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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 26 (1866) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
26 (1866)
Date
1866-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches i :Zm olksblatt. Belehrung und Anterhattung HerauSgegeben voo h Rabbiner Dr. Ludwig Philiphsou in Bonn. aus jüdischem ^eöiele. _ - -r [9to. 26. 1866.] Sen dieser ZeiisLriit eriAeint «oAealliA ei»e ftumfter. 7rei# de« Jahrgang« l Thlr. »irneljährig 7 «gr. HOt Luchh mtlsngcn. PoAiMirr aRC 3ritonfl*trp<bilicn«n nehmen CcfttO nagen an. [13. Jahrg. 2. Quartal. . Der Judenmord zu Deggendorf. Don Ludwig S t e u b. (Au-züglich aus der A. A. Z.) (Fortsetzung.) In solchen Fällen war bann der^Jude ein sehr willkommener Nothhelfer, und der edelste Herr verpfändet« willig all seine Kleinodien, und waer hatte, um etliche hundert Pyzantiner aufzutreiben. Auch Bischöfe und Lebte versetzten in solchem Drang Znful und Stab, Kelche und Meßgewänder, und die Juden gingen gern auf diese Geschäfte ein, obgleich sie sehr scharf verboten waren, und an ihnen — nicht an jenen — oft streng geahndet wurden. Zwanzig und fündundzwanzig Proceni nahmen aber damals selbst die solidesten Christenhäuser, vierzig Pröcent sin Frankreich einmal sogar achtzig) waren den Juden erlaubt, ungefähr ebensoviel als eine gewisse Gattung christlicher „Privatlere" in München heule noch ju erheben pflegt. UebrigenS scheint eS solche Privatiere auch damals schon gegeben zu haben, denn der heilige Bernhard von Clairvaux, daS Orakel des zweiten Kreuz» zuges, stimmt die laute Klage an: daß wo keine Juden ftyen, die Christen noch schlimmer wucherten alS jene. In Deutschland beherrschten übrigens die Kinder Israels den Markt fast auSschlirßliä>, denn die Christen, welche Torr vor Augen hatten, hielten sich doch mehr oder weniger an das kirchliche Gebot von auSgeliehenen Geldern keine Zinsen zu.nehmen. JnjJralien dagegen wollten die Söhne Jakobs nie so recht fröhlich gedeihen, obgleich sie hin und wieder auch die Schatzmeister der Päpste waren, aus dem einfachen Grunde, weil die christlichen Italiener für Schacher, Wucher und Profit «ine so übernatürliche Anlage hatten, daß die Juden sie immer als ihre Lehrmeister betrachten konnten. Aus den ungeschlachten Longobarben hatten sich nämlich feine verschmitzte Lombarden herauSgebisdet, welche namentlich in Frankreich atS Geldwechsler und Wücherer bald einen großen Namen erwarben, zugleich mit den Caorjen, Gewertfchen,Gawatsch«n (von denen noch daS Kaufhaus in Lindau den Namen hat), auch einer Sorte von hausirenden Geschäftsleuten, deren Geburtsort Dante mit Sodoma -iy ein« Reihe stellt (Loäoma e Caorsa, elfter Gesang der Hölle). Wo dieser Geburtsort aber eigentlich gelegen, darüber lie, gen Italien und Frankreich noch im Streit, sintemalen ihn di« italienischen Geschichtschreiber in der französischen Stadt CahorS, die französischen Forscher in dem piemontesischea Städtchen Cavora, Cavoue (berühmten Namen«) zu finden glauben. Die Caorsiner, die Lombarden und die Jsräeliten traten übrigen« öfter zu Handelsgesellschaft. ten zusqmmm, und diesen übertrug der päpstliche Stuhl mit Borlied« die Beitreibung seiner Einkünfte in Frankreich ufid in England, wie denn überhaupt die Statthalter yhristi persönlich mit den Juden fast immer auf leibliches« Fuß standen, und sie namentlich in ihrem Fürstenthuür Avignon ganz unbehelligt ließen. ES§ ist richtig, daß die Christen damals nicht nach Jerusalem gekommen wären, wenn die Juden nicht daS Geld dazu hergegeben hätten, aber andererseits wird man auch eipräumen, baß eine AuShülfe zu vierzig und mehr Proreni, Zins auf Zinsen gerechnet, iy den Schuldnern keine yesonder« dankbare Stimmung erwecken konnte. Wenn jvir aber damit begreiflich machen wollen, daß die Hebräer allenthalben verhaßt zu werden anfingen, so soll darin jleichwohl nicht der Schein einer Entschuldigung' für die furchtbaren Gräuel liegen, welche wir nun zu erzählen Kaden. Dei Drrf. ist hiermit an jenen großen Wendepunkt im Geschicke der Juden angelangt, an den Kreuzzügen. Er entwirftlein Gemälde der grausamenDerfoigungen, Metzeleien und Bedrückungen, welche von Hierad di« Juden in allen europäischen Ländern zu erleiden hatten. Er zählt jene adscheulichtn, lügenhaften Anschuldigungen auf, welche nach und na^h verbreitet wurden, theil« um den Pöbel aufzustacheln j theilS um die Mordthaten zu beschönigen, undweifet bsren Ursprung und Fortbildung nach, wie daS Verzehren v^on Christendlut, Hostienentweihung, Brunneaver« g'ftung. Diese Ding« sind allzu Mannt und allzu düster, alS daß.'uns selbst die Kunst de« BerfäfferS, in gedrängter Weise U ieleS zu erzählen und Alles verständlich zu machen, verleiten sollte, diese« Schauergemälbe vor unfern Lesern^ aufzurol en. Wir heben nur einige« herauS: „Zu BloiS in Frankreich kam es 1171 vielleicht zum erstenmal« vor, daß man die Hebräer bezichtigte: sie hätten zur Ost^rfeier Christ,nblul vöthkg, und pflegten sich da«, selbe bu^ch Ermordung christlicher Kinder zu verfchqffen. (Später! entstand die Fabel, daß die Kinder der Judenfrauen. wenn sie zur Welt kämen, zwei Finger an die Stirn gcheftet hätten, welche nur durch Ehristenblut abgelöst n erden könnten, wa« der gelehrte Dortor Johanne« Eck, ei» große« Licht der Jogolftäbter Hochschule, noch 1-41 glaubte.) Also zu BloiS in Frankreich wollte ein Reitkneflt gesehen haben, wie ein Jude ein ermordetes Chrlstenklad in« Wasser werfe. Graf Theobald von BloiS nar angenehm überrascht, fand die Angabe feh, verdienst! ch, und ließ einunddreißig Opfer, darunter fizden-

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