Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 17 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 5)
- Language
- German
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— 71 — der Mensch in seiner Gewalt hak, ist. nach der Geburt so : geschwind als möglich zu sterben." An einer andern i Stelle bet Plutarch erzählt Piadar, baß Apollo den Erbauern »es Tempel« in Delphi als den schönsten Lodn ihres frommen Wertes, den ,Tod verheißen Hab«-! Trefflich find di« Morte, des Cdores bei Sophokles, di« l Plaeen (Stuttgart 1853. 2. Th. 197) so meisterhaft > übersetzte: Nicht gezeugt sein, wäre das beste Schicksal Oder doch früh sterben in zarter Kindheit rc. Denselben Gedanken finden wir auch bei Cicero (Tusku, lan«sche Unlerfrzchungen 1?4S, welcher ebenfalls die mythische Erzählung Fva Si!en aoführt, der dem Midas zurief:' Glicht gedsren sein ist das Beste für den Menschen, das Wßtifthenswürhigste nachher ist sobald als möglich sterben. > Jn^ der griechischen Anthologie tönen uns ebenfalls vl^e fchwrrmüthigen Klage« von vielen Seiten entgegen, z. B.^dgs frühe Tod: < Weine -du nicht, o Mutter, baß ich zu frühe gestorbsN; Kürzet Leben ist ja kurze« verschwundene« Leid. •' * j Doch auch die entgegengesetzte Meinung machte sich oft I geltend und da« Glück und der Werth de« Leben« wurde nach Gebühr gewürdigt. 2" der griechisiH-n Anthologie findet sich nämlich eines der schönsten Gedichte „über das Glück des Lebens", das Herder meisterhaft übertragen hat. - Jedes Leben beglückt. I» Häusern wohnet die Ruhe, Auf dem Lande Genuß, unter Geschäften der Ruhm, Auf dem Meere Gewinn. Sei reich an Habe, so wird dir Ehre; besitzest du nichts, strebe nach Weisheit und Muth. , Lebest du unvermäklt: so lebst du Tage der Freiheit! Nimm dir rin Weib: so baust du Sir rin fröhliches Haus. Kinder freuen und ohne Mühe lebet sich halb nur: Jugend gewahrt dir Kraft, reif,übe Jahre Verstand. Falsch ist also die Wahl, die nicht geboren zu werden Oder zü sterben wünscht. Jegliches Leben beglückt. Dieser Zwiespalt alfq. über den Werth und Unw.'Nh demenschlichen Lebens Ist so al^ wie die Mensch, heit — und die.Griechen haben ihn also mit Recht in mythische Zeitalter verlegt. Kein Wunder, daß derselbe, tegünstigl durct» die unglückliche Periode des Herodes, auch in den Schulen des HiUel und Schammai sich Eingang zu verschaff, n gewußt har, da dies ein Thema 'war, welches alle Philosophen und Denker vom Anbrginnr an desLäfrigte. Falsch und gänzlich unv,gründet ist daher die Ansicht Jost's, Geschichte der Jud.nlvums I. 264, welcher die angeführte Stelle folgendelmapin und etwas hark übersitzt und eigeotdümlich zu erklär.» luchte: ^.Eine Schule behauptete: Es ist für den Menschen besser, »aß er geschnffen ist. als es wäre, wenn er gar nrwr geschaffen worden. Die ander« dagegen behauptete: E« wäre besser gewesen, daß der Mensch nicht geschaffen worden wäre, >u« *» ist, da er geschaff.n worden. Zuletzt wurde in einer Beelammlung darüber adg,stimmt und die letztere Fassung geviUigl mu d.m Zusätze: Run er aber da ist, sei er sedr sorgfältig in «einen Handlungen. Uns will scheinen, vaß diesir Streit erst nach der Entltedung des Cvrir stralhum« die