Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 10 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 2)
- Language
- German
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— 38 ..Hak tr Privilegien zu verkaufen!" „Man muß dieselben erfinden." „Har er Kronjuwelen und eigne Kleinodien« „Deren besitzt er viele und kostbare; sie sind seine Sieb* Kaderei. seine Lriden'chaft; aber er giebl kein Stück auS »einen Händen, und auf sie ist ntdu zu rechnen." Eine peinliche Stille rcak ein; kröne frug nicht weiter, und stand nie in Zinnen verloren; dem Marchese Kakle eine Fluch von Worten zu Gebote gestanden, aber der eine Blut des Mannes Kalke ihm gesagt, daß Beredsam, keit Kiec gar nichts ausmache, sa «krr die Angelegenheit . erschweren könnte. „Gut, Herr Marches. Kob der Schweigsame endlich an. Ich weiß bas Alles. Die Domänen sind sämmrlich überschuldet; die Einkünfte ZaKre lang voraus verzehr?; Aemler und Monopolien auf lange 3mm verkauft und die Ju- . welen gab der Herr Herzog bis,etzl nicht beraub Dennoch will ich ihm zu Willen 'ein. Wie viel brauchen Siei't ..Wir' brauchen eine große Summe, denn die Garden und Beamten muffen besoldet werden, und der Herzog will ledrn. Doch werde«; wir vorerst mit 10,000 Dukaten zufrieden sein. Dies« muß ich mitdringen, Ihr kommt dann persönlich zu Sc. Durchlaucht und werdet da- Weitere mit Ihr verhandeln/' ,Zhr könnt sie adholeu lassen/' „Und was wollt. Ihr dafür!" „Einen Schein von Euch im Namen des Herzogs. OaS Üebrige werbe ich diesem selbst sagen." „Ich werde das Gelb Keule in Empfang nekm.n lassen." Mil diesen Worten machte der Marchese die Geverdc des Abschieds, Messer Leone verbeugte sich abermals tief und Pie Unterhandlung war zu Ende. 2b der Marchese leichten Herzens seinen neuen Bekannten verließ, können wir nicht sagen. Seine Mission war zwar gelungen, und Geld bracht,'er auch mir. Ader ein bange» Gefühl, dessen ec sich nichr erwehren tonn«, schien ihm Unheilvolle« aus diesem Geschäfte wie au» einer gekeimmßvollen Tief« dervorgebend anzuküabigen. Als er aber erst die glanzenden runden Münzen in seinem Besitze sah, schüttelte er mir gewohnter Leichtfertigkeit diese unangenehmen Empfindungen von sich und eilte mit' Postpferden nach Lucca zurück, wo er, wie er wußte, mit offnen Armen empfangen werden würde. Doch wir wollen unsere freundlichen Leser nichr mir ge, heimnlßvoUea Gefühlen^lagen, sondern den Grund enthüllen, weshalb Messer Leone so. derertwillig sein« schönen Duralen dem vtrschweaderischrn und verschuldeten Herzog dingad. Denn so karg dieser Mann mir seinen Worten gegen Andere war, so wenig war er eS damit gegen sich selbst, und schnell und feurig rollten ihm di« Gedanken ualerhald seines mir wenigem grauen Haar bedeckten Schädels. Leone war nicht dios gtlbgeizig, er war auch ehrgeizig, und bas 3nl’ feines Ehrgeiz,« war, alle feine Genossen bei feinem Lande«, Herrn, dem gestrengen Herzog von Modena, auszustechen; sein höchster Traum, des unbedingten und alleinigen Ber- 'lrauenS dieses Fürsten gewürdigt zu werben, eine« Dertrauen-, bas freilich sich auch, zu baarer Münze auSpragen ließ. In damaliger Zeit war nun bei den Fürsten allgemein 'eine außerordentliche Borliebe für Juwelen und Pretiosen