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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 11 (1866) · p. Seite 43

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
11 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 43 (sequence 3)
Language
German
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48 handeln solle, und ln deren Thun einzugreifen der Herzog feierlichst entsag». Zu diesem Ende habe jene dem Herzog eine bestimmte Summe jährlich für sich und seine Bedürfe alfse au-zuzahle«, die niemalüberschritten »erbe« dürfe. Der Herzog dörre dieser Auseinandersetzung mit außer» ordentlichem Beifall zu. Da- Feuer, daihm auf den Nageln brannte, ließ ihn alle Bedingungen^»«» zukünftigen Beschränkungen alunbedeutend ansehen, wahrscheinlich auch mit dem geheimen Vorbehalt, daß er den sehen wolle, der ihn spöter zur Einhaltung dieser Bedingungen zwingen wolle. Er bewunderte da- Geuie des Juden, das mitten im Tumulte so großartige Entwürfe zu finden und darzulegen verstand, hielt ihn aber dabei für einen gut» müthigen Tropf, dem «S allein darauf ankäme, dir Ehre zu haben, dem Herzog zu helfen. Fürsten bilden sich so etwagar zu leicht «in, weil e- Ihnen von Kinde-deinen an zu oft vorgesprochen wird. Er sprach daher dem Messer kröne seine vollständige Zufriedenheit und Uebereinstimmung mir den stärksten Worten aus. Auch brr Marchese hatte aufmerksam dem Plane Leone'- zugehört, aber, unbefangener alder Herzog, war sein Mißtrauen um so größer, und als der Herzog endlich geendet, warf »e die Frage auf: „Und Ihr, Messer Leone, wollet und könnet rin« so ungeheure Summ» herdeifchaffen. um den Finanzen Er. Durch» laucht gründlich zu helfen?" Der Angeredete erwiderte ruhig und gemessen, wie immer: „Allerdingkann und will ich es, aber, wie esich von selbst versteht, unter einer besonderen Bedingung." Der Herzog, dem bijetzt der Weg zu seiner Rettung so leicht und eben gemacht worben, legre auf diesen Zu» satz Leon«'- kein große- Gewicht, aber der Marchese fügte sofort hinzu: „Und dies» Bedingung wäre? Ueber da« Angesicht Leone'- lief ein, dem Scharfblick de- Marches, nicht entgehende- Zittern, ein rafchvorüder» gehendes Wechseln der Farbe; aber schnell hart« dieser Mann feine eisern» Ruhe wieder erlangt, und mit adge» messen,r Betonung erwidert« er: „Se. Durchlaucht find souveräner Fürst diese- Lande-; eexistirt auf dieser Erde keine Macht, die feinen Willen beschränken kann, kein Ge» richk, daihn zu irgend einer Handlungsweise zwingen könnte. Di'« Leute, welche eine Million Dukaten her» schießen sollen, wissen sehr wohl, daß sobald die Summe gezahlt ist, der Herr Herzog damit machen könnte, was er wollte, und di« beantragte Finanzcommifsson bald zu allen Teufeln zu jagen vermöchte. Se. Durchlaucht würden dienicht rhun wollen, aber die Umstande und Verhält» nisse, die stärker find alder Wille de- Menschen, können den Herrn Herzog dazu zwingen. Eversteht sich also von selbst, baß ich keinen Heller zu dieser Million Dukaten erhalten würde, wenn nicht ein sichemde- Pfand gewährt würde. Und damit ich ekurz sage, da die Domänen, die Einnahmen, die Aemter und Privilegien und sogar dafürstliche Ehrenwort bereitau-gegeben sind, sbesteht die einzige vorhandene Bürgschaft in den — Staar-kleinodiea und Juwelen Sr. Durchlaucht. . ." Messer Leone hatte diese letzten Worte im vollen Bewußtsein ihrer. Bedeutung mir Nachdruck ausgesprochen, und stand nun unbeweglich, wie in den Boden qewurzelt da. Auf seine beiden Zuhörer halten sie wie eiü Donner- | schlag aus' heiterem Himmel gewirkt. Der Marchese er, I bleichte und stiert« mit feinen Auge« ctof ben Herzog bin. Dlestr aber erbebte am ganz,« Körper, sprang bann wie «in gereizter Löwe ans Leone hl«, hielt ihm die geballte Faust vor da- Gesicht und rief wie Donwersiim»«: „Hu«b, wie kannst Du es wagen, mir fe etwa- »orguschlagen!" Es war schrecklichanzufrhen, sei« Atztlig flammt«, seine Augen kreisten, vor seinem Munde sammelte sich Schaum. Leone blieb uverschrocke«, wie wenn »röuf die Entladung eines solchen Unwettergefaßt gewesen; er wich einig» Schritte zurück, verbeugte sich tief, und sprach im Tone der Ergebenheit: „Durchlaucht können mit mir machen, was Sie wollen, aber Hülfe kan« ich! in anderer Weise nicht schaffen; «ine so große Summ« W nicht anderz« haben, und sine kleiner, für die augenblickliche Noth »§» geradezu weggeworfea." Der Marchese legte sich ins Mittel. Er sagte: „Messer Leone, wenn der Herzog nun daraus! einglnge, und bi« Juwele« urkundlich verpfändete, wogegen Ihr Euch verpflichtet j sie zum Gebrauche in den Händen Sr. Durch» laucht zu lassen? Ich dächte diewürbe völlig genügen." Leone verbogt« sich abermals, warf jedoch dabei dem Marchese »tnrA Blick zu, alob er ihm sagen wollte, wie kannst du, Schlaukopf, mich für so einfältig halten, auf solchen Vorschlag «inzugehen. Laut fügte er hinzu: > ..Herr Marchese, ich für meine Person wäre damit vollständig zufrieden; aber bi» Männer, welch« da- Geld hergeben sollen, würde» mich fragen: Welchen Werth hat J diese Urkunde? Läßt sich darau« ein einziger Dukaten! schlagend Giebt es ein Tribunal, dasie znr Unterlage - einer Klage oder eine- Zwangsmittelzu machen vermöchte? Ich sehe keine« andern Au-weg." Kaum harre er diese Don« gesprochen, als der Her» zog ihm de« Rücken zuwanöte, und dem Marches« zu» rief: „Lassen Sie diesen Schurken sofort in den untersten Kerker werfen, und senden Sie nach Signor Perez." Hiermit verließ er bas Gemach. Der Marchese lächette und sagte zu Leone: „Messer, ich habe Euch hierhergebracht. Hiernach bade ich einige Verpflichtung gegen Euch, und «erbe ich Euch in eia anständige- Zimmer zur Hast bringen. Wahrhaftig, halten un« doch Alle diese Marodeurin ^anständiger Haft. Nach dem Signor Perez muß ich aber' senden." I Messer Leone zuckte mit den Achkel^, und folgte dem Marchese (Fortsetzung folgt.) Fragen und Antworte«.' 12. D. in B. Ist r-, abgesehen von dem Buchstaben de- Gesetze-, sittlich gerechtfertigt, daß ein Ehemann von seiner Frau geschieden sein will, wenn sie mehrere Iaht» dem Irrsinn verfallen ist, und er noch den besondere» Grund hervorhebt, daß er, von seinen Geschäften occuplrr, für sein Hau-wefen und die Erziehung der Kinder nicht sorgen könne? Eist gut, daß der Fragesteller dieseschwierig, Thema hier nicht von der juridischen und gesetzlichen Seite erör» «rt verlangt. Denn dann hätten wir seinem Verlangen,

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