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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 17 (1866) · p. Seite 70

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
17 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 70 (sequence 4)
Language
German
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zwecke bi« Gemeinde focticdbrcnb in Anspruch. Ei naue Angabe über b«a Betrag der Synagogen - Wohlthätigkett ist schwer zu ermitteln; indes baden zwei' Rahviarn, mit denen ich mich über den Gegenstand der sprach, versichert, vaß dieselbe durchschnittlich das Doppelte der Sitzrenre ist, so daß ein Jude, der neun Pfund ijähr« sich für den Sitz bezahlt, im ganzen kaum weNigf* als i n. tn die Svnagoge entrichret.! Wenn nun di« Synagogen-Almosen bei der jüdischen' Mittelklasse den Haupttheil dessen bilden, was ßjfür Wohlthärigkeit verausgabt, lo giebt es andererseits! eine große'Anzahl, die an wohlthätige Institute und pnbatim 'O bedeutende Summen spenden, daß ihre Leistung«^ im Gotteshause dagegen verschwinden.! i Bei »einer so sparsamen und nüchternen Bevölkerung wie die Londoner Juden darf man billig fragen, ^voher woHH die NÜhwendigkeit einer so riesigen MilorHaiigkeit entspringe. Man siebt ja keine jüdischen Bettler ip den Straßen, und überdies genießen die Juden bei uns die Wohlrhat der Arm,ngesetze-zugleich mir allen anderen Bekenntnissen. Oie Beantwortung dieser Frage, erfordert einige Aus» fuvrlichkeit. Nichts.'ist schwieriger als von den Lüben genaue statistische ^Angaben zu erhalten; in diesem Punkte;.-tüt 0er jüdische Charakter einen seltsamen Widerspruch. G.ubre und fertige Rechner, wie sie sind, zeigen sie sich unfähig über ihre Anzahl in London einen nur einiger« maßen richtigen Begriff zu geben. Ob. dies ein Ueberrest ihrer uralten Abneigung gegen Volkszählungen ist, lassen wir dahin gestellt: sicher ist nur, daß noch jetzt ein solch Bedenken bei ihnen thatiachlich vorherrscht.') Nicht als oh sie unwillig wären, Aufschlüsse zu geben; im Gegen« thcil: mit unvergleichlicher Artigkeit unterstützten sie unsere Nachforschungen mkk jeder Belehrung, die sie . nur selbst belaßen. Allein die Abweichung zwischen ihren verschiedenen Angaden war auffallend, und nur durch Vergleichung mit statistischen Bemerkungen auS amtlicher Quelle konnten wir uns eine Meinung bilden. Zur Vermeidung jeder Uederlreidung haben wir nun dir niedrigste Zahl angenommen; und auch alSdann erscheint der Londoner Jude als das wohltdättgste Welen, daS wir je kennen gelernt, in keinem Welttheike, von keinem Bekenntnisse ühertrgffen, ja kaum erreicht. Die jüdisch« Bevölkerung Londons, obgleich zum großen!.-e:l schwanken>,^ühLrsteigt nicht wohl 40,000, von denen nicht weniger als em KünftHeil. nach manchen Angaben noch weit mehr ^mittelbar ober unmittelbar von der Unterstützung der Uedrigen adhängen. Dabei muß man erwägen, baß cme groß« Anzahl eben zrur so viel bat, um nicht für arm 'zu gelten, so daß si, den Reichen zwar nicht zur Last fallen, andererseits aber auch sehr wenig zur Unterstützung vieler Dürftigen, beirragerf. Forts, folgt.) ' Denn dem >'e wäre, bann würden die jüdischen Angaben deck nicht regelmäßig größer sein al» die der chriftuckeitt Lkaristiter. Dü könnten den Borwurf umkehren und bvbauptjn, daß (fiten eine ftarmi'che Lngab«. der Anzahl der Juten 'Gerechtigkeit wiederiadren läßt. Der Herr Recakleur diese- Blaktebat vier in einer eig neu Lckrisl nachgewieieu: „Die sich'der Slari- -liker Hesmann rc. verrechnet." Luch in vorliegend.», Falle .rächten wir die Angabe von 4O,»iU0 für die Londoner Zudragemeinde alviel zu gering genommen.! 