Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 8 (1866) · p. Seite 31

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
8 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 31 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/4908862-5999396-6026787--3170-4911387
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

31 Kleinodien ,u repanren. Bei Beginn der heissen Zähre«, zeit verließen sie diese Oase, um in ihr Vaterland zueückzutedren. Rach Verkauf einer gewissen Zeit ließen sie sich wirklich dort nieder und dilderen eine ziemlich starke Gemeinde. Wir sehen im lüten und löten Jahrhundert einige wohl» unterrichtete Raddiner in Beziehung mit den Algier'schea Rabbinern: Zemach Duran, Enkel de« Raschbey und Sa» lomon Duran, Urenkel de« Zemach, richten kasuistische Antworten an sie. Sie haben gleichfall« ihre Beziehungen mit den Juden des umliegenden Lande«. Auch ihre Le» krhrung, die wirklich startgefunden, fetzte All,, die sie kann» len, in Erstaunen. Heutzutage giedt es zwei verschiedene Berichte über die Art und Weise, wie dies« Bekehrung ihnen aufgezwungrn wurde. Die erste und di« romanri» scheste und univahrschrinlichste schreibt sie der Liebe eine« Ben» Djellah für eine junge Jüdin zu. Dieser B«n» Djellah war der Kürst de« Lande«. Bey oder Pascha, un, abhängig in Folge der Lage de« Lande«. Er war verliedr in rin junge« israelitische« Mädchen und wollte sie zu seiner Frau oder zu einer feiner Frauen machen, aber unter 6er Bedingung, daß sie zum J«lam übergeh,. Er hätte sie zu seiner Sklavin machen können; aber vielleicht wollte er bei dieser Gelegenheit keine Gewalt und Tyrannei an» wenden, und suchte sich geliebt zu machen. E« gelang ihm; aber dajunge Mädchen wollte nur einwilligen ihre Religion zu ändern, wenn alle die anderen Juden sich gleichfall« bekehren würden; sie wollte nicht vor ihren Glaubensgenossen zu errörhen haben. Ben» Djellah, von dem einzigen Hindemiß, welche« noch der Erfüllung feiner Wünsche entgegeastand, unterrichtet, beseitigtes« sogleich. Er ließ di« vornehmsten Juden zu sich rufen und benach, richrigte sie, daß sie binnen drei Tagen entweder Musel» männer werden, oder da« Land verlassen müßten. Der andere Bericht ist viel wahrscheinlicher und mehr den Sitten de« Lande« und der Zeit angemessen. Gegen die Milte de« letzten Jahrhundert« war Ben »Djellah, der Großvater de«;enigen, welcher Herr über Tuggurt bei der Ankunft der Franzosen in Algier war, wie sein« Vor» fahren unabhängiger Fürst und Herr über diese Oase und da« umliegende Land. In jedem Jahre feiert« man seinen Geduct«tag durch «in öffentliche« Fest. Die Juden, wenn sie auch gerade keine Ursach hatten, mit der Lage, die er ihnen bereitere, zufrieden zu sein, nahmen nicht« desto weniger daran Theil und überreichten in jedem Jahre dem Fürstrtz^reiche Geschenke. Diese de» standen fast immer in einigen Kleinodien, denn -die dama« ligen Juden von Tuggurt, wie alle heutigen au«Kabylira, waren Goldschmiede. Vor ungefähr einem Jahrhundert, erzählt man, verfertigten sie einen Datteldaum, dessen Zweige von Silber und dt« Früchte von Gold waren, und am Freitag, al« Ben» Djellah au« der Moschee kam, wo man^setnen Geburtstag gefeiert hatte, überreichten die Juden ihm denfel» den. Dieser entzückt, erstaunt über die Arbeit, beschloß sie zu belohnen. Er versammelte die vornehmsten Häuptlinge und befragte sie, auf welch« Weis« er die Juden belohnen könne. Man schlug Verschiedene« vor, aber vergeben«: Einer irgend «in