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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 11 (1866) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
11 (1866)
Date
1866-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ZWsches Volksblatt. ♦ Zur Belehrung unö HnterQnftung auf jüdischem Herausgegrbell voll Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Bonn. geüiele sNo. 11.1868.^ Bon btdo ZeitILnst erttbdnt «vchentli» ein« Nummer. Preis bet Safer« gongt X Zfelt. Biertefiaferig 7 % Ngr. Alle BudibantUmgen, Poftäiprer nnb Aeitnnöterveditionen nehmen BefWQungen an. [13. lalhrg. 1. Quartal. Die beiden Rivale. Audem vorigen Jahrhundert (Fortsetzung.) S. Ewar dem Marchese sehr unangenehm, baß der Her» zog sich da- Vergnügen gemacht, den Signor Perrz so kurz weg he» Hofezu verweisen, um ihn für seine letzte Weigerung, Geld zu schaffen, zu bestrafen. Es war dem Marchese unangenehm, weil dadurch sein $Um, die beiden Rivale miteinander wetteifern zu laffen, vereitelt war, und er hatte sich doch so viel Vergnügen davon versprochen, denn ihm schwebte noch immer da- Bild de- Langen mit dem spitzen Barte und de- Kleinen mir dem runden Barte vom Hofe de- Herzogvon Parma vor. Ader es gab' noch andere, denen dies« Wendung der Dinge und die Ankunft dehageren, einsylbigen, ernsten und doch präten, »ioauftretenden Neulingin Lucca fatal erschien. Vor Allem waren die Glaubensgenossen desselben über ihn auf» gebracht, theilweil sie jede Rivalität unter den Ihrigen für «ine Art von Berrarh anfahen, theilweil sie mit Per«; in Verbindung standen und an der Verwirklichung seineschönen Plane- Theil und Interesse hatten. Als daher Messer Leone am nächsten Eabbach in der Synagoge erschien, und dreist nach einem Sitze in der ersten Vorder^ reih« schritt, blieb die gewohnte Begrüßung au-, mit wel» cher jeder Jude einen Ankömmling willkommen heißt, in» dem er zu ihm tritt, ihm die Hand schüttelt und „Schalom alechem!" zuruft; die Aunächststehenden wandten sich vielmehr von ihm ad; auch erhielt er keine einzige der Au-zeich» nungen, welch« dem Fremden so gern bei der Vorlesung au-der Thora gewährt werden. Leone schien diese- Benehmen gar nicht zu bemerken, steif und ernst blieb er wie immer- und al-, gerade auder Opposition gegen die Borderreihen, di« Männer der-Hinterreihen bei seinem Weggang« audem Tempel sich zu seiner Begrüßung an ihn drängten, nahm er dies« Huldigungen mit kalt abwehrender Miene «nt» gegen. Diese, zu der weniger bemittelten Klasse gehörenden Leute entschuldigten solche- Gebahren mit seiner gerechten Entrüstung über da- Benehmen der Reichen und Vor» nehmen, und eentsprang darau-, wie bei jeder, auch noch so geringfügigen Veranlassung »ine Art Spaltung in der Gemeiade und man sah in den nächste» Tagen auf dy» Straßen de- Judenoierteldi« sich begegnenden Männer mir feurigen Worten und lebhaften Geberden disputiren, indem man sich dadurch «in Verdienst um den gekränkten Mann, der von so wichtigem Einflüße werden konnte, zu erwerben glaubte, ein Verdienst, daer nachträglich anerkennen und belohnen würde. Ader auch am Hof selbst trat ine solche Spaltung ein; denn jeder zu erwartend« neue Eir fluß flöhte den Einen Besorgniß. den Anderen Hoffnung ein, \t nach ihrer bisherigen Stellung. Und wenn daher >er eine Kammerherr bei der Anrede de- Messer Leone raul zu sein schien, und tdar, alS ob er ihn nicht sehe und höre, und der ein« Kammerlakai, alS jener gemeldet sein vollte, ihn angrinste und stehen ließ, rhat eia anderrr Kan merherr um so höflicher und freundlicher mir ihm und < in anderer Kammer, lakei sprang herbei, ihm mit großer; »Vorkommenheit §en gewünschten Dienst KU leisten. Ln «ine: kleinen Residenz d«S vorigrn Jahrhundertwar aber eigen! lich Alle- Hof oder hielt sich doch für «inen Anfang desseiden. Wa--oben im Schlosse vorging, h >Utr in kurzer Zeit blzur. letzten Hütte der äußersten Dorstadt wieder und o brachte ohne seine Schuld di« Ankun l de- Mess.r Leone «inen Riß in die Bevölkerung Luecas der mit jedem Tage seine- Derweilensich erweiterte. Alledielies sich Messer Leone wenige anfechlen. Er ging mir Besimmrheir seinen Weg. Zunächst thae er, alob er sich für immer in Lut-a viederlassen wolle. Er siedelte mit sei arm ganzen Hau-wesen von Modena über. Der Herzog bewilligte ihm da- Privilegium, sich au-aahmSweise aus »halb de- Ghetto,'- einzuwohnen, «in Privilegium, da- 'verez nie beansprucht hatte,>und davollend» den Reib u ad Unwillen der bemittelteren Alben der Stadt erregte. Da «tadlirte er sich mit seinem eleganten Haus, geräthe, davon seinen sonstigen Neigungen so sehr abstach. Seioe Familie bestmd aufeiner Krau nebst zwei Kindern,' einem achtzehnjährigen Jüngling, dem Ebenbild« de- Baters und einem sechsjäi rigen Töchterchen,« dem Edrnbilde der noch immer schön, a Mutter. Umgpag pflegte er mir Niemanden; wenn er nicht zu Hofe ging, oder da- Gotte-, Haus besuchte, war er stetzu Hause. Den« desto größer war fein brieflicher Verkehr, und täglich kamen und gingen Boten mir Briefschaften und Werth^chen. Di» Summe, li« Leon« dem Herzog durch den Marchese vorgeschossen hatte, war bald wieder audessen Händen verschwunden. . Den Hofstaat zst erhalfm, Fest« zu arrongiren, Geschenke au Günstlinge beiderlei. Geschlechtzu machen und mit dem verhaßten E^nte Harzardftikele |»\ treiben, kostet« viel Geld, und je «e^r der Herzog gerade in Händen hatte, desto unerschöpflicher «erschien eihm, d. h. desto schneller und leichtfertiger ward irverau-gabt. Der Herzog begnadigte daher Messer Leorje mit neuen Geld»

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