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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 25 (1866) · p. Seite 99

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
25 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 99 (sequence 3)
Language
German
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99 daS Haus auskehre, oder od es Jehvvah vorziehe, wenn man erst das Haus auskehre und dann die Hände wasche — «in Männchen, dem die Meditationen über einen Sadbaths» brath viele schlaflose Nächte machen konnten; aber dieser träumerische Hochmeister war in der Regel ein Mann von lautern, strengen Sitten, welche man bei dem christlichen Klerus des Mittelalters um so weniger findet, als dieser sich bekanntlich einer namhaften Ausgelassenheit ergab. Zn ihren bürgerlichen Beschäftigungen hatten die Juden wenig freie Wahl. Daß sie sich nicht auf das Handwerk verlegten, meint Jost, sei leicht zu erklären, weil dieses früher nur den Leibeigenen überlassen war, und später, als die Zünfte aufkamen, den Ungläubigen der Ein, tritt nicht gestaltet wurde. Dem Landdau sich zu widmen, war ihnen ebenso erschwert, tbeils weil sie in vielen Ländern liegende Güter nicht erwerben durften, theilö weil ihnen die Concilien verboten hatten christliche Dienstboten zu halten, theilS weil >der Aufenthalt einzelner jüdischer Gutsbesitzer mitten unter dem germanischen Dauernvolk mit eigenen Unannehmlichkeiten verbunden sein mochte. Um weltliche Würden und Ehren zu werben war dem Volke DavidS auch versagt, und so blieb ihm nichtandereübrig, als sich auf Schacher und Handel zu verlegen, und bei Hoch und Nieder, bei Klerikern und Laien in G«ldnölhen Rath und Hülfe zu schaffen. Doch sei diein den frühesten Zeiten noch mit sehr viel Anstand und Mäßi, gung geschehen, denn da- Concilium von ElliberiS in Spanien z. B. (305) habe zwar für nöthig erachtet den Geistlichen die Wucherei zuverbielen, den Juden aber, .mit denen es sich doc^ hauptsächlich beschäftigt, diese Untugend gar nicht vorgeworfen! Wie dem auch sey, in Deutschland hatte sich damals der große Haufe der Juden auf da- Geldgeschäft geworfen, und kümmerte sich wenig um ideale Interessen, obgleich in Mainz, in Warm-, in Rothenburg hochgeachtete Schriftgelehrte und berühmte Schulen blühten. Auf jenem Feld ist aber auch der Fang immerdar sehr gesegnet gewesen. Klingende Münze war nämlich im Mittelalter «in unge, gemein gesuchter Artikel. Wenn sich derselbe auch in den großen Handelsstädten mitunter etwastaute, so herrschte doch auf dem flachen Land jahraus jahrein der bitterst« Geldmangel. Auch ganz wackere und berühmte Fürsten waren zuweilen so abgebrannt, wie> jetzt nur noch ein leicht, sinniger Bruder Studio zu sein pflegt. So schrieb ein^ mal Kaiser Ludwigs Sohn, Markgraf Ludwig von Brandenburg, sonst ein reputirlicher Herr, von Ingolstadt aueinen freundlichen Schreibebrief an die Münchener Juden, fchaft: sie möchte ihm doch feinen Gaul, den er beim Kappler oder Kaltenegger für Zehrung al- Pfand gelassen, in ihrer Güte auslöfen und gen Ingolstadt schicken.