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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 22 (1866) · p. Seite 86

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
22 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 86 (sequence 2)
Language
German
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boch-ktzitdere Gräfi» tz'Avigbor. fiin Hauptzweck dieser ( Berriai-»»K ist, Reiche und Arme mitesiraader bekannt zu! mache». Die Damen bestreiten auch ihren Börsm die Eezt»tz»ng und Lleiduag armer Llabee; sie unterstützen aber Lechen, «Iw znvor da- Haut besucht zu haben. j Armen Fmueo bewilligen sie unverzinsliche Gelddarlehen, . destche» aber auf der Rückzahlung, wozu hinlänglich« Frist! bewilligt wird, um die Borgenden an Rechtschaffenheit! und Unabhängigkeit zu gewöhnen, ein Zweck, welcher in der , jüdischen Milbthärigkeir nie aus dm Augen verloren wird. | Die Damm lasskn ferner junge Mädchen im Lochen unter» | richte» und bezahlen nicht seiten dach Lehrgeld für Knadm, die »in Handwerk erlernen. ' Nicht weniger Lod verdient der ebenfalls von reichen lüdischen Damen naterhalrene DariehnSverern veaevolent laa» ooeiet;). linker de» wobkthatigen Instituten, die halb aach eigmem Fonds, bald aus Beirr-,gen sich rehallen, verdienen Erwähnung dach jüdische Waisenhaus in Teurer Eßrounb, Goobman'sFielos, und-das Hospital inMile- End, welches bald nach dem nepm. prächtigen Gebäude I in Lower Norwood übertragen werden wird.' Qni es wahr ist. daß die jüdische Bevölkerung Lon» bo»ch nur 41000 Serien (d. h. etwa ein Drittthnl von | der Volk-zadl »es. Kirchsprengels von Betbnal Green) um» j faßr, so wird sich dt« Frag« aufdrängen, wozu es denn ei»er f» ung«h««m Wohltkärigkeir bedürf.. Vorerst darf man n,cht vergasen, »aß e«'nicht »miger al- 8000 arme Iu» den i» k»»bo» gibt, welche Unterhalt. Unterricht u»b an» derm VetstaiM Nl lyken r«i»,rn t' avm .ewarw» Während unter der christlichen Bevölkerung erst der sieben»* »»§-»»»,»4« Wowßch f* A,««« ji.-tf •* Mi m 3mm dm ßchnßtw Fuiltch find dies nicht die L o N b o n« r Armen. f»»tzed», wie bereits bemerkt. ,i» großer Ttzeil sind fremde I»d«», welche vom Eonlinente bieher zur Unterstützung ge» sandt werbm. Dabei aber muß zur Edre der Londoner Z»dm Hervorzehoben werden, baß sie, welche ihren Armen IwWihlt», den KtrchsprengelN zur Last zu fallen, nichts» deAaweniaer j» unserer Armmsteuer einen bedeutenden Beitrag leiste», indem viele von ihnen in den. höchst desteuer, ten Svrengpl» Londons wodnm. Ferner gebt es kaum ein» christlich» WohlthätigkeitsonstaH ia London, welche »tcht »oich« Israeliten zu ihren freigebigsten Förderern zählt; »»* diese -esammre massendakre Wohltbätigkeir wird von etwa »teehunbert jüdische» Familien geübt. von denen viele allerbt»-- sehr reich sind, doch nicht ia solchem'Maße, um so großartigen Leistungen als Erklärung zu dienen. Es ist demütbigenb für uns Edelsten, wenn man sieht, wie knickerig bre Milben Beiträge mancher Mitglieder unseres Adel- und mancher großen Trunobesitzer sich auchnedmea, mit denen »»«scher Londoner Juden verglichen. Werfen wir «ima Blick auf »ine Subskriptionsliste. nicht nur für jübtßche, so«b»r» auch für christliche WoSithätlgkritszweck«, und Gewerken wir'die Namen der Rothschild,, der NDtza»-, der Golbsmids^ »er Mont,fror,ch und L, u»tz vorßleichen die Beträge, dir^ bei ihren. Namen BtzchiW, mit den Zeichnungen mancher Ehristen von weit Mcktzem» Retchrhume. so haben wir wmig Ursache, auf »ach OWobwiß stolz z, fein.. Die Hausermiethe Londons b«trügt »wgefähr £. 