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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 24 (1866) · p. Seite 95

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
24 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 95 (sequence 3)
Language
German
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95 ist Schmuck eines Ehrenzeichens von seiner Person nicht fern - geblieben *tta, hätte er nur leise dahin getrachtet. Den Grab de- Werthes, welchen er auf Titel legte, mag folgende, erst nach seinem Tode bekannt gewordene Tharsache andruten: Im Jahre 1827 wurde ihm von einem deutschen, unserem Konigshausenahe verwandten Großherzoge für geleistete Rechlswattung der Titel „Rath" verliehen. Mancher Andere würde die landesherrliche Bestätigung und später den Zusatz „geheim" geluchr und gefunden haben; R. legte daS Diplom bei Seite und statt Geheimratb werben zu wollen, blieb ec als Rath für immer geheim! Die wenigsten seiner nächsten Angehörigen wußten davon, erst nach seinem Tode erfuhren e- Andere und Hunderte seiner Freunde und Bekannten werbrn-^eS erst audiesen Zeilen erfahren. F. kt. sich die Dtnge angesponnen und entwickelt haben. Er thut dietau so gründlicher, unparteiischer und dabei ebenso pikanter unjb fein ironischer Weise, baß «r für seinen Gegenstand ei» hohe« Interesse bei allen Lesern und einen^ warmen Dqnk bei den jüdischen erwecken mußte. Freilich hilr die erzbischöfliche Kanzlet zu München diese-Interesse nicht dadurch bethäligt, daß sie diese ausführliche Untersuchung 's, ebenso der Unwahrheit und Gehässigkeit de schul digtr^wie di« frühere Notiz des Verfasser-, sondern schwieg. Wenn nun auch in der allgemeinen historischen Schilderung Herr Dr. St. nicht viel Neueheranbnngen konnte, so so ist doch schon sei»« Darstellung so lesen-werkh, baß wir nicht umhiä können^ Einigedaraus mitzutheilen. , Zu we!cher Zeiij, sägt der Berf., und zaus welchen Wegen die gekommen, Der Judcnmord zu Deggendorf. Bon Ludwig Steub. iAu-züglich aus der A. A. Z.) In einem Artikel, „Herbsttage kn Tylvl" hatte Herr Dr. Steub in München bemerkt, daß der große Judenmvrd in Deggendorf an der Donau (1337) jetzt noch, nach 500 Jahren, durch Prozessionen, WaUsahrren, Predigten und Ablässe gefeiert werde. Die erzbischöfliche Kanzlei zu München sah sich hierdurch veranlaßt, in der A. A. Z. vom 21. Jan. b. I. dies für eine Unwahrheit und eine gehässige Verdächtigung dekatholischen Klerus zu erklären. WaS zu DegLttUwrf-gefeiert w/rde, meinte sie, sei nicht der .^mgebische „große Jubenmord", sondern daS große Wunder, durch welche- Gott vor 500 Jahren daselbst das ■ katholische Dogma von der Eucharistie in augenfälligster Weife zu documenliren und;u verherrlichen.sich gewürdigt, feien die consecrirlen Hostien, welche jüdische Wukh und j Verblendung in schmählichster und schrecklichster Weise mißj braucht, die aber bis zur Stunde noch ganz unversehrt! erhallen feyen. Diesen Hostien, dem eucharistischen Christus,! galten diese Processionen, Wallfahrten, Predigten u. s. w. \ Man wolle zwar dem Verfasser d,S fraglichen Aufsatzes nicht zumulhen, daß er bieß wisse (sehr bescheidene Zu-; muthung!), aber man müsse verlangen, daß, wenn er ein-; mal über die Wallfahrt in Deggendorf reden wolle, er ' sich vorher darüber unterrichte, und nicht seine Phantasien f und Einbildungen als Thalsachen hinstrlle. . Dieveranlaßte Herrn Dr. Steub die Sache gründ» : lich zu untersuchen und die Resultate seiner geschichtlich«»; Forschung in einer längern Abhandlung zu veröffentlichen,; die in den Beilagen zur A. A. Z. vom 12. April d. I. an ihren Platz gefunden. Es stellte sich heraus, baß der angebliche große Jubenmord wirklich ein solcher war, - mit den Wundern es dagegen sehr wunderlich auSseye. Der Perf. hielt es aber für nothwendig, um baseinzelneEreigniß in | seinem rechten Lichte zu zeigen, «inen Blick auf die Lage ■ der Juden im Mittelaller überhaupt zu werfen, und wie I Enkel dir Patriarchen zuerst ins Abendland ist mit Sicherheit nichtmehr zu bestimmen. Auf den s eben Hr.geln an der Tiber waren sie bekanntlich schon Izu HoraHus' Zeiten keine fremde Erscheinung \ mehr. Ge chichrlich beglaubigt ist, baß die JudiN-auß»- hald Italiens zuerst inGallien unter den Franken und Gothen erscheinen. Es läßt sich aus allem erkennen; baß damals %»: alte und der neue Bund ihres Unterfchled»_ sich noch nicht so genau bewußt waren, denn daS Derhäitniß der de Serfeitigen Bekenner zeigt sich noch von Achtung-, und Liebe durchweht. Christliche Priester saßen gern an den Tafeln der Juden, und luden auch dies« wieder in ihre Hauser zu Gast. Die leibenden Christen auf dem Krankenbet riefen m der Todesnorh, wenn die Reliquien ihrer Heilt,en keine Rettung mehr zu dringen schienen, auch bi« jl bischen Aerzt, zu Hülfe, und legten ihre Amulette vertraurnsroll auf bas Herz. Bischof Hilarius von Arles war der Israeliten (o^emc, baß sie bei seinem Begrädniß (4 49) in großer Menge sich detbeiiigten, und öffentlich hebräisch* Psalmen sangen, waS uns jetzt viel zu aufgeklärr dünken würbe. Auch Sidom'uS Apollinaris^, der Biscko von Ckermon't, dachte milde von den Juden,"' und dehanl elre mehrere derselben mit großer. Freundschaft. Wenn dir Freundschaft, nach Cicero, nur unter den Gürkw destehen kg »n, st muß mao also annehmen, baß die Hebräer fast ebenso gut und sittlich gewesen al» der hochverehrte Kirchenhirt . Annoch pflegte auch der Liebesgott sein« Pfeile sow> hl aus dem christlichen inS jüdische Lager. alS umgekehrt zu entsenden, und manches glückliche Ehrdünbniß zu knapsen, denn solche gemischte Heiralhen mußten noch im 6 Jahrhundert öfter verboten werden. Gleicht! ehl fehlte es damals nicht an allerlei iVerfolgungen stn ie an gewaltthätigen Bekehrung-Versuchen, und Papst Gregor der Große (um 600), der «in gütiger Herr' war, ließ k aher eine Encyclica in die Welt ausgeyen, daß die Juden nur durch Ueberredung und Sanfrmuth. nicht durch Gewilt bekehrt werden dürften. Das Christenthum sollte nur moralische Eroberungen machen. Er mahnte seine Bisch )fe zu öflernmalen, wenrk sie diesen Spruch zu vergessen-si )ienen. Oennoh kam bald darauf in den neuen germanischen Reichen di erste systematische Jubenau-rreibung vor- Der odscure Ge thenkönig Sisebut in Spanien nahm es über sich (612) in diesem Stück allen.christlichen Potentaten der Folgezeit voranruleuchten. Bald abmre König ^Dagobert von Frankreich das gegeben« Beispiel nach. Das Volt GotieS wurde da und dort davon gejagt, um unter /

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