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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 9 (1866) · p. Seite 34

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
9 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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34 taict aussctzen k Was refpekliren diese Menschen noch, , - wenn, 0* straslcs ju Metten glauben können? Im eignen Lande, gegen die eignen Gerichtshöfe, unter den Augen j ihre- Monarchen, rot den Thoren ihrer Bastille schweigen sie nicht, sondern verspritzen furcht- und schamloihren > Geifer. Soll ich mir Verweis, von meiner gnädigen Base in Wien, Drohbriefe von meinem Detter in Florenz ju* ' ziehen? Ich habe der diplomatischen Bitterkeiten genug! schon verschluckt, und meiner Feinde sind so viele, daß der \ erste Ruf solcher gewaltthätigen Schrine die Meute gegen | mich lo-lassen würde. Gebt besseren Rarh, Marchese:" Dieser besann sich einen Augenblick. „Nun Durch- : laucht, ich habe Meinen Rach auch gar nicht wörtlich ge- > meint, vielmchc verstand ich ihn in figürlichem, d. h. mo» j ralischem Sinne. Urlauben Sie mir, daß ich Ihnen diesen , durch ein Geschichtchen erläutere. Zn meiner Vaterstadt " Verona gefiel eS dem Podesta einmal, einem Bäckergesellen, , der seine Köchin heirathen wollte, ein Privilegium zu verleihen, ein Backhaus neben dem einzigen Bäcker der 7Llir stadt erabliren zu dürfen. Die Folge war, daß der alte Bäcker, der über diese Ungehörigkeir vor Wueh schäumte, auf ernmal Me best», größte und wohlfeilste Waarr statt seiner früheren schlechten, kleinen und theuren lieferte. Der Neue Bäcker mußte ihm die Spitze bieten, wenn ec auf» kommen wollte, und gab seine Waare von noch besserer Qualität und zu noch geringerem Preise. Der alt« Bäcker; sah seine Kunden den neuen Laden stürmen, und überbol, seinen College» in seinen Leistungen; und die« trieben ' * beide so lange, bis sie beide an den Bettelstab gekommen. ' Da« Publikum harre unterdeß die herrlichste Waare-ge» | habt, und jeder der beiden Schlucker Halle die Befriedigung, seinen Nrbenmeistec im Elend zu sehen." Der Herzog, «in Freund von kleinen Geschichten, hatte aufmerksam;ugehvrl, fügte aber nun hinzu: „Und war soll ich au« dieser Geschichte entnehmen?" „Das werben Ew. Durchlaucht sofort'erkennen, wenn Sie mir Zhr Ohr noch zu einer anderen kleinen Erzählung leihen. Vielleicht wissen Sie, gnädiger Herr, daß ich meine ersten Pagenstreiche an dem Hofe Herrn HerzogS von Parma auSzuüben Gelegenheit hatte. Nun, dieser kluge Fürst hatte zwei Hosiuden, ich glaube, sie hießen Signor Giacomo und Signor Hyacinlho; der eine war ein langer hagerer Mann mit spitzem Zwickelbarle, der andere ein kleine«, rundes Männlein mit rundem Bauch urrtf rundem, vollen Bart. Der Herr Herzog, wenn er klein« Geschäfte hatte, beehrte bald diesen, bald jenen damit, und die beiden waren dadurch zu grimmigenFeinden geworben. Gab e« ein große« Geschäft, ließ er sie beide zugleich vor sich kommen, und trug es ihnen vor. Schüttelt« nun der Lange mit dem Kopf und dem Zwickrlbart: das wäre zu viel, da« ginge nicht — so nickte der Kleine mit dem runden Barte und meinte: es ginge wohl und er wollte e« übernehmen. Forderte er seine zwanzig Pro- . zent Zinsen, und seine zwanzig Prozent Provision, so fiel der Lange .ihm in die Rede, er wolle «s für neunzehn 'thun. Oer Kleine bliefr ihm nicht« schuldig