14,000,000 per Jabr. Nimmt man M, »aß . eine- Manne- Wobnuagsmielbe bas Fünftel sot»»« GesirmMtLusgaden ist, so ergibt sich an Hanshal» tungskvsten für bis Haopr-abr eine jährlich« S»m»i va» £. 70,000,000; und kaum mehr als der siebzigste Theil dieser Summe wird im Dienst« Gottes und der Arme» verausgabt. Bon den £. 1, «0,000, gtfwc Mekropoke während eines Jahres zur Dttzchttzchchi Msi«' Kirche nnv zur Unterstützung der Armen siüMß Worden, müssen i- 700,000 durch eine Zwangssteuer, dt« Armen» rare, aufgebracht werden; und dies» Steuer ist stosstrtzom Verhältnisse drückender,!als eia Sprengel »ehr mit, Ar» men bevölkert ist. Wieso ,S kommt, daß uns die Inden an Mildthätigkeit und guten Werken so unendlich Überlege« sind, wir wissen es nicht. Gewiß schärft unsere RrAßlon diese Pflichten ebenso nachdrücklich eia. als die jüdische; allein der Unterschied in der Ausübung muß nicht nur das Nachdenk, n des Menschenfreundes, sondern eines jeden Ehristen in unserem Vaterlande beschäftigen. Kuriose Ansichten aus dem Jahrel784 - Der preußische Minister Wöllner. welcher dmch feinen fanarischen Od^curantismus unter der Regiernng F iodmch Wilhelms II. soviel Unheil angestifret hat, war, wls so mancher Ander« vor und nach ihm» bevor kr zur Macht gelangte, ia vielen Punkten freisinnig ober geberbeite fich wenigstens so. In einer von ihm geschriebenen, vor Kurz«« erst veö «4 «t chi«n Aboan..uia »en S e r Bevölkern»- der Preußischen Staaten :t. ya»»elt Mr §. 99 vo» .«i -.itiA. .ch,n A....r,» Bevstkrrunq. ^Zn demselben verlangt er, daß »ie 'Jaden wo nicht natural'sirt doch wenigstens zu S o l b a re n gebraucht werden. Er sagt wörtlich Es "t wirklich schabe, daß diese Nation im Staate nicht besser genutzt wirb, als leider geschieht. In ten sämmtlichen Königlichen Ländern. Westpreußen ausgenommen, sind 1000 Iudenfamilien, welche an Iubensteuer und andern Abgaden 50,000 Thaler bezahlen. Was will dieses aber sagen gegen den großen Bortbeil, den sie d.:r, Lande leisten könnten, wenn sie zu Kriegsdiensten gebraucht würden. Es ist kein stolzeres Geschöpf auf dem Erdboden al» ein Jude. Der Soldatenstand würbe die Nation au» der Verachtung reißen, darin sie jetzt lebt, und dasienig« Land würden die Juden dis zum Enthusiasmus lrev gewinnen, in welchem man sie so 'doch ehrie. In alten^Zeiten haben die Juden in den asiatischen Kriegen der Römer als Hilfstruppen sehr oft an der Seite der römischen L.gionen g,fochten, welch» sich solche« niemals zur Schande rechneten. Dasnage sagt in seiner bisioire des jmf*', daß die Juden im Jahre 1048 Prag wider die Schweden verlheitigen halfen und m der Belagerung von £r>n I6b0 nnder di» Türken fochten. Bor zwei Jahren in dein jetzt beendigten Krieg» zwischen Holländern und Engländern diente ein, große Anzahl Amsterdamer Juden als Freiwillige auf der holländischen Flotte, wozu sie der Dberraddiner förmlich etnsegnete. In der preußischen Armee könnte ihnen kein besserer Platz angewiesen werden, als wenn man sie zu Husaren machte. Hier würden si, vortrefflich, Dienste thoa. Ihr morgenländisches hitziges Temperament würbe sieia

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