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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 10 (1866) · p. Seite 39

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
10 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 39 (sequence 3)
Language
German
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39 — einen Laden besitzen, sie durften kein Handwerk und keinen Handel dklreiden, außer Geld- und Trödelbandel. Wurden dies« Beschränkungen auch mannijfad) übertreten und die bestechlichen Beamten jchlossen di, Augen daiüder und die Bürger sahen r< gern, denn e» gereicht«;u ibrem eignen Bortheile, so konnte die» doch immer nur heimlich ge, schehen, und zog, kam ,S einmal zu.einer Klage, schwere Strafen nach sich. Perez hatte nun den Plan gefaßt, dem Herzog« dieseschwer« Unrecht mit einer bedeutenden Summe adzukaufea; dl« wohlhabendsten Juden de- Lande« darren sich hierzu vereinigt, und dedeurrnoe Mittel zusam» menaeschossen. Man verlangte, daß die im Hrrzogthum aagesi,bellen Juden überall wohnen und in allen ge, werblichen Dingen den Christen gleich behandelt werden sollten. Gerade oarum hatte Perez dem Verlangen de« Herzog« nach Geld vorerst nicht nachgegebea, um ihm die Verlegenheiten fühlbar zu machen und ihn dann geneigter zu finden, sich den Druck und da« Unrecht, die auf seinen jüdischen Unlertkanen lasteten, adkaufen zu lassen. Jetzt war dieser schöne Plan, dessen Gelingen man schon sicher vorau«qesehen, durch bi« Awischenkunfr de« Messer Leone, der für solche Dinge keinen Sinn und kein H)«rz harte, vereitelt. Darum ging Signor Perez mir gebeugtem Haupte und gepreßtem Herzen nach seiner bescheidenen Wohnung im Ghetto zurück. Er war ein Mann von untersetztem starken Körperbau. Wer ihm in da« meist milblächelnde Antlitz blickte, wußte sich nicht sofort zurecht zu finden. Denn bei vollem schwarzen Haar« und rother frischer Gr» sichtsfarde zeigte die hohe Stirn so tief, Querfurchen, und da- Gesicht so vir!» Falten, die sich besonder« um den schön geformten Mund zogen, daß man über da« Alter diese« Manne«, ob er dem frischen Manne«, ober dem Greis,»alter näher stände, zweifelhaft war. Und die« war auch ein Spiegelbild seiner Seele. Bittere Erfahrungen, schwere Prüfungen, harre Schicksalsschläge waren über diese« Haupt dahingegangen; aber sie hauen seinen klaren Geist und sein tiefe« liebevolle« Gemülh nicht zu verdunkeln vermocht und ein Heller Verstand und e«n edler Sinn hauen sich in ihm immer wieder siegreich durchgerungen. Er kühlte sich jetzt in ^Ur» seinen Interessen und Em, pfiabungen schwer verletzt^ukth dieser Gram zeigte sich deutlich auf seinem Antlitz; abermals er über die Schwelle seine« Hause« getreten, und sein zwölfjähriger Knabe, sein einzige«, au« einer glücklichen Ehe ihm gebliebene« Kmb, ihm entgegen sprang und ihm in da« Angesicht schaute, waren schnell die Furchen und Falten geglättet und der Knabe gewahrte nicht« von dem Kummer seine« Later«. (Fortsetzung folgt.) mir wohl, auch «in« »solche an Sie zu richten, wenn dies, auch etwa« »ehe Raum rinnehmen würbe, und nicht mit wenige» Zeilen ahsteldan sein könnt«. Ich denke m»r nämlich, baß «eiwej Frage auch eia allgemtkne« Interesse einschlirßev möchte; wo nicht, so sind Sie j<r Herr darüber, mir mit