Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 13 (1866)
- Date
- 1866-01-01
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- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksblatt Zur ijelehrung und Anterhaktung aus jüdischem * Hrrau-gegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. gekiete. [91o. 13. 1866.] Vvv vieler Zeitlrdriil eeiaeiul «VSevllick nv» «v»mer. Prei« de« Jade» gaag« » Lbi». «ieneljädn« 1!< Rgr. Mle «»»Vavelaageu. Poftämrer ' und Aei»»»,«rr»rditro»xv »ebinx« Vestelluugru au. rg. 1. Hunrtsl. Liebe oder Haß.; Siu Brief und eine Antwort 2. Di« Antwort. Mein Fräulein! Wenn meinem guten Willen, Ihnen auf Jdren liebenswürdigen Brief zu antworten, TW Befähigung, Ihre Frag« zu losen, gleichtäme, so würben Sie sicherlich befriedigt werden. Allein die letztere beruht auf einem jener großen Rathsrl, welche die unergründliche Schöpfung Gottes dem Menschen gestellt, und von denen nicht wenige in der gehetmnißvollen Tiefe der Menschennatur selbst liegen. So wie Sie werden die Menschen fragen, so lange sie auf der Rinde diese- Erdballwandeln; sie «erden so fragen, sobald' sie ihren Blick auf den bunten Wechsel der äußeren Erscheinungen nur, auf da-, waihnen altägliche Erfahrung vor di« Augen tritt, blicken. Versuche ich daher die Antwort so gut ich kann. Sie fragen, ob der Grundzug in der Menschennatur mehr< bfc Liebe oder der Haß fei? Diese Frage hat eine metaphysische und eine praktische Seite. Bei tieferer Prüfung vom ersteren" Standpunkte Erkennen wir. daß Liebe' und Haß'die zwei Aeste eines uüd desselben Stamme-, daß sie in ihrem Grunds eigentlich dieselben sind. Sie sind da- Gefühl der Beziehung unsre- Selbst zu gewisien äußeren Gegenständen, da< Gefühl, daundiese Beziehung intensiv, stark, energisch macht, daunkräftig zu dem Gegenstände hin» drängt. Dieses Gefühl^ist auch der Urgrund des Selbst» bewußkseins, dain nichts Anderem besteht, alin der Anschauung und Vorstellung de- Verhältnisse-, ln welchem die Gegenstände außer unzu unselbst stehen. Dieses Gefühl hat nun zum Inhalte entweder die Aehnlichkeit oder den Widerspruch de- Gegenstandes zu unselbst, darum chie Zu» oder die Abneigung, da- Verlangen, ihm zu gefallen, oder ihm unmißfällig zu -eigen, ihn mit unzu verbinden, oder von unabzuwehren und abzustoßen, ihm zu nützen oder zu schaden, und nach diesem besonderen Inhalte nennen wir e- Liebe oder Haß. Wozu ich Ihnen diese Auseinandersetzung gebe? Um Ihnen zu zeigen, baß dieses Gefühl der Beziehung unsres Selbst zu den Gegenständen außer unebenso wie da- Selbstbewußtsein die eigentlichst« Natur der Meoschenseele ausmacht, daß dies«, beiden den Menschen gattz eigentlich erst zum Menschen machim/und daß man daher gar nicht sagen kann, der Grundzug de- Menschen sei Liebe oder Haß, da dl« gleiche Wurzel beider alt eine und dieselbe in dem Wesen der Menschenseele liegt. Ihre Frage muß über die Summe tenschenwelr existier sene Frage bejahend »rseits entzieht sich vielmehr so gestellt werden: Bildet sich diese- Gefühl im Leben der Menschen mehr nach der einen oder der anderen Seite, medr zur Liede oder zum Hasse au-? Und diereicht bann in da- Gebiet der Erfahrung, ist die praktische Seite. Nun aber frage ich Sie, werkte- Fräulein, wo ist der Mensch, der sich anmaßen möchte, aller Liebe und alle- Hasse-, die in der und sich bethätigt, hinzuschauen, um ober verneinend beantworten wollen? Ei ja dainnerste Leben de- Menschen dem Aich« auch delhm zunächst Stehenden, de« ihm am'- engste Verbundenen, und Niemand weiß wadie Bxust seine-Bruderober seiner Schwester an inneren Gefühle«? herbergt. Anderer, seitlehrt undie Erfahrung, baß «p keine« Menschen giebt, der nicht neben noch so vielem Hasse, noch so vieler Bosheit und Tücke noch einen großen Schatz von Liebe besitze, wie umgekehrt, daß die liebeerfüllteste Brust immer noch einen nicht unbeträchtllichea Theil von döse« Neigungen, umschließt. Man hat die größten Verbrecher.alzärtliche Dät« von einer Hingebung und Treue kennen gelernt, die tief rührte, wie auch in, der Natur giftige Thiere und Pflanzen oft von großer Schönheit der Formen und Far» brnpracht sind. Und wer!gewahrte nicht selbst an engel, gleichen Menschen Fehler und Flecken,, die man von dem sonst so lauteren Bilde hin!wegwünscht«! Sie sehen, hier läßt über die Menschen im Allgemeinen gar kein Urthril fLllev, es indlviduülistrt sich eben Alles. Ob sich in einem Menschen jeneukgründliche Gefühl mehr zur Liede oder zum . Klasse au-bilde, dahängt von mancherlei Umständen ad. Zunächst von der Anlage. Da- Temperament, welcheder Schöpfte jedem Menschenkind« al- Morgrngade mit n die Wieg« legt, ist es ruhiger, sanfter, langsamer Art ok^r feuriger, reizbarer, lebhafter? Im erster«» Falle wird es sich lein Leben lang in einer gewissen Schwede halten, in einem mittleren Zustande, auwelchem es nur durch starke Impulse nach der einen oder -«ach der anderen Seit« gedrängt wirb; im letzteren Falle wird es immer geneigt frini in leidenschaftliche Bewegung zu gerathen, sich in «in Ätrem zu verlieren. Dann die Bilbungsschule, die Jedweder durchzumachen har, die Umgebung, da- Beispiel, die Gewöhnung, die er vor sich hat, wo er von Kindheit an in der Luft der Liede und bes Friedenathmet oder frühzeitig in den Strudel de- Hasset und widerwärtiger Empfindungen hineing,rissen wird. End, lich fein« Schicksale, fdn«' Erlebnisse «nb Erfahrungen. Ich brauche Ihnen nicht au-eiuanderzuschea, wie sehr dkefes Alles auf die seelisch« Entfaltung einwirkt, die Gefühle der X