Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 20 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 4)
- Language
- German
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80 •\ der Jtrante sich reinlich halt, zu welchem Behuf« unent» geltliche Babekartea stet» zur Verfügung stehen. Don dem fleißigen Gebrauch derselben^.hangt die Fortdauer der ärztlichen Besuche ab. Die Thärigkeit deZ jüdischen Acmeopflegschaft-ratherstreckt sich noch auf zwei andere beaLlen-werthe Zweige: eS besteht erstens «in Fond-, um die Armen bei der AuS» Wanderung nach den Vereinigten Staaten oder nach Austra» liea zu unterstützen; und ein anderer Fonds har den Zweck, Nähmaschinen anzutaufen. Diese werden an arme jüdisch« Frauen zu zwei Schillingen die Woche au-geliehea, und damit dieselben sich noch, mehr angerrieden fühlen, das Leibgeld pünktlich zu entrichten, fo herrscht die Einrichtung, daß die Maschine ihr Eigenthum wird, sobald die Wochen» Zahlungen den Werrh derselben erreicht haben. Wir wenden unS jetzt nach einem andern und weit höher stehenden Gebiete jüdischer Wohltbäligkeit — wir sprechen von ihnen Freischulrn. Nur die zweigrößten sollen uns hier beschäftigen: die Schule in Bell La ne uod die ganz in der Nähe befindliche Kinderbewadranstalt in Eommercial»Sreet, Whitechapel; denn eS würde uns zu weit führen, auch von den übrigen eingehend zu sprechen. Nur im allgemeinen wollen wir erwähnen, daß eS noch mehrere andere Anstalten gibt, die durch vortreffliche Leitung den genann» ten gleich kommen, wenn auch ihre Wirksamkeit keine so umfassende ist. g (Forts, folgt.) Kuriosum. fand die Erwähnten, die sich, wir sie ihn erblickten, zu zerstreuen anfingen. Czelder erfuhr dann von den Männern, daß die Nvlh sie zu diesem Schritt veranlaßt habe. Die beiden Familien sind mit zehn Kindern gesegnet; sie wendeten sich um Hilfe an die Juden, und diese versprachen ihnen, wenn sie zum Judenlhume übertreten, für die Kinder zu sorgen,' sie selbst aber nach der Türkei zu dringen. Sie hatten mit den Juden bereits ein Fest gefeiert. Die j Aufnahme dieser Szekler in den Bund deS JudenlhumS hatte noch am Abend desselben Tagevor sich gehen sollen. Bon den beiden Familien ist eine rrformirt, die andere katholisch." — Die „Presse" fügt hinzu: „An der Geschichte klingt our baS Eine unwahrscheinlich, baß die magyarischen Familien von Seite der Juden, , deren Gesetze bekanntlich da» Proselytenmachrn streng vrrpönen, zum Urberttitt aufge, fordert worden seien." Wa» den Erzählungen eines Missionairs, sobald sie einerseits Juden, andrerseits seinen eigenen heiligen Eifer betreffen, zuzutrauen ist, brauchen wir nicht weit» 'läufig auSzusprechea. Pro sely ten erkaufen, war niemals die Sache drr Juden! Anekdoten.! Au einem witzigen Bankier kam einst ein Student und j erbot sich /in Darlehn von 10 FriedrichSdor. —„Ich borge NlchiS," lautete bie Antwort. — „Ich werde Ihnen aber! einen Wechsel geben." — „Wasoll ich mit Ihrem Wechsel machen?" — „So verpfände ich Ihnen mein! Ehrenwort." — „Auf Pfänder leihe ich erst recht Nicht-." Die Wiener Zeitungen bringen folgende-, sicherlich erfundene- Geschichlchea, an dessen Richtigkeit jene selbst ihre Zweifel au-sprechen: „Kolo-oari Közlöny veröffentlicht folgend« Mittheilung dein Galacz wohnenden protestantischen Missionär» Martin Czelder. Dieser erfuhr, daß zwei magyarische Familien.zum Judenthnme übertreten wollen, und verfügt» sich daher nach deren Aufenthaltsorte, um sich über die Sachlage Gewißheit zu verschaffen. Aler hinkam, fand er fünf Knaben, von welchen er erfuhr, baß ihre Eltern mit einigen Juden, unter welchen «in Rabbi war, fortgegangen seien. Czelder fragte die Kinder au- und erhielt von denselben (es sind!'echte Szekler) zur Antwort, daß sie „Juden" seien. Gr drang weiter in sie, gab ihnen Brod, da sie sehe, hungrig waren, und brachte endlich heraus, daß sie katholisch seien.! Die Knaben wollten da-„Baler unser" nicht hersagen, w^il ihnen das» wie sie behaupteten, nicht ertaubt sei. Einer! derselben entschloß sich endlich, aber aler zu Sem Satzej kam: „und führe unnicht in Versuchung", stockte es, und ließ sich nicht bewegen, da- Gebet weiter zu sirrechen. Czelder ließ den Kindern Brod n wenig nach Haufe, ließ aber einen ächler zurück. Ader bald wurde er zu» rückgerufea, den» die Ettern waren mittlerweile mit mehreren Juden, dem Hlabdi und noch einem Functionär dejüdischen Ritus aNgelaagt. Czelder kehrte zurück und geben und ging Land-maän al- Oa- Haudesselben lag an einem Platze, und eerging wahrend de- Sommerdie Polizeiverordnung, daß jeder Hausbesitzer vor feinem Haufe sprengen lassen solle. Eines , Tage» war dies vor dem Haust de» Bankiervernachlässigt 1 worben, und die wohllöbliche Polizei eilte im großen Zorne In da- Hau-, fragte nach den Dienstboten und zankte dies« i mit vielem Lärmen au-. Der Bankier kam aufeinem Comptoir und fragt« nach der Ursache degroßen Lärmen-. „Ei im» , rief der pflichlgetreue Polizist, Herr N., vor Jhrem^Haufe ist nicht gesprengt worden!" — „Nun, ant* ' wertete jener und griff in die Tasche, wabrauchtda so 1 viel Lärmen-, mit einem Vierlelchen Schnaps besprenge ich 1 den ganzen Platz." — Der Polizist verbeugt« sich und! ging davon.! Allgemeine Zeitung de- Judeathnms. Ro. 19- 1866. .Inhalt: Leitende Artikel: Zur Charakteristik de- Tal« , mud» II. — Spender» zur Vollendung der Bibelau-gab« mit großen Typen durch die israelische Bivelaostalt- — Spenden für die Rstßerstiftung. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Penzlin, Frankfurt a. M- Preußen: Bonn, Erfurt, Berlin. Oesterrei« chksch'er Kaiserstaa t: Dien, Wien, Pest,Prag. Dänemark Kopenhagen. Nachtrag. Correspoadenz:Zur neuesten PhasederJudeufragHvGalizien.: Zu beziehen durch jede» Postamt und jede Bachhandlnng. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich % Thaler. Verantwortlicher Redakteur Dr. H. Lohe. Vertag »ob VaBrngtrlBer « vBch-BBdtmrg ls Leipzig. — Druck »ob 9. NreysiBg ia Leiprig.