Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 14 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 2)
- Language
- German
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54 Stadt fri rlicb beerdigt und alle seine Papiere unter Siegel und bei b m Friedensrichter nirderlegk. Als daher MosiS Kolbau ni it seinen Vollmachten, Zeugnissen und Empfehlungen, di! von einem vereidigten Translator inS Englische Überützl n aren, nach Whilehaven kam, wurde er alS Brüher des Erblasers sehr freundlich ausgenommen, und ihm und 'einem R chcSbeistaade das ungeheure Packet Schriften übergeben. Sie durchsuchten und prüften Alles genau, kanten ater Nichts, was sie dem ersehnten Ziele naher fuhren {o inte. Es waren Handelsbücher, Correspondrnzen, Vertrage, Rechnungen und dergl. und lauteten sämmtlich auf den. Namen John Jackson. Da zuletzt /ließ man 'auf ein I leine« versiegeltes Päckchen, al« sie eS geöffnet, befand si ) basin — ein kleines zer.'eseneS Gedetbüchlein in dedräi cher Sprache. Auf dem Blatt« vor dem Titel standen i i« Worte in jüdisch-deutscher Schrift: „Dieses Siddurch n ist ein Geschenk meines tbeuren Vaters Israel Sohr Moses crn zu meiner 15. r-Mizwah. Es dar mich degl nur wenie ibm die werden im Him wenn die Sobn IS Schrrrt : Die nunmehr ö.r Bru und auf die AuS; seinem orrcS füi nun von ket auf allen meinen Wanderungen, und es vergingen e Tage meine« vielgeprüften Lebens, wo ich nichtaus Gebere gelesen. So soll «S auch von mir gehalten d s zum Ende meines Lebens, denn mein Gort ifel weiß, daß ich a'S Jehudi lebe und steroe, Menschen mich auL nicht dafür chalten Ahron, ael-" Darunter standen die Worte in englischer Zodn Jackson in Whilehaven, den u. s. w. dache: war nun aufgeklärt. Mit Leichtigkeit wurde ' nachgewiei'en, daß Moses Israel de« Schneider ec und rechtmäßige Erbe des Verstorbenen sei Grund der Vollmacht desselben erfolgte alsbald Klung der Erbschaft. Moi'eS Kolbau segnete kn Kerzen den ehrwürdigen Rabbi seines Heimathsden weiten Rath, den ec gegeben, und der idn der bitteren Enttäuschung schützte. Aber um > der Wahrheit das Steuer zu geben, müssen wir bemerken, Schneide Gabe de! sich gan allein al, ec überh der!l Vo der Zeit stehender daß gebracht suchen, nicht zu mit alled einstimn te Judentbl auch di Unrichri ke liai gen lg md lhun es mit Vergnügen, daß auch Moses > , als sein Namensv.lt.r glücklich mit der reichen Geschickes zurückgekehrt war, mit seiner Halste ' zufrieden fühlte. Betrug sie doch mehr, nicht ■ er je zü hoffen so kühn war, sondern auck mehr als upk von irdischen Gütern einen Begriff gehabt.. Tie Louüoncr Juden. Äue- :cm EnglifLen brS William Gilbert von H. Zirnterf. bemerkung des Uebersetzers. — In Nr. 26. . b. Judenlh. v. vor. I. ward -auf den nach- Aufsatz dingewiesrn und der Wunsch außge,pI0chen, lde dem deutschen Leser durch Uederfetzung nahe werde. Indem wir eine solche Uedertragüng verstauben wir den Lesern jenseits d«S CanalS eine, verachtende Gase zw bieten. Nicht als ob wir j Aeußerüngen und Ansichten beS-Verfassers übern; wie fast jede größere Aebeft über Juden und! m,'die aus nichtjusischer Feder fließt, so «rtdäft/ vorliegende Schilderung eine .Lute Anzahl von ‘-itfn und Verkehrtheiten gegen die wir nichkernst« pcolesiiren