Stillschrigira zu antworten. Rur muß ich auch um freundliche Rachficht bitten, wenn ich mich nicht g«, wandt genug auszubrücken verstehe. Mein Wille ist der beste, und See lassia den Willen für di, Tbar gelle». An einem der schönen Winterabend«, die im vertraulichen Familienkreise so antzeimeln, und in die angenehmste S tim» muvg versehen, grweth ich mit meiner Tante in einen Di«» pur baräder: ob det Grundzug in der mmschlichea Seele mehr die Liebe ober der Haß sei, mehr ba« Wohlwollen und die Freud« Wodldrfinben seine» Nächsten oder die Mißgunst und biic Abneigung i Sie weiden mich fragen: wer von Ihnen beiden he» dauptetk denn da« eine, und wer ba« anderes wer stellte sich auf die Seile Uder Lied« und sah im Menschen de» lichten Engel mir den schneeweißen Flügeln, und wer neigt« sich zum Gegenrbets und eedlickt« dm Menschen io den schwarzen Schleier böser Leidenschaftlichkeit gehüllt t Ich bin rin Mädchen,!da« eben bi« Stuf« de« zwanzigsten Lebensjahre« erstiegm har, and meine Tanke ist «ine ältliche Dame, die bereit« ein halbe« Jidtkunderr mir dem Leben gerungen und diesen Kampf siegreich bestand.» har. Sie setzen daher chührscheiolich voraus, baß ich, befangen in den rosigen Trumen der Jugend und mehr mit den bunten Bildern der Eiodildongskcafr beschäftigt, .ai« mit den ernsten Erschetübmge» der Witklre! teil. "die »Menschen durchaus nur mit t>|n verklärten Züge» der Lieb« zeichnete, während meine Tante, bi« erfahrene m» vielgeprüfte Fra», di« Schatkenserre» de« Slaudgedorenen$i viel kennen gelernt hätte, al< baß diese vn ihm nicht allzl sehr für sie hekvor» treten sollt«». Ave» khälen Sie vie«^ g,,Heere Herr, s« würden Sie sich doch! geirrt haben, denn da« Entgegengesetzt» Liebe oder Haß. X Ein Brief un d eine Antwort. I. Geehrter Herr Redakteur! Sie baden in der jüngsten Zeit im Jüdischen Volksdlanr ang,fangen, Kragen, bi, man an Sie stellt, zu beantworten, und ba erlauben Sie war der Fall. Ach;I meine Tante ist so sanft und mild, stet« so gütig und fre»»bl1ch, daß ihr Eesch men schon den Frieden mit sich dringt. Sie war mir und nein«» Geschwistern seit dem frühzeitiges! Tobe unserer M» tter di.' liebevollste »Pflegerin und Erzietzeri». Sie dlied t nverheiratber. denn sie harre in ihre, Äugend den unrndlj den Schmerz einer dirreren Täuschu»g von Seiten dessen z» erleiden gehabt, dem ihr ganze« Hetß gehörte. Ader fle har diese« Wed überwunden und n«r »ine sanft« Sch vermuth, bi« über ihr Wesen ausgegossm, dlied al« da« Wahrzeichen zurück ' vo» dem schweren «mpfe, den sie du chzustreiten gehabt. Die« hindert sie «der burchau« nicht ber Jugend ihre Heiterkeit zu gö»»e»! ond mir dem Fr ylicheu fröhlich zu sein. Sie verbringt ihr Leben rm Woi ltdun und Anderen wohlznthun. Gewiß, mein Herr, am» Eie würben fi,\ liehen. wenn Sie fie kennten; denn ch bilde mir ein, daß Sie alle« Gute und Edle lieben, »o und wann Sir 'es antrrffm. Ader um so mehr «erben Sie mich weiter fragen, wi, so da« junge Mädchen zu dieser Ansst avung und zu ber festen Behauptung gekommen, daß da« Böse in dem Herzen de« Menschen die Odberrschaft habe? Ich will ,» Jhnen offen gestehen. Di« Quelle, au> der die« für mich geflossen, und der Umstand, auf de« ich mich d^hei berief.

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