aller Art herrschend, und wer Gelegenheit bat, die Kabinette alttrer Fürstenhäuser in Augenschein zu nehmen, findet darin noch jetzt die von den Dynasten des vorigen Jahrhunderts aufgehäuflen Schätze an Edelsteinen und Kleinodien angebracht an allen Pcunkgekäßen und Schmucksachen der verschiedensten Art aufbewahrt. Wenn schon nach der Aussage des Marchcst der Herzog von Lucca diese Liebhaberei od,r Leidenschaft harre, so begrenzte sie sich der ihm doch nur, das zu behalten, was er hieran ererbt ober in besseren Zeiten erworben harke. Orr Herzog von Modena hingegen war von der Wutd beherrscht, immer mehr un» immer ausgezeichnetere Kleinodien zu erlangen, und er saugte zu dirstm Zwecke ohne Anstand sein Land aus. Der konnte Gunst gewiß sein, welcher seiner Begierde hierin frödnre. Und die Juwelen deS Herzogs von Lucca hatten einen großen Ruf. und der Mobenrse war seit langer Zeir eifersüchtig und begierig darauf. Des Herrn Leone Ziel war daher einfach, diese Sckätze in seine Hand zu bekommen und sie seinem gestrengen LandrSherrn zu Füßen zu lcgen, natürlich nichr als Geschenk oder Tribut. Hierzu aber war nothwenoig, goldene Kellen um die Arme deS Herzogs von Lucca zu schlagen, und die 10.000 Dukaten waren die ersten Glieder dieser Kette. Ob der Herzog von Lucca jenes ^ängstliche Gefühl mit seinem Höfling tbeilre, alS Messer Leone seine Aufwartung bei ihm machte! wenigstens hing ec demsclden nicht nach; sondern dacht« nur daran, >n dein neuenrdeckren Bergwerk» recht starke Goldadern auszudeuten. Was hatte auch ein souveräner Fürst des achtzehnten Jahrhunderts ängstlich zu sein! Desto schwerer traf der Schlag den Signor Perez, als er am folgenden Morgen sich zur gewöhnlichen Stünde zur Audienz einfanb, und der Herzog ihm bedeuten ließ, er habe weder Veranlassung noch Zeir ihn zu sprechen und I Perez sollt« sich überhaupt im herzoglichen Palais nicht wieder emstrllen, bevor er berufen würde. Mehr als in einer Beziehung fand sich Per«; hiervon wie niedrrgeschmettert. Er batte eine wahrhafte Liede für das herzogliche Haus, dem seine Familie schon seit langen Zeiten gebient, und «t kannre seinen neuen Rivalen zu gut, um nicht «ine Gefadc für den leichtsinnigen Herzog, der ohne Bedenken zugriff, wo er -Geld fand, zu ahnen. Ader auch er selbst und seine Freund« theiltrn diese Gefahr; denn wenn er auch für mehrere Anleihen, di« er für den Herzog besorgt, Hypotheken und Pfänder hatte, so waren doch auch beträchtliche Summen in die Hände des Herzogs und seines Vorgängers auf bloß« Schuldverschreibungen dieser Potentaten gegangen, und was sollrea sie tdun, wenn der Herzog diese weder bezahlen konnte noch wollte! Ganz besonders aber kränkte es Perez, baß ihm jetzt ein Plan vereitelt wurde, den er gerade in der jetzigen Verlegenheit deS Herzog« zur Ausführung hatte bringen wollen. In keinem italienischen Staat« ober Slaarchen nemlich waren die Gaubeasgenossen Perez noch so beschränkt und bedrückt, wie im Herzogthume Lucca. Wahrend sie in Toskana damals schon große Freiheiten besaßen, waren sie in Lucca in eine klein« Gasse «ingeschlosseo, die mir Mauern und Tboren umgeben war. welche bei Sonnenuntergang gesperrt wurden. Sie durften in der Stadt weder wohnen, noch X