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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 12 (1866) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
12 (1866)
Date
1866-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt, Zur -Belefjrunq uni) llnteröaftuiig auf jü irischem Herausgegeben von Rabbiner Di*. Ludwig Philippson in Bonn. r.i, i .. , c\/*u r«on dtrfer Aeits<bnft erlüeint wechrnUi» rin« «ummn. Prei» de« Jabr. - . lW . . , . VlO. 12 loOO*} aonfl« 1 Iblr. B.kririjLdrig 7 << *#*. Alle «uLbandwagea. Poftamier l.i j|j hrft, 1 OnUflUl^ iw. uns 3*i«nna#«rm»ttonen ntömen »efttünnaen an. [lü, i* «yumiai* Die beiden Rivale. Aus dem vorigen Jahrhundert (Fortsetzung und Schluß.) 4. Erst nach längerem Unterhandeln gestatkeren die rebellischen Soldaten einem herzoglichen Diener in Begleitung eines Unteroffiziers sich zum Signor Perez zu begeben, um ihn vor den Herzog zu beordern. Perez war von diesem Befehle überrascht, denn, nachdem er mehr als neun Monate vom Hofe verbannt gewesen, hatte er bereits jede Hoffnung, dahin wieder zurückzukehren, ausgegeben. Er unterdrückte aber jede Empfindlichkeit, denn einem Gebote des Souveräns unbedingt Folge zu leisten war man damals noch gewohnt. Obgleich er daher die Aussicht hatte, auch seinerseits das Schloß nicht wieder verlassen zu dürfen, begab er sich dalhin. Der Marchese halte jedoch so lange dem Herzoge zugesetzt, bis er auch Messer Leone zu der Audienz hatte vorführen lassen; der Kammerherr versprach sich aus dem Gegenüderstehen der beiden Rivale Nutzen für die Beseitigung der schrecklichen Kalamität, in welcher der Herzog und sein Hof sich befanden, zu ziehen; vielleicht dachte er auch an die lustige Scene am Hofe von Parma. Aber er Hane sich geirrt. Ais die beiden Gegner zu gleicher Zeit von verschiedenen Seiten in den Saal traten, lief zwar eine flüchtige Rothe über bas Antlitz des Signor Perez, aber er wandte sich doch ruhig zu der Person des Herzogs, und brachte ihm seine Devotion dar, wahrend Leone sich still an feinem Platze aufpflanzle, keine Miene verzog, kein Augenlid hob. „Nun, Perez, hob der Herzog an, ich habe Euck rufen lassen, um Eurem Herzoge mit Eurer früheren Bereitwilligkeit aus großer Verlegenheit zu helfen, und ich werde es Euch für immer gedenken, wenn Ihr Euch dazu bereit erklärt. Der Messer Leone da (ein wüthender Blick traf diesen, der sich aber nicht sonderlich davon berührt zeigte) har einen großen Plan; er will eine Million Dukaten herbeischaffen; aber er macht unerfüllbare Bedingungen. Ich kann den Glan; meiner Herzogskrone nicht in Hände legen, die damit unsäuderlich verfahren können. Auch ist es uns fraglich, ob* eS mit dem Wohle unsres Landes und unsrer getreuen Unterlhanen verträglich wäre, eine so ungeheure Summe aufzunehmen. Eine kleinere wäre mir lieber, um uns aus der Verlegenheit zu retten, mit welcher uns diese pflichtwidrigen Garden überrascht haben. He, Perez, wollt Ihr unS helfen?" still. Dann erhob .Ja, Durchlaucht, ' Der Angeredele blieb eine Weil» > er sich rasch, und sprach entschlossen - ich will eS, wenn eS mir auch die größten Anstrengungen kostet. Aber einem Manne wie Messer Leone kann ich es nicht gleichthun. Gegen ihn bin ich wie ein Zwerg gegen einen Riesen. Ich könnte Eur r Durchlaucht^tzöch-; stenS 50,000 Dukaten schaffen, und! ieS auch nur in vier i Raten nach je zwei Monaten, die erst' Rate natürlich soj gleich. (Das Antlitz des Herzogs und des Marchese kläri len sich auf, wie ein» von dunklen Gewölk beschattete ' Landschaft, wenn der Strahl der Son re siegreich hindurch \ bringt.) Diese Summe, fährt Per,; gemessen fort, soll j Ew. Durchlaucht gezahlt werben, ohne daß Sie einen Scubbzurückzuzahlrn hätten (die beiden höchst« lenden Persönlichkei- > ren rieben sich vor Vergnügen die Hanl e). Ader, fügte Pere; etwas zögernd hinzu,, ich habe auch « ne Bedingung. . „Hm, Hm. stieß ^der Herzog au;, eine Bedingung. 1 lasset hören, welcbe?" . „Ich Will sie -jEw. Durchlaucht tu Orab unumrounb«n j verlegen. Meine Glaubensgenossen Ilebm. in Ihren Herzog-! lichen Landen, obschon ihre Zahl Sicht-groß ist, in uner- ' träglichen Beschränkungen. Mir woll n die von mir gej nannte Summe gern zahlen, wenn Ei». Durchlaucht uns \ hierfür allergnädrgst gewisse Privilegien verseihen, und zwar,; baß wir in Stadt inb Land wohnen dürfen wo es uns | beliebt, betreiben" dürfen, welches ehrliä« Gewerbe es auch \ sei, Grundstücke kaufen und in die Zü» ft« eintreten dürfen.; Dies ist Alles, Sobald Ew. Durchla tcht geruhen die Urkunde auszustellen, und zu unterfertizen, zahlen wir die erste Rate, sobald jene proklamirt wor »en, zur bestimmten Zeit die anderen." Als Perc; diese Worte, gesprochen, erhob Leone feine Augenlidtt und schoß einen Blick au den Sprecher, der mehr Verwunderung als Aerger ausdi ückle. Der Herzog wiegte seinen Kopf hin und her und erwiderte endlich: „Nun, Perez, was unS betrifft, wäre »ie Sache ganz recht. . Es ist uns sehr gleich gültig, wer «i >e Pfrfferbüte dreht oder das Leder über den Leisten schlägt, ob Christ,. Jude oder Türke. Aber ich habe doch große Bedenken. Was werden meine Vellern, die andern Potintaten, zu so Unerhörtem sagen? Wie wird man in and« cen Ländern darüber höhnen und poltern und sagen: der H rzog von Lucca har jetzt ^rrn auch sein Land den Juden »erkauft. Und was werden meine Unterthanen sagen? ßörlch' ein Lärmen wird da entstehen, wie wird man toi en und schimpfen, daß hier zu Lande Rechtens sein soll, was nirgend anders wo." „Verzeihen Durchlaucht, siet Perez muthig ein. es ist

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