Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 13 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
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50 Liebe nährt , der erdrückt, die Hinneigung zu Zorn, Haß und Rach« sc-wacht oder stärkt. Hier muß man sich nur in Acht neh denS nach de bedeutend v alle anderen : aen, die mannigfaltigen Gestaltungen des Liekimmtcm Schema und logischen Folgerungen, beurtheilen zir wollen. Denn da die Bedingungen der menschlic >cn Seele so sehr verschieden sind, erstehen auS demfrlber Grunde oft die entgegengesetztesten Wstkungen. Si' grdrN in Ihrem Briefe selbst, eia Beisp el hiervon. Dem wenn Ihre Tanke, die Eie so sehr verebr n und zu verekren so gerechte Veranlassung haben, vondcr großen Täuibung, di« sie erfahren, nur um. so liebevoller und nachsich iger, sanfcmüthiger und freundlicher gestimmt worden, so ge chah dies vielleicht,.weil vor jener großen Erfahrung ihres kt i>ens alle anderen Erscheinungen ihr klein und usirkamen, vor jenem tiefergreifenden Schmede Unbilden.des Lebens ihc-nur geringfügig dünken, die daher le chl zu ertragen, und mit Milde abzuwendien und zu beur heilen sind. ‘ Sie der lfea sich zuletzt auf den Judenhaß, von welchem so manche ' ktunde Ihrer sonst ungetrübten Jugend verbittert wird. Lassen Sie mich .auch hierüber einige Worte sagen. Es giebt große historische Geschicke, welche mit außecordentl ch>p Tragik ganze Doikerstamme betreffen und niederbeugen Unter solchem Joche leiden dann auch die Jndividiuen, ebne daß sic irgend eine Schuld trüZen, Ija ohne baß si« irgend eine Veranlassung dazu gäben. Sie baden dann dieses Leid als ein Erde ihrer Väter ruhig 'zu ertragen unl müssen ihre Entschädigung anderswo suchen. Ich brauch« Ihnen wohl aus der Geschichte Beispiele nicht anzuführen. Jede Nation, die von ihre^ Hohe d.rabsinEt, welche die 2 eure eines brutalen Siegers, welche von ihrem Grund und Boden, aus ihrem Eigenthum verdrängt wird, hat oft noch in langen Geschlechtern die traurigen Folgen zu tragen. Es wäre aber ungerecht von diesen Nachkommen, wenn sie ar s diesen Unbilden «inen Schluß,auf die ganze Menschbeir, auf die ganze Weltgeschichte, und hiermit auf die göttlich! Vorsehung selbst zu ziehen wagten. Nicht einmal die lbkommlinge jener Sieger selbst, wenn sie Ich in den erer ten Dortheilen und Vorurtheilen erhalten/stnd allzuscharf za beurtheilen. Sie kennen sehr edle Menschen, ja selbst gc> ße Geister sein, ohne daß sie sich der mit her Muttrcmilll einzesoaenen Antipathien zu erwehren vermögen. Di' Gewohnheit führt ein zähes elastisches Scepter. WaS jene nachfolgenden Geschlechter des harlbctroffeüen Volksstamnes zu thun haben? unermüdlich zu ringen, jene Vorur heile Lügen zu strafen, jene Ungerechtigkeiten als solche e kennbar zu machen, und, ohne sich von taustnd» fach vergebl chen Bemühungen abschrtcken zu lassen, durch ihre Hand! ngSweise sich eines besseren Looses würdig zu zeigen. D cse allgemeinen Satz« wollen Sie, mein Fräulein, auch uf di« Vorurtheile und Gehäßigkeit anwenden, unter welch rn auch wir Juden noch immerzu leiden haben. Uebersrhen kie ja nicht, um wie Vieles es besser geworden. Aus blutig r Verfolgung und Mißhandlung schwächte sich zuerst unse trauriges Geschick zu Ausschließung und Verhöhnung cd; auch, diese wichen und