Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 20 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/4908862-5999396-6026802--3227-4911433- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Agen 1× ep/1043981
OCR text
79 > sich nicht besinnen, was er dritten« fragen solle. „Wer...: wer. . wer. . ."stotterte er, und da ihm absolut nichts G« schette« einfalleu wollte, so fragte er: „Wer hat dir die» fen Hur gegeben?" Der jung« Karechumrn Samson, La» ronet von England, war feiner Sache sicherer als sek» Barer; „der heilige Geist!" erwiederle er.*) .*-* J Gideon senior starb im Glauben seiner Bitter, 1762.; er hinterließ al« Erden seine« ungeheuren Vermögen« einen Sohn und «ine Tochter, und außerdem an Legaten die be» trächtliche Summe von etwa 180,000 Thalern, welchezu gleichen Theilen an jüdisch« und christliche Wohlttzätigkeit« »Anstalten und Arme vertheilt werden sollte. E« scheint, al« ob er e« auch auf dem Todtenbette noch^mit keiner von den beiden Confessionen verderben wollte. „Gideon ist todr," heißt es in dem Briefe eine« Zeitgenossen, „und sein Nachlaß ist mehr werth, al« da« ganz« Land Kanaan." Juliu« Rodenderg. Die Londoner Juden. Äa» dem Englischen de- William Gilbert von H. Zirndorf. (Fortsetzung.) Ein Betrüger stellte sich zunächst dar. Ec gab eine glaubhafte Geschichte zum Besten, an der natürlich kein wahre« Wort war, und verließ da« Zimmer mit einem sehr verblüfften Gesichte, al« man ihm sein Vorleben mit einer Genauigkeit entgegenhielt, gegen die er nicht« ein» weoden konnte. Der nächste Fall^war zugleich ein glänzender Beweis der Wohlthätkgkeir, wie sie selbst unter den ärmeren Juden geübt wird. Der Bittsteller, ein preußischer Jude, war völlig blind und wurde von dem Kinde eines seiner Zim» mernachbarn an der Hand geführt. Die« war sein erster Besuch in Oevonshire Square, obgleich er schon mehrere Wochen in England und sich in äußerster N/»th befand. Auf die Frage, wovon er dis jetzt gelebt, erklärte er, daß die armen Juden von Petticoat»Lane eine Sammlung für ihn veranstaltet, die etwa 8.Schillinge per Woche er» tragen hätte. E« erschienen noch viele Hilfesuch/nde; erwähnen wir nur noch eine« einzigen Gesuch«. Ein etwa vierzehnjäh,' rigeS Mädchen von vorzüglicher Schönheit kam Im Namen ihre- Vater«, der sich in großer Noth befände. Befragt, warum er sich nicht selbst vorstelle, gab sie an, daß er ihr« krank darnieder liegende Mutter pflegen müsse. Sie mußte erklären, welche Schule sie besuche, worauf man sie hieß nach Haus« gehen und ihren Vater schicken. Al« dieser am späten Abend seine Aufwartung machte, erhielt er einen derben Verweis, wie er seiner Tochter erlaubte, de« Abends allein auf den Straßen zu sein. Man erklärte ihm, baß er auf keine weitere Unterstützung rechnen könne, eS wäre denn, daß er persönlich erscheiiie; denn es sei schmählich für einen Vater, seine Tochter nachtunbegleitet auf den Straßen zu dutden. *) Für diese und mehrere der folgenden Anekdoten und Thatsachen bin ich einem Artikel in „London Society“ für März 1866; „The merchant-princes of England,“ als Quelle verpstichtet. Nack beendigter Sitzung belehrte t nt der Präsident, Httr Al kr. wie hie Gewährung unser inSlicher Darlehen eifleder wirksamsten Mittel wäre, defff r?fc sich bedienten ' um arbeitsfähige Arme zu unterstützen; indem die Em» pfänger I «durch in -den Stand gesetzt » ürdea, Handwerks, zeug oder kleine Gegenstände de« Strcßenvertaufs anzu» schaffen; auch könne erslnit Befriedigu lg sagen, daß di«. Einrichtung sich trefflic bewähre, und baß die Entleiher rseltea da» geschenkte 3 e trauen täusche». „ES versteht 'sich üdritzenS, fügte er »mzu, baß wir über den Ruf de» Bittsteller» möglichst ger aueElkundigung n einziehen. Allein da« CoMirL mag rmchf agen. fo viel e« wolle, wir wissen im voraus, daß die A»«kunft immer liuten wird: unser künftiger Gläubiger sei der Aermste der Armen, «ine That» fache, di von kaufmän uschem Slaobtp» nkre betracht« ge» wrß eine sehr'schlechte!)ürgschasr ist. Nicht« destowenizer ersehen Sie au« unsrem letzten Jahrksdencht, daß feit wir dies« Art von Unt rstühung einfüs cten, 1282 Vor» schüsse iin Betrage von 5 Schill, bi« ju £. 2. bewilligt worden inb, und dgß lnser Gesammtvirlust während die» fee galten Zeit nicht mehr al« £, l&. 19 sh., d. h. etwa .1*4 proCent de« vprgesteeckren Kc pital» beträgt." Ma i muß zugeder ,' daß dieser S ichverhalt für bi« Besonne »heit .und Vor cht de« jüdischen Armenpflrgfchaft«» rarhe« « n sehr günstig « Zeugniß adleg,; noch mehr aber wird da >urch die Recht chaffenheit der <'ntleiher an« Licht gestellt. Freilich wisset die Ansuchend n recht gut, baß wenn sil nicht ihr« Rat nzahlungrn von je einem. Zwanzig, stel de« Vorschüsse« mi: ziemlicher Pünktlichkeit einhaltln, sie nie r 'jeder Kredit er -alte«; allein m in versuche einmal ähnlich«!i mit den nich cernirten Empfär;ern der christlichen A^riyüh luser London«, und du« Resu rar, fürchten wir, dürfte k ineSweg» so gi nstig audfall^,. Die wichtigste Hilf , welche oiese ve dienflvolle Körper» schaft il den. Behpusw gen selbst verabr icht, ist die ärzt» liche. Vkrgleichen ^»lr d ns Umfang ärztsil »en Beistände», der difr gel istet «ird, mit d!rm was die < rmenrätht unserer Airchspr ngel wirken, so müssen wir al« Christen vor Scham erröthe». Bei ben Juden koste jeder Krankheit«» fall mit. Einschluß de« ärztlichen H^norrr» durchschnittlich 10 sh« 7 «I. (=$*/, Lhlr). Man' v« kgleiche einmal diese Ftrigebiukrit mit den Gedahren eine unserer reichsten Kirchspr'ngrl im Lond >ner Wesienhe, welcher vor etwa fünf/Jchren einen'sei! er ordiniretiven Azrzte deshalb ad» fchaMe, weil seine B« »andlung zu kos spielig wäre, ^r machte ihnen zwar 8 egenvörstellstngen und bewies. baß ei» gal: burchschnittli ) nicht mehr a» «inen Schiumg koste: il re Antwort ad r war, baß die i mliegendey Spren» grl „e» mit weniger bestritten'. Damit Ist aber die Ge chichte noch r ichk adgeschlosser j denn als zehn Geistliche der StaatSki che de« Armenrith bei dieser Ge» learnhei schriftlich am ingen uyb sich fÄr ben Arz^ ver» winbetei l, den sie alS inen der i^enscdf ^freundlichsten und uüermü »ersten Männer seine» Stande» bezeichnet«», so er» wiederte» die RLthe: iire Aufgabe sei z »nächst, die Börsen der Steuerpflichtigen u schützen, u» > di, Entscheidungblieb arfrecht erhalteü. Di« sittliche Woh fahrt der Arni in wird auch am Krankenbette von den jüdischen Arme»Pflegern nicht ver» nachlLsf gt. Wenn de Fall nicht Luß rst dringlich ist, fo beginnt der Ordinariu seine Brhandlr »g erst dann, wenn £