*) Auf seine immergetreuen Großbrauer, Juweliere, Apotheker, Specereihändker u. s. w. scheint er also nicht so viel Verlaß gehabt zu baden, und wer weiß, wenn ein heutiger Prinz in dieselbe Verlegenheit gerielhe, od er nicht auch den Fußstapfen seineerlauchten Ahnen folgen würde. Die Herren und Ritter, denen die Hörigen ihre Abgaben nur in Getreide und anderen Naturalien lieferten, hatten oft wochenlang keinen Pfennig in der Truhe. Solange sie nun in ihren Burgen einer edeln Muße pflogen, war dieser Umstand nicht so empfindlich; wenn es aber zu *) Regesten zur Geschichte der Juden in Deutschland rc. Bon vr. M. Wiener. I. 126. einem Kriegszug, zu einer Rvmerreise oder Äeerfahrt kam, halfen natürlich die gefüllten Speicher, die vollen Ställe und der reichbesetzte Hühnerhof nickt aus, den der bayerische Ritter j. B. konnte feine Zeche „im schwarzen Walfisch zu Ascalon" nicht mir einem Straudinger Wei» zenfack bezahlen. _ (Forts, folgt.) Eine politische Parabel. Zwei große, starke Bienen schwebten über einem Blumen« kelch und sahen begierig in dessen Schoß hinein, wo eine dunklere erhöhte Stelle ihnen anzeigte, daß in der Honigzelle der Blume des süßen Stoffes viel vorhanden.. Ader, stehe, eint große, grüne Raupe lag auf der Zelle und sog ( sich an derselben satt. Darüber etzürnten die beiden Bienen. Was, riefen sie au-, gehört diese Zelle nicht mit zu unsrer Heimakh, zu unserm Vaterland«? Har die Natur selbst sie nickt unangewiesen? Denn was sie in ihren zierlicken Gängen birgt, das tragen wir nach unserm Stocke, wo ezum allgemeinen^ Besten niebergelegt wird. Die Honig, zellen der Blüthen ' und die Stöcke der Bienen sind Ein Land und gehören Eiyer Nation — auf, Schwester, laß uns den Räuber, den Unterdrücker, aus dem Wege räumen lind auch diesem Theile unsre- Vaterlandes die Freiheit verschaffen!" > Alsbald machten sie sich ans Werk. Sie drangen in den Kelch, fuhren auf bis Raupe los, griffen sie mit ihren Rüsseln, Füßen und Stacheln an; die Raupe, gegen solchen Angriff zu schwach, zog sich zurück, immer weiter und als sie endlich Stand halten wollte, wurde sie durch die Stöße der Biesten von der Grenze der Honigzelle in einen andern Winkel des Kelchgestoßen. Die Zelle w.ar befreit. Nun aber entstand zwischen den Bienen die Frage, wem sie gehör«, wer von beiden da- R«»t haben solle, ihren süßen Inhalt au-zulehren und in >ie Zelle feine- Stockezu tragen. „Sieh, sagte die eine, mein Stock ist der nächste, dicht an dieser schönen Blume, ich bin also am meisten geeignet,' sie zu vecttzeidigen, w nn die Raupe wieder zurückkehren, oder ein andrer Feind ur srer befreiten Zelle sich nähern sollte. Und bann, fehlt mi gerade noch ein Tropfen Honig in meiner Zelle und ich kann diese am bequemsten von hier aufüllen. Also fliege nur nach deinem Stocke, und überlaß mir dieses mein Eüenehum!" „WaS, rief di« andere, habe ich si) nicht eben so gut wie du r»it Rüssel und Stachel befreien helfen? Hab« ich nicht ebeiso mein Leben und meine Kraft daran gesetzt? Und nun soll ich leer ausgehen? Und hast du nicht schon genug Hl yig in deiner, Zelle, hast du Uicht Blüthen und Knospen, mehr als dit zukommen, dir angeeignet? Ziehe dich zurü f, und wenn eS nicht anders sein soll, will auch ich mich l ntfernen, und wir wollen diesen Kelch einer Dritten überlassen aus unferm Geschlechte." Dam» war nun die erst« Biene durchaus nicht zu frieden. ^Jch will und muß sie haben, rief sie aus, ich kann ihr» nicht entbehren um meine- Stockes, ja um der ganzen Bienenwelt wegen, an derrn Spitze man mich immer fiyben wirb. Ich beanspruche Uesen Kelch, ich nehme ihfi mir, und sei es mit Gewalt." So Dritten die beiden Bienen, und finget an, sich gegenseitig zur Wehr zu setzen; bald streckten sie sich auf

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