Pdari'ärr beschäftigte u. s. w. Der Sinn jenes Streites ist unserer Ansicht nach, in dem Begr'st der Erd, sü n de zu suchen, den die Radbintn auch kannten. Die eine Schule meinte dann, der Mensch fei durch die Erbsünde dem Unheil verfallen oder mindestens kaum im Stande sich ihrer Wirkung zu entwinden;j die andere aber de» hauptrre im Grgentheil, sie sei der Sporn zur Selbst, rechtferkigung wirch gute Wrkkr, und!d«r Mensch sei daher geschaffen, um seine Seligkeit durch ffch selbst zu erringen." Umsonst zwingt sich Jost, diese« philosophischen Streit der Schulen dogmatisch zu erkläret, ha dieser Streit, wie wir gesehen, von den Griechen bereits lebhaft geführt wurde, denen bi« Idee der Erbsünde gänzlich fremd war. Uederhaupt ist es durchaus falsch, d rß die Rabbinen die Lehre der Erbsünde in dem Smn , wie das Christen, rhum dieseib« ausstrllt, kannten. Wot l finden sich Spuren bei den spätem Talwudiftrn, Amoraim, von dieser Lehre, aber diesild« ist himmelweit von der schroffen Ansicht de» ChrlsttMhums verschieben. Die Lehie des Paulus von der Erbsünde kennt baS Judrnthum üicht! Di« Rabbinen behaupten, dgß der durch di« Sünde Adams an dem Menschen haftende Unflacd (d. h. Mak l) durch die Offenbar'Lng auf dem Berge Sinai gleichsam weggewäschen wurde. Mit der Offenbarung, wo der Menswbeit die Pforten de» Hrils und kes Paradieses wiederum gföffnet «urber^wurde die Sünde Adams mit allen ihren traurigen Folgen ^knzlich gesühnt. S. Sadbath 146 und Jewa daselbst: .«37m na;'Bn rtin i re:D *'na. inamr ^vv 'a'v .jrarrt ipce ab 'a'v -n da» ney Daß diese Stelle nur äußerlich n il der Idee der Erd sünde verwandt ist, muß Jedermann aller Parallelstellen zugeben, und für Erbsünde «na hv aanir hat m griffe gar wenig gemein. Bon einem brr di« Sünde des Ersten sühnen m Spur bei den Rabbinen zu finden ünd noch viel weniger im Zeitalter des Hillel und Schamnzai, die vor Christus blüheten.*) norh 103 und Rasch» v cn: «2« wo: r, nayo ia-i«' bei genauer Prüfung selbst der Ausdruck t dem christlichen Be» zweiten Adam aber, tß, ist nirgends eine Fragen und Anl» orten. 15. O. in S. Gestattet dar Mischehen bei den Juden, ohne baß seiner Kirche oder Synagoge auszu cheiben braucht, und wenn eine solche Erklärung vor Ge« gesetz vom 30./3.47 abgegeben wrrd Rel.-G»m. gezwungen, den aus solcher Ehre «nt» prruß. Staatsbesitz kiner der Gatten au« cht laut Dissibenten, n muß, ist die jüd. »den, wie Religions, d«S Geistlichen bei sprossenea Kindern die Rechte eines £ Unterricht, Grabstätten, Zuziehung Eibrsverwarnung rc. zu gewähren- Nach Lageder preußischen Gesepgebung kann in den sich» östlichen Provinzen eia« Mischehe nicht statlfinden, da für den christlichen Tbril di« Ctvilehr dort Weber odli, garorisch noch fakultativ besteht,- eiy christlicher Geistlicher aber die Ehe eines Christen mit einer Jüdin oder eines Juden mir einer Christin nicht «lnsignen wird; die Trauung eine» jüdischen Gristlrcden, wenq sich hierzu ein solcher geneigt finden würbe, ohne Civileh« keine bürgerliche Gültig» keil dar. — Was die zweite Frage pndeki'ffk, so kann un, *) lieber die qu. Stelle Trub. 13, 2. haben wir die Abficht, nächsten» ausführlich un» auszujprechea. Di« Redaktion.