Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 12 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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—: 46 nicht ganz s, mir Herzog!. Gnaden mrinen. In Englands! und Hollanl ist ,S langst Rechtens, und in Floren;. . „Schwe;r mir von Floren;, unterbrach ihn der. Herzog unwillig Marchese. waS meint Ihr denn hittju i' ..Wad ch meine, Durchlaucht? wenn die Ausaad NL, getrosten w>:d, daß Juden keine adeligen Güter kau«fr dürfen/ so wäre es mir ganz recht. Man muß die' m Burgerpack ein Schnippchen schlagen, da es so ''chen die Nase viel; hoch tragt und von feinen Rechten und Klei- , beiten fpritf e. als -ob sie solche;um Patbengeschenk in Wiege deko amen. Warum kommen diese Leute rmr stielst offenem Mmle und Ilers geschlossenem Beutel, warsim kommen sie nicht hierher und sagen: Unser »Ungnädigster Landesvarer ist - in Verlegenheit, wir wollen ibm hrrauSbelfent W r uns nützt, dem müssen wir wieder nutzen. Dies ist rr rin« Meinung. Und Ihr, Messer Leone, y»as meint Ihr denn dazu/" Der 2 karchese hakte sich mit diesen letzten Weiten raich;u Le ne gewandt, indem er glaubte, mit dieser plötzlichen Anr de ihm irgend ein Anerbieten zu entlocken, »el» ches der A rfang zu einem Wettstreite zwischen den beiden Rivalen werden konnte. Ader Leone rührte sich nicht, offnere nur seinen festverschlcssenen Mund, zeigte die weißen sprtzen Zab >e und sprach die lakonischen Worte: ,,£5' ist ein gut tzeschäfl von deivM Seiten." Der verzog de- -'ann sich licht lange mehr. Er war listig genug, um .lnzuiebrn, daß die Forderung de« Per«; ein längst gefaßter Plan desse den sei, wegen bessern seil längerer Zeit mit keinem Ge de mehr herausgerückt. Um die weiteren Kclgeq,-<kümm rte er sich nicht viel; vor Allem mußten die aufrübreri den Soldaten befriedigt werden. Er ließ b^brr seinen ode sten RatK kommen undbefahl ihm d»e sofortige Ausfertigl ng der verlangten Urkunde. Pere; verließ injtn* drß vaS chloß und ritte, von zwei Unterofnzieren begleitet, bei ''einen Glaubensgenossen umher, um die erste )R.u«i;u sammenzu «kommen, was ibm auch in einigen Stunden mir vieler Müde gelang. Den Soloaten wurde der rück» ständig« e:old ausgezadtt, und jubelnd zogen sie in ihre Kasirne z rrüch. Messer Leone wurde ungnädig aus dem Schloss« ntlassrn, was ibn jedoch nicht aus seiner Ruhe brachte: e: verblieb in Lucca wie zuvor. Der tzerzog haue richtig vorausgeseben. Noch war das neue G.-'rtz zu Gunsten der Juden nicht veröffentlicht, als die S unde davon wie rrn Lauffeuer durch die Sradt nch verbs itete. Es waren zu viele Mitwisser, als daß es stch »ich! ausgesprochen hätte. Dir Bürger, dir sich bei den Nötbm -des Herzogs nicht gerührt, ja nicht einrrml da» Schl'ß zu betreten wagten, um mit'den Soldaten in reinen Etnfllk: zu kommen, gerietben jetzt, wo ihre vermeintlich« r Vorrechte angetastrl zu werden broltten, in Aufregung u rd Wurb. Auf den Straßen lief man zusammen, in den V irrbsdäufem wurden furchtbar« Reden und Flüche ausgestoß n, auf dem Rathhause saß der Podesia mir ''einen R-Iibsh.rrn in Permanenz, um Proteste und Gegenmittel zr berakhen, der Löbel rottete sich am Tbor«'des G'.rio z lsammen, Sleinwürfe flogen schon in die S raße desselben, und wo sich ein Jude blicken ließ, wurde er hövitt, v regeln d drobk, mißhandelt. Ader es wutden schnell Maßlgcgrn grrrcffen. Dir Gardrn, weiche die?ecgegan> ene Scene vergessen machen wollten, zeigten sehr dienstwillige. auf