Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 11 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 2)
- Language
- German
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42 fcr'<tungin, unfc dieser nickte nur mit dem K»pfe, nadjr« ein« ri.fe Verbeugung, jafr(t« da- Gelb, ließ sich abe über di« ganze Summe seine- Darlehens, einschließlich einet hin» länglichen Dortheil- — bas mußte er schon rhua. um keinen Verdacht zu erregen — Verschreibungen „auf dafürstliche Ehrenwort' eriheilen. Wie viel Sicherheit ihm diese Scheine geben lonntcn, mußte er allein zu beürrhei» len wissen. Die Summen, die er bereitso ohn^ allee Zaubern und ohne alle Bedingungen bewilligt hatte, beließen sich bereitauf 100,066 Dukaten. Der Herzog schwamm in Wonne über die glücklich« Erwerbung eine-solchen Mannes, der Fortunats'- Huk, ober eine unfehlbate Wünschelrute zu besitzen schien;, »adrend der Marches« und die Vertrauten de- Herzog-, die davon erfuhren, mit dem Kopfe schüttelten und den geheimnißvollen Juden mit mißtrauischen Blicken ansaben. Da trat eine Katastrophe ein. D«r Herzog, wie er einzeln die Summen erhielt und verschwendete, dachte nicht daran, ferne Beamten und Garden zu bezahlen, und den letzteren war feit einem Jahre kein Sold au-Azahlr, kaum daß ihnen ihre 'kärglichen Rationen an Brod verabreicht wurden. Sie litten große Noch, und erwarben mit Mühe in ihren Freistunden al- Tagelöhner armselig so viel, um nur da- Leben zu fristen. Die militärische Di-cipli», an die sie gewöhnt waren, ließ sie dieseharte Loo- «ine Zeit lang ertragen. Jetzt aber, da man sich fortgesetzt um ihr Schicksal nicht zu kümmern schien, brach der lang verhaltene Grimm durch, Unrerofficiere und Gemeine erhoben sich zu einer gefährlichen Emeute. Sie schworen sich unter «inan» der biauf den letzten Mann unverbrüchliche Treue, ergriffen plotzliL die Waffen, und 250 Mann stark zogen sie milden 4 Kslnonen, die.der Herzog befaß, mit brennenden Lunten und geladenen Gewehren vor daherzogliche Schloß, umringten e- und sandten eine Deputation an den, Herzog mir der Erklärung, baß sie nicht eher in ihre Kaserne zu» rückkehren würben, als b>- sie den ganzen rückständigen Sold, fc, wie die Zusicherung fernerer pünktlicher Zahlung er» halten hätten. Sie sprachen nachdrücklich au-, daß sie unter keiner Bedingung selbst mit Theilzahlungen zufrieden sein, sich durchaus nicht vom Platze rühren,'Jedermann in da- Schloß hinein, aber Niemanden hinau-lassen würden. Bald stürzte auf die Nachricht von diesem Aufstande daganze Ofsizierkorpherbei, aber weder Bitten noch Drohungen, weder Befehle noch Zureden wirkten auf die Aufrührer, die ein für Alle mal ihrem traurigen, unerträglichen Zustande eia Ende mache» wollten. Sie erklärten, sie würden Keinem rin Leideanlhun, so lange sie nicht an« gegriffen würden; aber sie" würden bas Schloß dlokiren disie befriedigt würden. Sie ließen bereitwillig da- Ofsicier« korpin da- Schloß, sich um die Person des Herzogzll schaarrn: wurden doch dadurch die Effer im Schloße de» tcächtlich vermehrt, und den geringen Dorräthen daselbst um so schneller ein Ende gemacht. Ein junger Osficiec. der die Gelegenh.it sich au-zuzeichnen nicht vorüber gehen lafffn wollte, zog voll Wuth den Degen, und stürzte auf einen Anführer der Aufständischen lo-; aber ehr er noch seine Waffe schwingen konnte, hatten ihn schon 10 Fäuste gepackt, den Degen ihm entwunden, und ihn auf die Erde geschleudert, ddß