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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 19 (1866) · p. Seite 76

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
19 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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76 einen bestimmten Tag angesetzte Plünderung und Aus« rollunz der Juden im persischen Reich, unter König Arra» rerpes glücklich vereitelt und der allgewaltige Minister Hanum, der dieselbe besohlen hatte, auf einen fünfzig Ellen hohen Galgen aufgehängt wurde. Oie Juden in Böhmen de, durften heuer, um jene- Fest zu begehen, nicht jene alte. vergilbt« Chronik zu lesen. Sie brauchten blo« Tag für ’ Tag die Zeitung in die Hand zu nehmen, und die Juden in Schüttendofen wußten sogar, gleich ihren Vorfahren 1 in der großen Residenz Susa, an welchem Tage sie ausge» : plündert werden sollten. . ' Der Verthelbiger führr nun auS, daß der iacriminirte ' Artikel nur gegen die Schültenhofener Crceffr gerichtet fei uno polemisirt gegen die Wort« de- Staatsanwalt«. Wenn . derselbe sage, daß jeder Gewinn im Handel Verluste Anderer Noch eme Randglosse zu dem Briese iu Nr. 10 dieses Blattes. Erlau-en^ Sie mir zur Schilderung der Verhältnisse uosr» Glaubensgenossen in dem Städtchen, in welchem die Verfasserin jene- Briefes «lebt, ein «Beispiel eigener Erfahrung aueinem größeren Kreist hinzuzafügen. Sollten die Tharsachrn irgend bezweifelt >ev?röen7^o bin ich bereit, meinen Namen zu nennen. Ich weiß, daß Sie, Herr Redakreur, ungern solche Pseichte in Ihre Blätter aufneh» men, Berichte, die doch nur den Geist der Liebe zu schwächen vermögen, welcher brr Menschheit so sehr Noth lbut. -Ader noch uötdigrr ist e-, die wirtlichen Zustände kennen zu lernen, weil deren Keantniß nicht auf da- Wohl und Weh Vieler einen bedeutenden Einfluß übt, sondern weil sie allein im Stande ist, vorau-setze, so sei die« ein Standpunkt, der schon vor i auf die Heilung von Schäden einzuwirken, die durch ideales 500 Jahren von 4er Wissenschaft überwunden war. Man wiffe, baß der Handel für beide Theile Nutzen biete. Nicht die Silberaffaice von Przibram sei die Ursache der erwähn« tea Vorgänge gewesen, sondern der Jahrhunderte alte Fana« ti-mu- Bödmen-. Die Silberaffaire war höchstender Stein, der den letzten Anstoß gegeben. Der Redner weist sodann auf den Unterschieb zwischen England und Frank« reich hin, wie in elfterem trotz der unverfolgten Junius» briefe dir Achtung vor dem Gesetz« nie gelitten, in Frank» reich dagegen trotz aller energischen und heftig«» Bestrafungen der Presse, 4ie unzufriedene Stimmung de- Volkestetgesiegt, und zieht davon die Nutzanwendung auf den vorliegenden Fall. Indem brr Redner schließlich noch an den Gerichtshof appellirt, daß er in diesem Augenblick« der Verwirrung beo Presse dje Freiheit de; DiScusiron wahre, bebt er für de». Fall' einer trotzdem erfolgenden Qerurthei» lung als Mildernd, "hie heftige^ Gemüty-aufregung de- An» ge klagte» und dessen. Familie ^hervor. Es folgen Replik««» Dupltk, in welch erster» der Staatsanwalt vntrr andern?, «algegn»,'daß er bi, den Handel betreffenden Sätze nur debingullg-tveist gesprochen . und dke vom DtNheidiger angeführten MNderung-gründe nicht.gelten läßt.. ' Befragt, ob » noch etwas hlrrzuzufuge« habe, betheuert Herr Scharf^ baß n über dl«. Jubenhetzr» in