8" Pcrqfeichcnde Studien Äber derpTalmud. Bcps Rabbiner L. Qp über« zu Gr. Bec-kerek. ('Forts, tzung.) Düster« ösdrnsanschauun^ Das allgemeine Umsichgreifen einer düster« LebenSan, ' schauung ist gewöhnlich ein trübes Zeichen detiefen Verfalles deSVolkeS und des Staates. Unglücklich, Zeiten und Epochen rufen fast immer solche bitter« Klagen hervor, die ein Ausdruck der Verzweiflung und der Hoffnungslosigkeit sind. „Und fab ich wiederum, kurt der Prediger, 4. ff. all die Unterdrückungen, welche verübt worden unter der .'S Sonne u. s. w.: da pries ick glücklicher die Tobten, längst gestorben, alS die Lebenden, die noch am Leben. Und glücklicher -als beide, wcr noch gar nichl gewordcn. der nicht gesehen daS böse Thun, welches geschieht unter der' Sonne." — Philosophische Betrachtungen über den Werth und Ünwerth des Lebens sind meist Svmpkome des nahenden Unterganges des Staates und der nationalen Selbstständigkeit. Unter der blutigen und tyrannischen Herrschaft des Herodes wurde auch zwischen den Schulen de- Hillel und Schammai diese Streitfrage behandelt und die Mehrheit neigte sich m,t Resignation, wie es unterden damaligen politischen Verhältnissen gar.nicht anberck denkbar ist, der Meinung zu, daß es dem Menschen besser sei gar nicht geschaffen geworden zu sein. Erudin 13; *pin: narran v'dv '3 irv r«-2: re:i2 sin; : nr: —5« irrn, 7731 22 «rra “n-’ «“2:2 llneer 12 rr: 1^5« .«12:25 T" t«*3: re:'2 i'r rrs •naa’i 7353 .«-2: .7'2?52 2C2C N'312 a'BJP, «12:25 Sonderbar genug finden wir gerade bei den Griechen mii ihren heikern Ledensanschauungen, mit ihrem offenen empfänglichen Sinne für alles Schöne, Edle und Gute am häufigsten die Ansicht volherrschen, daß das Leben bas größt« Unglück, und Nichtgeborensein das größte Glück fei. In dem köstlichen „Trost sch re i b en a n A p 0 l l on i us" des Pkutarch finden wir hierüber die Meinungen der Griechen gesammelt, welche also den besten Cominentar zu dem philo» fophischeo Streit der beiden Schulen drS Schammai und Hillel bieten. — „Nicht jetzt erst, heißt e« daselbst, -sagt Krantor, sondern schon in den ältesten Zeiten ist brr Zustand der Menschen von vielen weisen Männern beweint worden, die das Leben für eine Straf, und die Mrnfchenwecdung für das allergrößte Unglück hielten. Even dies bar auch nach der Erzählung des Aristoteles der gefangene Silen dem MidaS zu erkennen gegeben. Nicht geboren zu werden fei das allerbeste, ünd sterben sei besser als leben. MidaS, so er, zahlt man, hatte den Silen gefangen und fragte ihn mit vieler Zudringlichkeit, waS für die Menschen da« Beste und Wünfchenswerlheste sei? Silen gab ihm gezwungener Weise bijse Antwort: Vergänglicher Same eines kummer- und unglücksvollen Schicksals! Warum zwingt ihr mich zu sagen, was nicht zu wissen viel heilsamer wäre? Der führt das harmloseste Leben, der sein Unglück nicht kennt. Wisset denn, für die Menschheit ist bas allerbeste, nie ge. geboren zu werden, und nie an der Natur de« Vollkommensten Antheit zu nehmen, für alle, Männer und Weiber, ist es das Beste, gar nickt geboren zu werden. Das nächste nach diesem' und das erste unter den Dingen, die

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