Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 17 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 6)
- Language
- German
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möglich die Gemeind« gezwungen werden, die Kinder eine« Individuum«, da« vor Gericht seinen Austritt au« dem Judenthum erklärt hat, dl« Juden zu betrachten und ihnen die religiösen Beneficiea zukommen zu lassen, so lange die Eltern, wa« ihnen ja völlig frei steht, Nicht er» klart baden, baß ihre Kinder ak« Juden erzogen werden sollen, welche Erklärung für die Knaben mit der Be» schneibung, für die Mädchen mit der Beilegung eine« Namen« in .der Synagoge verbunden sein muß. Berstehen sich die Eltern hierzu, so ist e« die Pflich t der Gemeinde, kein Hinderniß zu erheben; verstehen sie sich nicht dazu, so kann gesetzlich kein Zwang stattfiaden, die jüdische Gemeinde zu irgend einer religiösen Handlung für jene Kinder anzuhalten. Sind etwa die Kinder schon majorenn, so versteht e« sich, baß bi« Erklärung und Mitwirkung der Eltern nicht notdwendig ist, sondern» der förmliche Ueber» tritt jener zum Judenthum stattfinden muß. 16. C. in A. „Ist e« erlaubt seinen verstorbenes Eiterndem Grabmal zu fetzen, selbst, wenn diese« da« erste auf dem betreffenden Friedhofe wäre?" — Wir wissen sehr wohl, war dieser Frage zu Gründe liegt: daß nämlich altgläubische Menschen meinen, e« sei «ine Beschämung (rrcra) für die anderen Tobten, die keinen Grabstein haben, wenn ein Grab einen solchen erhält. So sehr wir nun di« Pietät gegen unsere Verstorbenen zu schätzen wissen, so ist sie doch in diesem Falle übel angebracht, da sie der viel wichtigern Pietät gegen di« Eltern und der Pflicht, deren Grad mit einem Gedenkstein zu ehren, entgegenrcitt, und alle auf diesem Fried« ho'e zu Beerdigenden verurtheilt, ohne Grabstein zu fein. Wir meinen, daß e« vielmehr ein« Beschämung der Uederlebenden, da« Opfer selbst für eine kleine Mazewah nicht getragen zu haben, al« der Tobten ist. Wir erinnern un«, daß eine ganz gleiche Frage schon vor Jahren au« einem westphälischen Flecken an un« gekommen und in diesem Blatte beantwortet ist. Wir rietben bamal« de» Fragesteller, um jenem Vorurtbeile zu begegnen, den Grabstein zu setzen und zugleich einen Zaun um den kleinen Friedhof ziehen zu lassen, wodurch dir" „Beschämung" durch eme äquivalente „Ehre" aufgehoben würde. Er tbat dies auch. Aebnlich rathe ich der betreffenden Dam« umsomehr, da hierdurch ihrer Eltem Grab und Grabstein sicher gestell» werben. 17. S. E. in G. .E« wird hier noch die Sitkt« deodachrel, den Sarg am Rande de« Grabe« vor der Einrenkung noch einmal zu öffnen, and sich an der Reiche allerhand zu schaffen zu machen. Wie viele Unzukömmlichkeiten die« habe, brauche ich nicht mehr au«einandrr;ufetzen, und auf mein Andringrn, diesen Mißbrauch adzuschaffen, antwortet man: E« ist doch immer so -«schehen, ebne zu berücksichtigen, wie viel hinsichtlich der Beerdigung bei un« bereit« üeändert worden. Darf ich wohl. um Mittdeilung ihrer Meinung hierüber bitten? Auch ich sehe die« al« eine Unsitte an, die «her eine! Entweihung al« eia« Pietät für den Tobten ist. Ich erinnere;. B. an die früher destaubene Vorschrift da« Gesicht der Leiche eine« Armen mit einem Tuche zu bedecken, damit man die Spuren der Nord und de« Elend« nicht auf ihm zu entdecken glauben könne. Für unbetheiligte Zuschauer bietet e« eine Befriedigung ihrer Neugierde, für die Verwandten «in abermalige« Zerreißen ihre« Herzen«. Dadei ist e« irrig zu sagen, daß e« immer so geschehen, da e« doch nur erst seitdem geschieht, daß sich die Juden der vollständigen und bereit« verfertigten Sarge bedienen, während früher die Bretter erst auf dem Friedhof« zurecht gemacht wurden. Man meint, daß sich bei dem Transport der Leiche manche« verschoben haben könne, und e« müsse dem Todten sein Recht geschehen, indem ec noch einmal einer Revision unterzogen werde. Ader auch bei dem Eiasenken de« Sarge« verschiebt sich manches, weßhalb e« an einigen Orten Sitte ist, baß nach der Einsentung ein« Leiter in da« Grab herabgelassen wird. Jemand hiauntersteigt, den Deckel aufnimmt, sich an der Leiche zufchaffen macht, den Deckel wieder darauflegt, und die Nägel in die Löcher desselben steckt. Wie viele Unannehmlichkeiten dabei verkommen^. B. daß die Kleider de« Heruntergestiegenen mit in den Sarg eingeklemmt werden, daß die Leiter noch einmal herunter gelassen wird, um ihm au« dem Grabe heraufzuhelfen u. s. w. kann man sich leicht vorstellen. E« ist sicherlich genug geschehen, wenn im Teauerhause selbst vor dem Beginn de« Leichenbegängnisse« der Sarg noch einmal geöffnet, die Leiche, wo etwa« mangeln sollte, zurecht gelegt, und dann der Deckel für immer geschlossen wird. E« ist die« schoa^ßhald zu empfehlen, um sich uoch einmal von der Gewißbeit de« Tobe« zu überzeugen. Weiter ist nicht« 'nöthig; und so wird e« auch bereit« in vielen Gemeinden gehalten, denen man zu große Neigung für Reolvgie nicht vorwerfen kann. Anecdote. Wir lesen in einem Hamburger Blatt: Dieser Tag» kam eia polnischer Jude al« „Schnorrer" zu einem unserer größten Produkt,nhändler und bat um ein kleine« Almosen wobei er behauptet«, von der in Frankfurt verheiratheten Tochter jene« Kaufmannes an ihren Daker in Hamburg „empfohlen" zu sein. „Ach was," aief der schon oft Getäuschte, „Sie sollen, eine Kleinigkeit haben, aber kommen Sie mir nicht mit solchen Flausen." — „Was Flausen?" rief schwer-entrüstet der Schnorrer. „Sie glauben, ich kenne Jhre Tochler nicht? Bitte, telegraphi'ren Sie gleich auf meine Kosten nach Frankfurt — dann werden Sie sehen, ob» wahr ist!" Allgemeine Zeitung de» Iudenthum». No. 17. 18<'.6..U Inhalt: Leirende.Artikel:LiterarischerWcchenberichk. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Au» Süddeutscblaud. Au» dem Hannoverschen. Preußen: Berlin. OesterreichischerKaiserstaat: Au«Böhmen, WaraSdin, Wien, Prag. Frankreich:Pari». D onauiürst enth üm.er: Bukarest,Bukarest. Türkei: äoustautinopet.'Ä m e r i k a': New - Jork. Nack» trag. +■ Lorrespoudenz: Briefe über jüdische Gemeinden in Ungarn. JUC Za beziehen durch jede» Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thalrr, vieneljährlich Thaler. Verantwortlicher Redacteur Dr. H. Lotz«. Verlag vo* Baumgartner'» BuLtamdlnng in tieiv.iz — Druck von <9. Sidjfing in Leipzig