Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 11 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
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44 weil eS 'die Grenzen diese- Blatteüberschreitet. nicht ge» äugt. Da er ader di« Frag« unter dem Gesichtspunkte der allgemeinen Sittlichkeit beleuchtet wünsch,: so muffen wir leine Frage entschiede« verneine». Da- Baad der Ehe wirb .geknüpft für daganze Leben, für Zeit?« de- Gluck, - w-e de- Unglück-, für Tage de- Wohlseins wie des Siech, tdums. Diele- Baad kann gelost «erden, wenn die S ch u l b eine« der beiden Theile ihn der Heiligkeit des Ebedundeunwürdig macht, und den Zweck der Ehe rrr.iulr. Trifft aber einen der beiden Eheleute ein unverschuldetes Unglück, so rechtfertigt diedie Ehescheidung nicht. Ich weiß-sehr wohl, daß diese Ansicht nicht ganz mit dem rabbini''ch«n Eherechte über die Ebelcheiduntz-tzründ« übereinüimmr; allein wie wollen ja hier nur die Sittlichkeit-gründe, oha« all« juridische Bedenken erörtern. Dagegen stimmt mit unda- Wort der heiligen Schrift; denn wie man auch da- -21 n-; 772 «22 *2 austeg«, ob maa ihm «inen weiteren ober engeren Sinn beilege, so befaßt edoch nur Unzukömmlichkeiten, die von dem Weide selr^tbätig aus» gehen. Welcher Uater'chled fände aber zwecken einer geistig oder leidlich Erkrankten statt? Selbst di« Unheil» barteir macht hier keinen Unterschied. Warum lall sich ein Mann von ''einer an einer unheilbaren Lunaentraakheir leidenden Frau nicht, an eitler undeilbarrn Getste-stcrung Erkrankten ja scheiden kennen? Auch d:e Dauer. Ser Krankheit entscheidet nicht-; denn oft bauern körperliche ^eaak« heiten viel« Zadre und machen zu'aller Trarigkeir unfär^a, |. B. Gliederlähmunr. Elegt al'e vier in jed.az Kalle ein greße- Unglück, e:^-traurige- Ge'chrck vcr, das! ua're ganze Toeilnadme *ür dar unglücklich« Ehepaar dervtrruft; ader dies muß eben eitrrae» werden, wie jedek andere Ge'chick der göttlichen Der'rdung. E:n Unrer'chitd nntä aber starr, der nemlich. daß «e ungleich ''chrrierize: und unsicherer ist, über den Der.'au^ und die Unherldarkeit einer Geisteskrank.-n: als einer leidlichen, wen« st» derriteinen »orschiedenen Ebaratrer angenommen, e:n Uctbeil zu fallen. Wie. wenn nun bi« Krank« wieder zum rechten E lbstde- . wußtlein käme, oder wenn stch etwa in einem Uwü lwung ihrer fixen Zbeeo gerade ihr Derbaltniß zu Man i und Kindern in ihrer Vorstellung wieder eiastellt? Wie grau-! sam wäre dann die plötzliche Erfahrung, daß sie von Kann 1 und Kindern für immer getrennk sei, und währeol ihre-! Leben« schoü eine Ander« ihre Stelle eingenvwmr, i und * ihre Recht« ucsucpirt' habe' Würde dieser S dmerz | ihre Seele nicht in die Nacht zurückschlrudern, a lder sie^eb.n zum Lichte de- Bewußtseinsich zurückgen ngen? Welch« Vorsicht wird angewenbet, wenn einer der beiden Ebeleute'verschollen und in der Ferne verstorben seil soll; muffen da nicht ganz bestimmte Zeugnisse der Tba fachen hrrbeigrschaffl werden, bevor die Erlaudniß zu einer zweiten Ehe «rtdeilt werden darf? Und wo ist nun de einer Geisteskrankheit dazweifelhafte Zeugniß, daß diese Pspche niemals