er fast da- Wiederaufstehea vergaß. Aldi« Abgesandten brr Mannschaft vor dem Herzog ihre Erklärung abgegeben, zerieth er in außerordentliche Aufregung i und jagte sie mit vielen Droh »'und Scheltwortes von seinem Angesichte biaweg. Als die Officiere «eschienm, und ihm von ihre» erfolglosen Anstrengungen berichteten, zog er den Degen, befahl Jedem daffelde zu thun, und trat trotz aller Widerrede» seiner Umgebung vor darrdellische Corps. Sie empfingen ihu ehrerbietig, riefen: „Es lebe der Herzog!" und präsentirten da- Gewehr. Als er ihnen befahl, au-eiaandklzugehen, erklärten sie einstimmig, nicht zu gehorchen und jede Gewalt mit Gewalt zu» rückzuweisen. Sie hielten die Glieder fest geschloffen, so» baß der Herzog nur mit großer Gefahr freien Durchzug hätte gewinnen können, und so mußte er unverrichteter Sache in da- Schloß^ zurückkedrrn. — Allewar tatMof.» Endlich erschien Messer Leone. Die Kunde von dem Aufwand« hatte ihm den Much nicht genommen, vielmehr e'.re er auf seinen Posten bei dem Herzoge. Kam ihm t-ch da- Errigniß überaugelegen, um leinen Plan sch:eller zur Ausführung zu bringen. Seine wohl überlegten Gedanken waren gänzlich vorbereiter. Die Soldaten empfing »n ihn mit Freubenrufen, denn sie wußte» wohl, baß ec der «iozige Helfer in dieser Noch sein konnte, und lief n ihn. freilich nicht ohne einen Strom von Spott» ind Hoknreben, durch ihre Reihen zum Portal des PalaiS. Nicht minder hießen ihn der Herzog und feinen Umgebung willkommen. Se. Durch» lauchr gingen ihm sogar einige Schritte, lebhaft entgegen, dachten an Ihre Grandezza, die Sie diesem Mann gegen» über sonst wohl zu beobachten wußten, nicht im Geringsten, sondern riefen ihm zu: „Kommen Sie, Leone, retten Sir un-, befreien Sie uns von diesen Schurken, deren Strafe ein bittere und nafnenlose fein soll." Leone nickte mir dem Kopfe, verbeugt« sich rief, und antwortete: „Wollen Ew. Durchlaucht mir eine Audienz in Gegenwart de- Herrn Marchese gnädigst zu gewahre» geruhen." Der Herzog wandte sich sofort nach einem seiner Privatgemächer, und winkte dem Marches« und Leone, ihm zu folgen. Der sonst so einsilbige Leone begann jetzt mit großer Klarheir und Ausführlichkeit dem Herzoge seine Gedanken au-einanderzusetzen. So, meint« er, wie er dijetzt ge» gangen, könne es nicht mehr gehen, wenn«micht eine Der» wirrung entstehen'sollte, in welcher Alle-untergeben müßte. Selbst wenn »jetzt die Soldaten zufrieden gestellt würden, so würden doch di» zerrütteten Finanzen eunmöglich machen, ähnlichen Vorgängen für die Zukunft vorzubeugen. Dadose Beispiel würde übrigendie Beamten zu ähnlichen Schritten vttlciten, und zuletzt di« ganze Bevölkerung bei >ed«r etwaigen neuen Steuer. Hülfe von außen dagegen zu requiriren, würde nicht bloder Würde, sondern auch der selbständigen ^Regierungdes Herzogentgegen sein, denn alle Nachbarn würden mit Vergnügen bi« Hand nach dem schönen Herzogthvm Lucca ausstrecken. Es müsse also ein radikale- Heilmittel gesucht werden, und diesebestände darin: Emüsse eia«, wenn auch noch so groß« Summe, etwa 1000,006 Dukaten bttbeigeschafft werden, um die drei Jahct, für welche die leinkünft« bereitver» pfändet wären, alle Ausgaben regelmäßig zu bestreiten, und deren Verzinsung lund Rückzahlrlng auf die nächsten 10 Jahrd veribeilt röerben sollten/ Au diesem Zweck« müßte aber «ine Finanzcommission erwählt werden, die ln unbe» dingter Selbstänb^keit nach den vorgeschriebenen Bedingungen