minderten sich zur geselligen! lnbuldsamkeit. Glauben Sie, daß auch diese nicht nach und nach sich verringern werde? Wenigstens ist s an viele i Orten dahin gekommen, daß von Ausschließung ' lichen' Familienverkehr handelt. ' Hier aber wirb wohl! die Scheidewand nicht leicht fallen, und auch nicht falle« ' können. Wie Bildung, Stand und Besitz einmal trennende * Momente in geselligem Verkehr unter den Menschen sind, 1 so aürk die Religion, und man sieht oft gerrug, baß z. B. Katholiken und Protestanten auch nicht wir einander in engen^ Derkebr treten. An Orlen, wo der Glaubensge» ' nossen viele und von den verschiedenen Schichten genug ^lebe«, macht sich rin solcher Mangel am geselligen Verkehr .aus konfei'sionnellen Beziehungen nicht sehr fühlbar. Ec wird nur da hart, wo er wegen allzu geringer Anzahl : der Glaubensgenossen zu geselliger Jsolirung wird. Ich! habe' Ihnen hiermit die Unannehmlichkeiten Ihrer Lage nicht wegbisputirrn wollen, sondern nur gezeigt, daß Sie! daraus keinen Borwurf für die ganze Menschheit machen dürfen. Ihr jugendliches Her; soll von solcher Bitterkeit frei bleiben ober werden, denn wahrlich der unerschülter» ° liche Glaube an di, Menschheit ist ein allzureicher Ouell edelster und beglückenbster Empfindungen, als daß wir ihn in. unS versiegen lassen sollten. Hallen Sie sich, mein Fräulein, an die Vorschriften unserrr heiligen Schrift. Sie kennen das große Gebot derselben: „Hasse deinen Bruder nicht in deinem Herzen; du kannst ihm zwar Verweise geben, wenn er dich beleidigt hat, trage ihm aber sein Vergehen nicht nach; du sollst dich nicht rächen und keinen Zorn nachhalten. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst; ich bin t>Tt? Ewige." (3. Mos. 19. 17. 18.) der Juden als solcher aus Vereinen, Clubs u. f. w. nicht mehr die i kede ist, so daß es^sich nur noch um den eigear- Wer. ist der Rechte? In dem Wecken B. in Kurhrssrn wohnt seit Jahrhunderten eine zi'emlichs^Anzabl von Juden, welche vor zwei Jahrzehendea als in der Zeit, in welcher, das Folgende vsrsiel, eine Gemeinde noch so recht nach altem Schrot ’ 'and Korne bilderen. | Eines Nachmittags wanberte der Landbrkefbol« mit seiner Ledertasche dem Flecken zu und war demselben schon ganz nahe, als ein Bursche von etwa zwölf Jahren auS : der Straße ihm «ntgegenkam. Alsbald redete der Bore den Knaben an: „Du da. Junge, ich Hab' da einen Brief ' an einen von Euren Leuten, an MofeS Israel, kannst | Du mir sagen, wo*«r wohnt? Ich habe den Mann noch . nicht nennen hören."! Der Knabe sah ihn mir seinen klugen^ Augen an, j dachte einige Augenblicke nach und erwiedert» dann: „Moses Jsrars, den kenne ich nicht, der ist nicht bei unS zu finden. ' Marren Sie einmal, wir haben eine Menge Moses, da ist MostS Schneider, Moses Kolbau, Moses. . „Ei, laß mich mit all' deinen Mosessen und den Propheten. Moses Israel will ich wissen!" — Auf diese unwillige Ansprache wurde auch dev Knabe ärgerlich und erwiederte-. „Nun, dann suchen Sie ihn sich selbst." Damit wandt« er sich und lief fort. Der Bote wandert« brummend in den Flecken hinein, gab bald hier, bald dort die wenigen Brief« ab, die damals noch nach einer so abseits liegenden Ortschaft einiiefe», und stand dann mit dem Briefe an Mosts Israel aus der Straße, alS eia ihm bekannter Mann langsam und würde»