wieder in bas Lebe» des Bewußtseinzurüc kehren könne? — Was endlich da- Nützlichkeit-motiv I «trifft, welchein der oben gestellten Frage angeführt a rd, fo har e< vom Standpunkt der Sittlichkeit gar keine! )«veu» tung. Mag der Mann feine Geschäfte etwaeiasch änken und sich um bi« Erziehung setürr Kinder mehr bekümmern; mag er treu« Personen suchen, die ihm sein Hauswesen verwalten. Wer ^iedt ihm die Sicherheit, daß seine zweite Frau die Erziehung seiner Kinder recht zu leiten befähigt und gewillt sein werde? Giebt es außer dem angegebenen Falle keine Familienverhältniffe, wo für die Erziehung der Kinder in anderer Weise gesorgt werden muß? Vor der Heiligkeit des Ehrduades, vor dem gotlgrheiligrrn Recht« de- Mannes auf sein, Frau, der Frau auf ihren Manne schwinden alle diese Motiv«. Zn ihrer Erhabenheit und ibrem Alle- Umkaffea sagen bi« Zehngebote: „Du sollst nicht ehebrechen"; sie lasse« sich auf die einzelnen Verhältnisse nicht eia, sondern untersagen — den Bruch der Ehe. 13. R. in K. Vor einigen Monaten harr^ich da- Glück, in einer Lotterie 60,000 Tdaler zu gewinnen. Zch bin' «in Mann Anfangder. Vierziger, und habe bei angestrengter 2rd.il und genügender Kennln-ß mein,» Zachrs di» jetzt durchaus keinen guten Fortgang gehabt. Wasell rch nun lhun? Soll ich wieder «in Geschäft ergreifen, oder mich obne ein solches der Erziehung meiner Kinder und dem friedlichen Leben in meiner Familie witmen? Zch will Zhre Frage einfach beantworten. Eie haben sich vor zwei Dingen zu hüten: vor dem Habsuchtsteufel und vor — dem Nichk-tbun. Beide führen zum Uedel, und würden Zhr „Glück" bald jn'S „Unglück" kehren^ Es ist nur zu oft, baß «dne Besiblbum der Mensch zusri«» dea und ruhig lebt, sobald er zu Besitz gelangt, mehr und immer mehr baden will. Sie konnten bann mir Ihrem Gewinnße -zu spekulirrn anfange«, und eines schönen Morgenohne denselben aufwachen. Der heradgekommen« Reiche ist hundertmal schlimmer daran, als der nie heraufgekcmmen, Arme. — Ader Nichttbun und schaffen, ist noch übler. Die „Erziehung der Kinder" kann «inen bisbeugen Geschäftsmann nicht allzuviel beschäftigen, und Müsstggang — nun, das weiß Zeder. Ein Müssigganger genießt auch im eigenen Hau^e keine Achtung. Und ead» trch — ,st man der menschlichen Gesellschaft keine nützliche Thärigkeit schuldig? ... Mein« Ansicht geht also dahin: suchen sie einen nützlichen Beruf, der nicht darauf au-« geht, ihr Vermögen;n vermehren, ader zu erhalten und zu verwerthen, und Zhnen, den Zbrigen und Anderen Nutzen und Befriedigung schafft. Allgemeine Zeitung de« JudeurbumS. No. 10. 1816. Inhalt: Leitende Artikel: Ein Brief über die Politik in der Gegenwart. — fßa« ist Rechtens in Preußen? Zerstreute Bemerknugen. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: AuS Württemberg. Preußen: Myslewitz. Oesterreichischer Kaiserst a a t: AuS dem Tokajergckirge, Reu-Verbaß, Dien. Nachtrag Dürzburg, Pest. 2UT Zn beziehen durch jedes Postamt und jede Bochhaudluug. Jährlich 8 Tbaler, vierteljährlich */« Thaler. verantwonliö er Redacteur vr. H. Lotze. Bert«- vo» »tiijiiiKt't ittasfl in Leivtig — Druck »»» 9. Ätesfiog ia