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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 19 (1866) · p. Seite 75

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
19 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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75 t aicbt jemr passiv« Bezirksvorstrher vor Gericht gestanden, er, der dieses Aerhalte« besprochen, vor dem Forum des Gerichtes stehe.' Es sei zwar natürlich, baß die Journalisten auf -ec äußersten Bresche kämpfen, aber ^aß jener Artikel, der so zahm und ruhig bn-silbe ausspreche, was die Regierung selbst durch die Enthebung d«S Bezirk-vorstehers bestätigt, incriminirt würbe, sei ihm vollkommen unfaßbar. Präsident: Nun, Sie haben ja jetzt Gelegenheit, sich zu rechtfertigen. Der Angeklagte bemerkt weiter, baß diesehaßerfüllte Borgehen gegen die Juden bei ihm als Jude eine ganz besonders nervöse Gereiztheit gefunden, wiewohl übrigens diese Excesse bei der ganzen cisattantischen Presse, bei der ganzen civilisirten Welt schärfste Verdammung gefunden haben. Er sei nie ein Anhänger Sch m e r i^in g' s gewesen, bas sei bewiesen — — Präs.: Ich muß Sie bitten nicht von der Sache ab» zuweichen. * . Angek4.: Ich werde sogleich beweisen, daß. ich nichr von der Sache-adweiche; ich bitte deßhalv den Herrn Präsidenten, mtchi den Satz zu Ende führen zu lassen. Präs.: E< ist meine. Pflicht darüber zu wachen, daß nicht von dem Gegenständiger Verhandlung adgewichen werde. Angekl.: £a££rt)u$J<t) nicht. Ich will nur meiner Ueberzeugung Ausdruck'geben, baß die Excesse politische Gründe hallen; und daß «sn solches Ereigniß unter dem Ministerium Schmerling vielleicht einmal, aber nicht zehn» mal hätte stallfindcn könstrn. das bin ich Herrn Schmei, ling, als meinem politischen Gegn^avtz^rechen schuldig. Präs.: Diese Aufgabe habe« Sie hier'tnchtj bas gehört nicht zur Sache. Angekl.: Ich bitte,He«Präsident,eSgehört zurSache. Präs.: Nein. ' * ' Apgekl.: Ich dttte, Herr Präsident, ich werde gleich die Conrlusion nachwqfcn. Ich will eben sagen, baß Kiese Erctss« hauptsächlich den Trägern deutscher Eultur, begünstigt durch die nationale Regierungs-Politik, galten. Der Angeklagte schließt damit, daß sein Artikel nur eine Kritik, aber keine Anfeindung enthalt». . Der Präsident bemerkt dem Angeklagten, daß in derselben Nummer, welche den inkriminirten Artikel enthalte. ein Auszug aus böhmischen Blättern enthalten sei, welcher erzähle, daß durch Einmarschirung von Regimentern in Schüktenhafen vicl größeres Unglück verhütet wurde. Das sei ja eben ein Gegenbeweis gegen den Inhalt de- Artikels. Angekl.: Dadurch habe ich eben bewiesen, Kß ich unparteilich bin. . Der Artikel wurde zwei vis drei Tage vor dem Erscheinest . des Blattes gefchrieden. Die beruhigenden Mit» theilungen'd'ec TagesblLtter erschienen am Sonal-ge Morgen-, nmb ich nahm sie auf, um meine Leser, welche zum gxöKren Thcile aus meinen Glaubeosgenossea bestehen, zu beschwichtigen. ,, Nachdem der Vertheidiger (Dr. Schidrowitz) je «ine Nummer des „Kikeriki" und des „Tagesboten aus Böhmen" dem Gerichtshöfe vorgekegt. deren ersten carrikirt, letzterer ernst die Anschauungen des incriminirlen Artikelenthalt, beginnen die Plaiboyers. Der Staatsanwalt (Bündsdorf) will, genölhigt durch die Aueführustgrn des Angeklagten, nochmals einen ' Blick auf dir EiÄsse