reiche« Geschenk, Freiheiten; «in anderer einen Erlaß von Steuern. Plötzlich sagte einer von ihnen zum Fürsten: „Wenn du sie auf ein« ganz außergewöhn» licht Art belohnen willst, bewillig« ihnen die Erlaubniß überzutretm und die Ehre, sie al« wahre Gläubig« zu empfangen." ° ' 1 Dieser Rath gefiel Jedttmaaa; pea» Djellah nahm ihn an und wollt« e« sogleich den Jstden mtnheilea. Er ließ den Angesehensten unter ihnen, he« Mokadbem oder Gmzdar, zu sich bescheiden; er drückte ihm seineganze Befriedigung über da« Geschenk der Jstdea au«, sowie auch die Art, wie er sie dafür zu belohnen, gedenke. Der Mo» kaddem, al« er die Worte de« Fürstet» vernahm, war erschrocken und konnte nicht antworten.! Ader bald, seine» Schrecke« demristernd, dar er den Füristrn um die Erlaub» niß, feinen Vorschlag den Juden niitzutheilen. Ben» Djellah, obwohl erstaunt über ben Schrecken, welchen der Jude bei der Anhörung seiner Wortt gezeigt hatte, ließ ihn trotzdem fortgehen. >Aber wa« ion noch mehr über» mschte, war die Antwort, die er am anDern Morgen erhielt. Die Juden kamen, und warfen sich Ihm zu Füßen, de, schworen .ihn, dem nicht Folge zu leist n, wa« er für eine Bekohmzflg für sie hielt, sie feien Jud n und wollten nur Eine«, und zwar al« Juden sterben. Ben»viellah. welcher glaubte, ihnen «in« ganz auße gewöhnliche Gnade angebelhea zu lassen, würbe wüthend »der eine solch« Zu» rÜcktvrisung und befahl ihnen zu wählen binnen vier und zwanzig Stunden zwischen" dem J«l. m ober dem Verlassen de« Lande«. Groß war die Br iürzung der Juden; sie konnten nicht hoffen den Zorn de« Fürsten zu beugen, den» er fühlte sich in feiner Eigenliebe und 'in seiner Re» ligton beleidigt. Biele flohen in der Kacht in der Richtung nach Mzab, Tmassta, Bi-kra BorSaaba und anderen benachbarten Städten; aber Lm» Djellah ließ sie verfolgen und eine große Anzahl von ihnen wurde ergriffen und enthauptet. Alk« Uedrigen, dieses« Schicksal vorau«» sehend, ergaben sich diesem grausames» und tyrannischen Befehl: sie nahmen den J«lam an. j Roch heute erinnert de» Name, welchen die Nachkommen dieser Bekehrten tragen, an di« Tbatwchen dieser" zweiten Erzählung. Man nennt sie die Mehldjerin (die Wohl» belohnten).! Weit entfernt in einer Art Ghetto Eingepfercht zu leben, wie e« der Eorrespondent de« Journal Lbronicle sagt, find sie im Gegenkheil Eigenthümerr von! fast allen Gärten und feuchten Plätzen der Oase. Oer Handel ist fast aulfchlkeßllch in ihren Händen. Alle haben schon die Pilgerung nach Mekka gemacht, selbst bi, Frauen. Lirl« haben sie schon mehreremal gemacht; flr sind eifrige Muselmänner und selbst fanatische sagt man Sie lieden nicht die religiösen Gesvräch«. Eingeborene Israeliten wollten auf der Durchreist nach Tuggurt mit ihnen Unterhaltungen über Religion anknüpfen; aber sofort unterbrachen sie deren Red, und sprachen von andtren Sachen. Ja» dessen schließen sie keine Heieathea mit anderen Musel» männern; Vesdald har sich ihr Typu« «ei», und brr Name Mehadjeri« erhalten, wie für di« Retzchrtsten Spanien«. Man muß diese Tharsachs zwei Motiven beimessen: da« ist, daß sie stldst im Anfang isolirt und ohne Verbindung mit den Mustlmännern bleiben wollt«, au« einem gewisse» moralischen und rsligiöstn Widerstreben; sie hofften ohne Zweifel zum Judenrhume zurückkehren zu können; brr andere Grund war, daß di» wahren Muselmänner wenig Achtung für di« Uebergetretenen haben, und sich aller Gemeinschaft mit ihnen «athalttn.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.