können. Was ab^r den Aufsatz von ähnlichen Machwerken rühmlich unterscheidet und uns auch gegen seine Fehler milder stimmt, bas 'ift die unverkennbare Wahrnehmung, daß wir es hier mit einem ernsten um historische Wahrheit bemühten Manne zu thun haben, der sich nur in den Wegen und Mitteln zuweilen verfehlt. In einigen Auswüchsen und Mißuriheilen erkennen wir lediglich jene insularische Beschränktheit, die man nun ein: mal in den Kaufnehmen muß, so oft Engländer über das ihnen Fernliegende urtbeilen; und der Deutsche mag sich dabei ebenso sehr abgestoßen fühlen als der Jude. — In dem vorliegenden Gemälde wechseln Licht und Lchatren aufs lebhafteste mit einander ab. Das Lob erglänzt in den heitern Tinten des Wohlwollens; allein der Tadel lagert sich in breiten Särallen um das Gesammtbild. Wir haben v^n der Anerkennung freudige Vormerkung genommen; doch die schwere Rüge hat uns die Würdigung des Ganzen nicht verlerden können. Gottlob, die Zeit istvorbei, wo Vas unliebsam Wahr» in der Darstellung jüdischer Verhältnisse daS Licht scheuen muß, weil Verfolgung und Verkennung an.der klaren Flamme so leicht ihre düstere Fackel entzünden könnten. DaS Juvenrhum im Ganzen und Großen har sich bei der Welt jenen Grad historischer Anerkennung doch wohl errungen, daß eS ohne Beschämung eingestehen darf, von dem Gesetze menschlicher Unvollkommenheit nicht ausgenommen zu fein. Wir haben nichts Wesentliches weggelassen, uns jedoch erlaubt, die etwas breite und weitschweifige Fassung des Dcig'nals zuweilen etwas zusammen zu drängen. Die wenigen beigegebenen Anmerkungen sind theilS zur Begründung unserer abweichenden Ansicht,- lheils vorzugsweise zum Gebrauch für den deutschen Leser bestimmt. Manchester. Der Uebersetzer. ES ist von nicht englischen Schriftstellern bei mehr als einem Anlasse bemerkt worden, daß der Engländer als solcher zwar großen Genuß in der Lektüre jener Bücher, sinder, welche die Sitten und Gewohnheiten entlegener Völker deschceilvn, so daß er über jeden Widerspruch und jede Unwahrscheinlichreit, die ihm darin aufstoßen, eine strenge Kritik übt, wahrend er andrerseits oft an Gegenständen von weil größerem Interesse achtlos vorüdergehr, die sich seiner Beobachtung in unmittelbarer Nähe darbielen. Wenn dieser Vorwurf etwas Wahres hat, so ist er ganz besonders ' anwendbar auf die Unwissenheit, in welchem Do« englische Publicum im Ganzen und Großen sich noch in Beziehung auf alles befindet, was ihre jüdischen Mitbürger betrifft. In England har die herkömmliche Anschauung sich über drei Typen des jüdischen Wesens geeinigt, die alle dem wirklichen Vordilde so unähnlich als möglich sind. Da ist erstens der Bühnenjude: schmutzig, buckelig und meistens zerlumpt, erscheint er mit struppigem, ungekämmtem Haar und^ langen, verworrenen Locken. Seine gewöhnliche Anrede ist: „liperr Hehrr!" (rny tear) er spricht ein gräuliches Englisch und £m Hauptmerkmal scheint die Abwesenheit aller Wahrheit und Redlichkeit zu sein. Dann haben wir'zweitens den Juden im großen Stil, welchen Discaeli «rfustden — wir gebrauchen absichtlich dies Wort; — denn dieser beobachtete zuerst feine eigene Natur sorgfältig und übertrug seine persönlichen Eigenschaften und Vorzüge auf di« Schilderung feines