Böhmen wirtlich in heftige Gsnrüthsaufrig'uag gerathen sei. Er °kade den Artikel, wenn er ihn auch nicht als Jude Leschrieben, doch -altzJuü e gelesen, und würbe er ihn geschrieben.haben, er w§r« noch schärfer ausgefallen. Das Urth'eil, welche« wir bereits im Adeadblarte mit» getheilt, lautet auf vierzehn Tage mit zweimalig» Sin» zelhaft verschLrftm A»ests, 80 fl. Caütious'» Verlust und Veröffentlichung de« Urtherls nach erfolgter Rechtskraft. Der Derurtheikre meldet die Dthufung an. ' . Oie nationalökonomische Darstellung de« Herrn Staats» aawalt«, nach welcher jeder aus. «hekrchem Berufe gezogene Gewian den Verlust-Feines Andern enthalt^'ist-, wahrlich ganz erstaunlich und kan« wohl nur als kiae Ironie an», gesthen werden. Uebrigens. ist rt jetzt nicht mehr zweffrl» Schwärmen und die schönsten Phrasen nimmer geheilt werden. Einer meiner Söhne hatte bei einem hiesigen achtbaren christlichen Buchhändler seine 4 jährige Lehre bestanden und wurde sodann von demselben als Gehülfe engagkrt, in welcher Stellung ec sich auch augenblicklich noch brfinbet. Der Drang sich in oem von ihm gewählten, für seine künftige Lebensstellung nicht einmal sehe vortheilhaften Be» ruf, weiter auszudilden, machte dm Wunsch in ihm rege, sich um eine and». Stell« umzusehen. Sein Principal unterstützte dieses Streben dadurch, baß er meinem Sohne nicht nur ein vorzügliches, auf Wahrheit beruhendes Zeugniß ausstellle, sondern auch selbst bemühet war, ihm eine, feinen Fähigkeiten angemessene^Stellung zu verschaffen. Er erließ zu diesem Ende eine Annonce in dem „Buchhändler» Börsenblatt«". Bald nach dem Erscheinen derselben, kamen 7 bis 8 Anerbietungen nach einander. Als darauf mein Sohn sich zur Annahme bereit erklärte, scheiterte schließ» lich bgs Engagement an dem Umstande, daß er Jude ist. Man half sich mir leerm, nichtssagenden Ausreden und schob in der Regel das Publikum vor. welches Anstand nehmen würde, sich von einem Juden bedienen zu lassen; «ine Amsterdamer Buchhandlung versteckte ihre Zatolerenz sogar hinter die Landesgesetze, nach welchen man mit 'einem Minorennen keinen gültigen Vertrag adschließen könne. Man muß sich wundern, baß gerade der Buchhänd» lrrftand, bei welchem mau höhere Bildung und Intelligenz vorauszusetzen berechtigt ist, -den »»achteten mittelalterlichen Borurtheilen noch huldigt. i— Trotz seiner Lieb« zu dem von ihm gewählten Beruf, ist mein Sohn nunmehr ge» zwungen sich einem andern Geschäftszweige, wodurch seine Zukünft gesichert ist, zuzuwenden, da ihm jede Aussicht auf «ne'Anstellung adg,schnitten sst. Allgemeine Zerrung des Judenrhums. No. 18. 1866. Inhalt: LeitendeArtikel: Zur Tharalteristik des Tal- »ydl l. Spende« zur Vollendung d» Bibelausgade mit grobe» Typen durch die israelitische Brbelaustalr. — Literarischer Wochenbericht. — ■, Zeitungsnachrichten: Deutschland: Leipzig. Preußpn:Tri», Berlin. Oesterreichischer Kaiserstaat: Dien, Haft, daß die Motive jenes Ercessr na rfMAi * politisch« Ar« -.Evrrespondenz r^leb» die aramäische Sprache und Literatur. gewesen. f ST Zn beziehen durch jede« Postamt und jede Luchhaadlnug. Jährlich A-Thaler, vierteljährlich yA Thal». U' •v Sette« »»» 'S. B»autwvrrUchrr Redactzprr Dr; H. Lotze. s t'< Sachr«»tzt»»« t^vetpriH. — Druck »es ®. Nreosiag i» Lei»,i-.

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