde, -'o zeichneten sie die Juden als Mörder. Mit solchen und andern Erfindungen wucheren sie gegen diese, nähmen;bncn ohne Geständnis ober Uederführung gegen die 'vom heiligen Stuhl ertheilten Privilegien ihre ganze Have, peinigeen sie durch Hunger, Kerkerhaft und Martern aller Art und überlieferten sie dem schmählichsten Tobe, so daß dir Kinder Israels unter Pharao nicht schlimmer daran aewesrn als unter jenen Gewalthabern. Urberdieß würden sie gezwungen im Elend das Land zu verlassen, das ihre Väter seit unfürdenklichen Zeiten bewohnt. Und da Wir nun nicht wollen, schließt der Papst, daß die mehrde'agten Inden ungerechter Weise gepeinigt werden, >'o tragen wir hiemil Eurer Brüderlichkeit auf, daß Ihr Euch ihnen günstig und gütig erweiset, und sie nicht undilligerweise beiäsriaen lasser. Man sollte meinen, daß die Chcistenfürften, geistliche und weltliche, und die ihnen anoertrauten Volker einem Papst, der jene Anschuldigungen als Fabeln in Verruf rkar. aufs Wort geglaubt hätten, allein man war damals wie jetzt: nicht überall so aufgeklärt als zu Lyon. Der Fanatismus war schon so tief in die Herzen «ingedrungen, und InnocenzenS wohlgemeinte Sprüche verhallten spurlos in dem Winde. Wenn nun am Schluffe dieser langen Marrerzeit der Sohn Abrahams auf deutschem Boden sein« Erinnerungen an einander reihte, und nachdachte, waS er christlicher Menschenliebe, Zucht und Gerechtigkeit zu danken habe, und wie ihm bie moralischen Eroberungen .bekommen seyrn, io stellte sich ungefähr folgendes heraus: Don allen Freiheiten, bie er da oder dorr einmal genossen, war ihm nur bie Freiheit des Wuchers geblieben; k'usure tewperee psr l'assassinat, könnte man jagen, denn alle vierzig oder fünfzig Jahre wurde er mit Frau und Kindern auSgemorder «konnte sich aber auch selbst umbringen), oder, wenn'« gut ging, mit zwölf Groschen davongejagt, um ist fremden Ländern vor Elend und Verzweiflung zu verkommen. Wie man mit seinem Hab und Gut verfuhr, an welchem er nicht minder innig hing, alS die durchschnittlichen Christenseelen, was er auch in ruhigen Zeiten für Noth und Drangsal zu erleiden hatte, das haben wir eben zu schildern versucht. Seine sociale Stellung war die des- Paria geworden. Auf öffentlichen Plätzen lief ihm bie Gassenjugend nach, und schrie Hepp Hepp; im WirthshauS aber spieen ihm bie guten Christen in den Bart, und trieben ihren Hohn mir ihm. In den meisten Städten war er in sein Ghetto, seine Judengasse, verwiesen, und wohnte in engen unflätbigen Häuschen, deren Düste die Christennasen — und nicht mit Unrecht — perhorrescirten. Je schmutziger und zerlumpter Ami'chel auSsah, desto großer war seine Zuversicht, daß die Gojim keine edlen Metalle bei ihm wittern ströchlen. Ob er den christlich-germanischen Staat wobl je geliebt bars ob er ihn lieben konnte? und was er von der „Religion der Liebe" und ihren Dienern denken mochte? Mußten ihm die Christen im Pfaffen- und Lairnstande nicht Vorkommen wie eine Mördersecte, wie die indischen Thags? Da er nirgends Menschlichkeit, nirgends Recht fand, >'o schien'- ihm wohl thoricht beides zu üben, denn cs war keine Hoffnung des Rückersatzes. So wucherte er alt'o dahin mit allen Püffen und Kniffen, die ihm eine Erfahrung von Jahrhunderten gelehrt, war kriechend wie ein Wurm, hartherzig wie ein Stein, und ließ keinen mehr aus den Krallen, den er einmal gefaßt hatte. Nachdem eS einmal so weit gekommen, konnte man allerdings ebenso gut fragen: ftli der Christ den Juden liebenswürdig nndrn? (Forts. folgt.) Ein Wort zur Zeit. Als nach dem Tode Salon» o's zehn Stamme von dem bisherigen einigen Reiche sich losgerissen, und einen eigenen König in Jerobeam aus Ephraim sich eingesetzt: da rüstete Rehabeam, der unkluge Sohn jenes weisen Königs aus Juda und Benjamin, den treugrbliebenen Stämmen ein großes Heer, an die hundertundachtzigtausend auserlesener Krieger, um bw abgefallenen Stamme wieder an sich zu dringen. Da!trar der Prophet Schemajah aus, und sprach zu Rehabeam, dem Könige und zum bewaffneten Heer« und zu allem Volke: „So spricht der Ewige: Zieht nicht aus und streitet nicht mit euren B r ü d e r w, dm Söhnen Israel-, kehre! ein Jeglicher in sein Haus zurück, denn