die Bürger toszuichlagen,' und vervorsich chon ibr Anmarsch zerstreute die Haufen mit Blitzesschnelle. Endlich zog eine Bürgerbepuralion, den Podesia an der Spitze, in bas Schloß, um nachdrückliche Vorstellungen bei dem Herzoge zu erheben. Da diesem aber bereits der Erfolg der militärischen Maßregeln rapporlirl worben, und er in; den Händen der Deputation nichts als ein Stück Papier.gewahrte, empfing er sie sehx ungnädig, und frug sie höhnisch, ob sie etwa kämen, ihm zu der glücklichen Befreiung aus den Händen der aufsässigen Sslbaleeka zu graruliren r Als die Bürger ihm submisseft ihr Anliegen vocg,kragen, erwiderte er kurz, ob skr glaubten, baß er mir ,hrem Papier oder ihren glatten Warten die Soldatcn bezahlen könnte * Die Juden hätten ihm Geld gezahlt; wellten die Bürger ibm dieselbe Summe darbielrn, so wolle er bar neue Gesetz zurücknehmen. Hiermit hatte er den Nagel auf den Kopf getroffen. Die Deputation meinte, sie wolle es versuchen. Als aber nun die Bürger um die »erdigen Dpier angegangen, als die Gilden und Zünfte versammelt und befragt wurden, wollte Niemand für „gemeines Wobl" bas Geringste hergebrn, und Jeder glaubte genug getdan zu Habens wenn rr auf den Tisch geschlagen und mir Donnerstimme geschrieen hatte: der Herzog erhalte rhre Steuern, und müsse sie dafür in ihren Rechten schützen, auch bade cr nicht bas Recht, ihre Privilegien zu verletzen. Nachdem dies Jedermann gesagt, ging Jedermann nach Hau'.', und die Sache war erledigt, noch dazu, als einige Scbretdalsi noch selbigen Tage» am Kragen ergriffen und m»t Haft und Geldbuße bestraft wurden. Allein die Angelegenheit stieß aut andere, viel debeuten'bere Schwierigkeiten. Der Herzog, dem von gewissen Seiten her Einflüsterungen zukamen, erklärte, das Gesetz erst bann verkündigen zu wollen, wenn die letzte Rate der versprochenen Summe eingezabll werde. Dies halte nun nichts zu sagen gehabt, denn di« Juden, die bereits anderthalb Jahrtausende auf diese Befreiung von dem sie belastenden Drucke harren warten müssen, konnten sich noch einige Monate gedulden. Im Gegentdeil, das Volk gewöhnte sich unlekdeß an den Gedanken. Aber die Hindernisse lagen in der Bezahlung der Summen selbst. ES versiebt sich, daß die kleine Zabl bemitletter Juden in Lucca, ein-- schlirßlirb des Signor Perez, bei weitem nicht so viel klares Geld vocrälhig hauen. Sie stellten daher Wechsel und Anweisungen aus. Siehe da, dies« kamen allesamml mit Protest oder nicht acceprirk zurück. -Wohin sie sich auch wandten, überall wurden sie abgewiesen, und selbst der sonst so geartete Name Pere; fruchtete diesmal gar nichts. Von Livorno, Genua, Venedig, Manrua und Rom erbielt man nichlssagenbe Antworten. Es war, wie wenn eine unsichtbare gehrimnißvelle Macht ein Interdikt rür die Juden Luccas auf alle Gcldkisien Italiens gelegt hatte. E» waren die übelsten Gerüchte über die Vermögenszustände des Perez, der sich an dem leichtfertigen Herzoge ruinirl habe, überall verbreitet; der Kredit der jüdischen Kaufleuke zu Lucca war^ä'nzlich adg,schnellen; und wo dieses Mißt trauen auf ihre Zahlungsfähigkeit nicht hervorgerufen wrrdm konnte, hatte eine einflußreiche Hand durch Drohungen, dir auch in der Geschäftswelt von Eindruck sind, von ' jeder Hülst,istung abgeschreckt. So waren es nur geringe > Posten, die Per,; zu Gebote standen, und er sah mit , Schrecken den Termin brr zweiten Ratenzahlung nahen. Genauere Nachforschungen ließen denn auch nicht lange