und fordert« nur achtzehn. Und so gingen sie herunter bis der Herzog seine Wünscheauf« Beste und um den geringsten Prei« erfüllt sah. Freilich ging es nicht immer so friedlich ad, die beiden Kampfhähne geriethen mitunter in Wurhx-fie murmelten Schimpfwort« in ihrer kauderwelschen Sprache und bisweilen ging da« Gemurmel in laute« Geschrei über. Za, ich erinnere mich, daß der Lange und der Klein« sich einmal vor dem Herzog und seiner Gemahlin lammt dem ganzen Hofstaate soweit vergaßen, daß sie sich beide in die Bärte geriethen». bevor der erstere sein Ziel erreicht, hatte der Kleine durch einen Sprung den Zwickeldarl de» Andern schon ersaßt, und Durchlaucht können sich vor» stellen, was das für Kopfnicken und Zerren der beiden Helden adgab, und für ein Lachen auf Seilen der Herrschaften und Höflinge. Schon singen sie an. sich auch mir den Fäusten zu bearbeiten, al« der Herzog mit seiner Feldherrnsiimme Frieden gebot . . . Jetzt, Durchlaucht/ verstehen Sie meinen Rath. Schreiben Sie an Ihren Herrn Detter zu Mantua, er solle Ihnen einen anderen reichen und gewandten Juden schicken; dorr ist Uederfluß daran. Sieht erst der Herr Perez einen Rivalen an seiner Seite, so spannt rr sicher ganz andere Saiten auf, und wa« die Sonne Ihrer Gnade von seinem Golde zu schmelzen und flüssig zu macken nickt vermag, dg« wird da« Feuer der Eifersucht und de« Neide« schon hinlänglich lhun." Da« Antlitz de« Herzog« hatte sich bei dieser Erzählung allmälig elhekttrt; er hatte herzlich gelacht und rieb sich vergnügt die Hände. „Das ist trefflich, ries er einmal üoer da« andere au«; da will ich den Schurken Perez bezahlen, und die beiden Juden sollen mir nicht eher an« den Händen kommen, di« ich ihnen den letzten Tropfen ausgrpreßt. Wahrlich, Marchese, Ihr müßtet Premierminister von Frankreich sein; Eure Gaden eignen Euch dazu. Doch kommt jetzt, wir haben ein Frühstück verdient für unsre Becarhung, und dieses soll un« nun munden." (Fortsetzung folgt.) Die Wegsührung ins Exil. Wiederum ist'« ein „Biblische- Bild," worüber wir heute zu referiren haben. Erührt von demselben Meister her, über dessen Tableau „Der Tod Adels" wir im „Jüdischen Volksblatt" Nr.. 41 Jahrg. 1tz65 einen kurzen ' Bericht geliefert haben. Dießmal aber hat Herr Bend er i mann in die Geschichte de- „Jüdischen Volkes'* tief I hineingegriffen und die schrecklichste Katastrophe de-, ‘ selben zum Gegenstände seiner Kunstdarstellung gewählt. Sein neueste- Bild zeigt uns: „Die Wegführung der , Juden in dis babylonische Gefangenschaft." — Wir aber und woburch^ist dieser Grundgedanke de- Werte» au-gr» , brückt? — Wir sehen Babel- König Nedukadnezar; im Triumphwagen — und diesem folgend: den, seines! Augenlichtgewaltsam beraubten, jüdischen König Zederkia mir den Vornehmsten seine- Volke- und der, von J Priestern getragenen, heiligen Bundes labe. — Der Hinte ri grünt zeigt, — in buntem und dennoch höchst malerischen» 1 Durcheinander,— die nachziehrnde Menge trauernder i Männer, Weiber und Kinder, wahrend der Vordergrund eine ehrwürdige, hehre Gestalt erblicken laßt, welche — fast mehr noch aldie degedlenbeten Zebeki» — unser Auge fesselt. Es ist der Prophet Irremia-, wie er, z urückdleibend, von den Juden al- „Derrather" beschimpft wird. — Wahat sich bei diesen Pin» I selstrichen nicht Allein der poetischen Phantasie de-

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