in' Böhmen werfen. Mag auch immerhin ein letzte- AufchHkMt des Fanatismus dabei thätig gewesen sein, die. eigenlffche Quelle derselben lag gewiß nicht, zur Ehre unserer Arik sei es gesagt, in religiösen und auch nicht in politischen, sondern iri jselalen Verhältnissen. „Bis Zor kurzer Zeit,"' so sucht dies der Staatsanz wall zu beweisen, „waren di« Israeliten ßinzig und allein auf den Handel angewiesen, und sie lebten nur vun dem durch Handel erzielten Gewinne. Gewinn aber,", so folgert der Redner weiter, „pflegt den Verlust Anderer vorauszusetzrn. und wenn sich Gewinn' in einer Körperschaft con» cen'trirt, so dringt dies in der verlustkragenden Menge leicht eine gereizte Stimmung hervor, und diese gereizte Stimmung war es, die leider Ausschreitungen vervorrief." •, Nach diesen Ausführungen des Rköners, welch, jeden besitzenden Kaufmann und jeden Befittnden überhaupt" vor den Schrecken des CommuuiSmus rrz1»xrn lassen könnten, geht derselbe daran, den damaligen erhitzten Instand der Gemütster näher zu. erklären, under fi^et dir -'Ursache, in dsn gedrückten Preisen .der arbeitende, Klasse, sowie in der Przidrame'r Sklberaffäire. Urberge! ena zum Inhalte des Artikels, bemerkt ber Vertreter der Slöatsdrhörbe, die Regierung hekhe alles getdan, was ju thpn war; es fei« ihre Maßregeln, di« Truppensenbtingln, das Standrec« u. s. w. von allen Tagesdlätterr. chit Anerkennung begrüßt worden. Wenn die Schütlenho kner Vorgänge zur Entschuldigung angeführt werden, fo müsse entgegnet werden, daß brr Artikel deutlich von sämmlichen Exceffrn spricht'. Dt« Vorwürfe. Pie der Regierung gemacht werben, daß sie bas Gut und Blut ihrer Burgbr gegen rohe Angriffe undeschützt ließ, müssen bei jelem Leser Haß und Verachtung gegen die Regierung hervor ufen. Gerade der Herr Verfasser ab« hätte gut gethan, in dieser Sache nidjt so horzugeffen, wie er vorg,gangen ist. Man mag zugebe«, baß wir noch nid t auf dem Punkte angelangt sind, wo die Abneigung gegen die Juden ganz verlöscht ist. Man muß, ermahnt ^der Staatsanwalt, dieser.Abneigung Ieir geben ganz zu verloschen j so lange sie aber nicht geschwunden, und damit sie finst getilgt werde, ist es guk, vorsichtig zrchsein und nicht zu provociren, wie es der Herr Angetlagre mit seinem Artikel gethan. Zum subjectiven Moment kommend, beruft sich der Redner darauf, daß der Angeklagte -gestanden, er habe den Artikel gelesen und zwar, wie man bereits von ihm gewöhnt fei, erst inp Bürstenabzüge,. Als mildernd könne nur das Gestänbniß des Thars^chlichen angesehen werden, nichr aber die Unbescholtenheit, da sein Blatt schon eine — auf feinen Wunsch odjectivr — Verurrheiltzng erhalten, eine verhängte Strafe in Folge der kaiserlichen Amnestie nicht zur Ausführung gekommen, und erst vor kurzer Zeit abermals eine Verurlheitunz gegen ihn erfolgt fei. Das Ausmaß der Straf« überläßt die Staatsanwaltschaft dem. Gerichtshöfe. Der Äertheidiger Dr. Sch 1 drow^itz nimmt hierauf da- Wort. Im Einklänge mit dem eigetzthümlich nationaljüdischen Kolorit, goelcheS Herr Scharf feiner Verantwortung verlieh, beginnt er mit einer Schilderung des — jüdischen PurimfeueS. Iuc Feier dieses alljährlichen. Fest»- werde eine uraktt/^hronik vorgelesen, in welcher sehr ausführlich uud farbenreich erzählt wird, wie die dereils auf V

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