Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 10 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Polksblatt. Zur -tieleürung unO Unterhattunq auf jüdischem Hebiele. Herausgegeben von | Rabbiner Dr. Ludwig PhiliPpson in Bonn^ rn. . A . ein# i t»e» Mricr .HrltiMIl (iM<ui »MbcaUtA timt NU««er. V»i« »t« 3flferrin _v . . , Wo. 10. 1866j 1 *»«; S3XS5X?& s!2. AsKjsg. 1. Hvsrtsl. Die beiden Rivale. (Fortsetzung.) 2. Der Herzog von Lurca befolgte den Ratb seine- Hofcavalier» wörtlich, ohne jedoch guten Erfosg zu haben. Denn der Herzog von Modena antwortete bnn lieben und getreuen Vetter, daß er zwar viel, Juden in seiner Resi» benz habe, aber nicht viele, die Geld zu verleihen hätten, und noch weniger», die ihm Geld leiheten, so wenige, baß er sich keines dieser kostbaren Instrumente, um den stetleeren Staatssäckel von Zeit zu Zeit zu füllen, berauben könnte. In Folge dessen mußte sich der Marches» selbst auf den Weg machen, in Modena die Erfüllung feines Raches zu de» werkstelligen. Er Hane aber auch hier von einem zum änderet zu laufen. und konnte nichts erreichen, denn die Einen weigerten sich, weil sie de« Herzog von Lucca allzu verschuldet erachteten, um sich noch mit ihm eiuzulasse«, di» andern, weil sie dem Signor Perez keine Eoncurrenz machen wollten, einem Manne, der in allgemeiner Achtung stand. Endlich blieb dem Marches, nur noch »in nam» Hafter Geldmana übrig, der Messer Leone, der freilich den übelsten Ruf eines Geizhalses genoß, von dem man also voraussrtzea mußte, baß er seinen Bortheil in allzu großem Maße wahrnehmen und unter harten Bedingungen die härtesten stellen werde. Der Marchese war daher sehr überrascht, als er bei Messer Leone «intrat, und in ihm eine» fein ausstaffirten Mann mitten in einer ganz eleganten häuslichen Umgebung fand. Leone harre von dem Herzog bei irgend einer Gelegenheit bas große Borrecht erhalten, als Jude einen Degen an der linken Seite tragen zu dürfen, «ährend sein» anderen Glaubensgenossen, wenn sie überhaupt einen anlegre», dies nur auf der rechten Seit» thvn durften. Er ließ ihn daher niemals von der Seit« — nur weiß man nicht, ob er einen solchen auch auf dem Schlafrock trug. Dabei kleidete er sich am liebste« in schwarzen Sam« mer — der gelbe Flecken war in damaliger Zeit längst von der Brust der Juden verschwunden. ,E< war ein« lange und magere Gestalt, die aber dennoch durch ihre Haltung nicht ohne Würde war und gewissermaßen imno» nirte. Welch' rin merkwürdige-Gesicht halt, Messer Leon«! Es glich auf ein Haar einem umgekehrten Dreieck, dessen Basis die breit« und hohe Stirn, dessen Spitze das sehr spitz« Kinn mir dem noch spitzer laufend m Zwickelbart bildete; die eingefallenen l Backen zeichneten scharf die Seiten, (Inten des Dreiecks. Unter der kantig« > Adlernase befand sich eia kleiner, zierlicher Mund; aber bei jedem Worte, bas er sprach, entblößten die schmalen Lippen sehr weiße lange und spitze Zählst, was' ihm gfner sehr fremdartigen Ausdruck gab; doch bbt sich dieser Anblick nicht allzu «ft bar, denn der Mann war mir sein,» Worte« so zurückhaltend «i, mir seinem ^Gelde. Dabe harre der Messer die Gewohnheit die Augen fast immer aiedergeschlage« zu haben; hoben sich da an feine Lieder, s» wurde man von dem Feuer der groß», schwarzen Auge, betroffen, einem Feuer, das eher zu ünden und zu »erdrmne», als zu wärmen schien, so uv heimlich war die Glurh, di« plötz» ltch auf den Angeschaaren strömt,, un> sich einen Weg in die innersten Gebar km und Gefühl, »esselden bahnen zu wollen schim. Man merkte, daß man es hier mit einem überlegenen Geiste zu tdun habe, der r ur den Augenblick erharrt«, wo er sich einer Leute demöchtigm könne, die sich ihm dann schwerlich zu entziehe» v-rm-ge. Der Marches«, der seinm Besuch an gemeldet hatte, trat also ein, und fand Lern« in der Mitte >,s Gemachs aufrecht stehend, in sein> r Gallakleidung n it.bem Degm an der Unken Seite, dl» Arme unrergeschlai,n. Als der Ca» vatier ihn mir einer leisten Handdewegur g begrüßte, machte er' »ine riefe Verbeugung, sprach aber ^ein Wort. Der Marchese begann bahn, wie er von dem Herzog« twn Lurca mir einer Sendung deiraur, von dem H rzog von Modena an ihn gewiesea sei, und nun hoffe, »en rechten Mann gefunden zu hadm, um wichtig, Gesi,äfte seines Herm auszuführen. Leon» bewegte weder Ai gm noch Mund, und der Marchese mußte fortfahren. Eführte aus, daß dies, Geschäfte sehr vortheilhafte Geldgeschäfte seien, bl», übernommen, eine Forts,tznng für alle & uukunft verheißen, und lobte di« Freigebigkeit feines Parroi;f und die Ehrentitel, die dieser ihm ertheilm würde. Nach einer-Paust! hob endlich Leon an: „Excellmz dabe» dasselbe dem Medigo, dem Bmuw, dem Ricardo, dem Torr« und dem Üacuto schon gesazt und aijz haben Nsin geantwortet." I'Unb hierbei öffi ete er weit seine großm Augen und starte dm GesaadtM des Herzogs von kucea an. Dieser fuhr fast erschrocken zurück, biß sich auf die Lippen, schüttelte aber bald bas Haupt und sagte: „Nun gut, Messer Leone, und was sagt Ihr?" „Hat der Herr Herzog Güter frei?" „Er dar viel« und . groß« Domänen."