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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 8 (1866) · p. Seite 30

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
8 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 30 (sequence 2)
Language
German
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I + 30 — j eich', geh' tau« au« Polen, du bist jetzt 20 Jahre alt, sie werden dich auch sortschleppen in den Krieg; —komm' 'rüder nach Schlesien; besser ist'« von Almosen leben in Preußen, al< Korach« Schatze zu besitzen in Polen. Sieh' brr gut an den Zettel, den ich für dich ausgeschrieben Hab': da findest du alle Oerter ausgeschrieben und alle guten Menschen in Schlesien und in Sachsen, wo du wirst bekommen Speis und Trank und Geld und ein freundlich Gesicht und gute Red.' Weist du, Herfchleden, mein Goldstück, zwei ganze Mebine« (Provinzen) hinterlaß' ich j dir, zeitlebens brauchst du keinen Kummer zu haben, keine Daker ist? Niemand weiß e« —"ist er doch KriegSn^ann! Noch zu leiden und kein Soldat zu werden, und du kannst gewesen und vielleicht bleichen seine Knochen braußei! in | ein Weid nehmen, und deine Kinder brauchen auch nicht Persien, wo er für den Kaiser hat Krieg führen müsen. ^.Soldaten zu werden. Bleib' gesund, Herschleben, Krone, Deine'Mutter ist gestorben vor Gram, vor Weh - sie , öu Einzige«, was mir geblieben ist von meinem Reichwar noch keine zwanzig, Jahre alt. Und dein Groß ater khum; Her; meine« Herzen«, bleib'unter dem Schutze de« Alexander — siehst du, Herschleben, da« bin ich — ich f Herrn, de« Gotte« Israel, gepriesen sei er jetzt und immer! bin geworden unsrer und fluchtig und bin doch kein , kam — Da« schreibt dir dein Großvater Alexander Mchrdesstr. ..Mein'lieber Enkelfohn Herschleben! Die LO Thaler sind dein; dein Großvater, der lalle Alexander, hinterlaßt sie dir al« Ecdrheil. Dem D tter Schamsche sage nicht« davon, zeige ihm auch diese« Schr« den nicht. Weißt du noch, Herschleben. Krone meine« Leb o«, wer der alte Alexander ist, denkst du noch an deinen G wß» oattc? Nein, du kannst dich "nicht erinnern; warst du >och noch nicht fünf Jahre alt, al« sie deinen Vater bei der Nacht fortschlepplen in den Krieg und. al« deine« Beter« Barer dem bösen Kosak den Säbel wegriß und ihn schlug, baß er wol wird nicht mehr gelebt haben. Wo Idem gewesen, und ich bin überda« Wasser gefchwommer im Winter die Ctrazniks hinter mir her mir Pis ölen und Säbel — und ich bin glücklich gekommen übe, die. Grenze in« gesegnete Schlesierland, wo unsere Bruder Kinder Israel« — Gotte« Segen über sie! — mich verborgen haben und gespeist und getränkt und geklridet und gepflegt in der schweren Krankheit und wir Gelb ge. eben haben auf den Weg. Und ich habe die Welt durchreist, O. am Rusttage de« Sadbath« am 5. de« Monast« Elul im Jahre 56.. seit Erschaffung der Welt."! Da« diesem Briefe deigelegte Derzrichniß nannte »tW Menge von Städten, Städtchen und Dörfern, Nam!rn von Gemeindevorstehern, von Armrnvorstehern, von Männom und Frauen in Schlesien und Sachsen mir genauer Angabe, wo und auf welche Unterstützung man rechnen könnt« und wie man sich udrrall zu verhalten habe, um feinen wie taufend Andere au« dem unglücklichen Polen^and, , Zweck zu erreichen. Man hätte ,« füglich tiwliren können: und ich habe gelernt, daß überall gute Menschen wohnen, ..Wegweiser für Schnorrer und Solche, die e« werden die Mikleid haben mir dem armen Schnorrer. Gorr^ ge» ' wollen." 1 lobt fei er, har mich erhalten gesund und hat mich nicht Man erkundigte sich vorsichtig, aber genau, wo Hersch, Noch leiden lassen, und au« den Hellern, Kreuzern und leben wol zu finden wäre: man erfuhr, Dziadkowo sei bin Groschen, die ich habe geklaubt in Schlesien und in Sach« , kleine- Oertchen bei Kromolow in Russisch-Polen; aber sen, ist geworden ein Treforschein, wa« da wertd ist 50.; Herschel Mohrbesser war seit 10 Jahren Soldat, vielleicht Thaler, dreihundert polnische Gulden! Die gehören dir, auch schon vom Kaukasus „aufgegessen"; er kam also mein Herschleben, mein Enkelfohn, meine« Schlaume Sohn, was er gesessen hat auf mein Schoß und hat gesprelc mit meinem Bart 'unb mit meinen Locken, und hat mich geküßt und lieb gehabt. Fünfzehn Jahre had' ich dich schon nicht gesehen, wa« wiest du schon für ein großer, gkwältiger Bocher geworben sein. Ja, siehst du, mein Herschleden, ich kann nicht kommen zu Hau«, so länge brr Detter Schamsche lebt: ist er doch nach O. gegangen zum Commissar und hat ihm gemeldet, der Schlaume Mohrbesser ist noch nicht Soldat und sie sollen ihn holen, und sie haben ihn geholt, daß ich ihn uscht wiedergefeben had', meinen einzigen, den letzten von siebend Alle sind geworben KriegSleut'; der Kaukasu«, sagen di« Leute, hat sie aufgegessen. Der Vetter Schamsche ist aber gewesen mein Feind, und sein Herz ist geworden zerfressen vor Nrit^ daß ich had' gehabt sieden Söhne groß und gesund und schlank wie Tannrndaume, und er hat kein Kind gehabt, und ich bin gewesen ein Faktor bei viele große Ebrlleut' und sie haben mich geherßen den ehrlichen Alexander und baden mich gelassen verdienen viel Geld — und er ist gewesen ein Melamed (Kinderlehrrr) und hat müsse« Noth leiden und große Armuth. Und wenn ich jetzt möchte kommen nach Dziadkowo, mochr mich Schamsche wieder anzeigen, baß ich erschlagen dab' den Kosak, und man möcht' mich führen gen Warschau und mich robtschlagen mit der Knut' und mich schleppen nach Sibirien. Herschleben, wenn du wirst bekommen die 50 Thaler, die ich gespart had' für nie in Besitz seiner Erbschaft: die 50 Thaler fielm der Armenkasse zu, da« Schnorr-Register wurde vernichtet, e« war eine zu gefährliche Waffe, um e« in die Hände dieser Art von Geschäftsleuten kommen zu lassen. Der bös« Detter Schamsche soll, wie die Kromolower Leute erzählten, so lange am Neid gtlitten haben, bi« er zum Gauner und Spitzbuben wurde und seine Bosheit beim Zobelfang in „Sibirien" büßen mußte. Tie Juden von Afrika am Saume der ÜR von A. Cahen, Großrabbiner vou Scnflanttnie. Au« den Arcli. isr. Ein englische« Journal hat jungst «nige Detail« Über Tu ggurt und die früheren Juden dieser algerischen Stadt, die seit Jahren zur muselmännischen Religion übergrtreten sind, veröffentlicht. Dies ist ein genugsam interessanter Gegenstand, um darüber Alle«, wa« wir davon wissen, mitzuthrilen. Die Juden waren ehemal« ziemlich zahlreich in Tuggurt. Au« Mzab und Tunesien gekommen, dielten sie sich anfangs alljährlich nur einige Monate wahrend de« Winter« auf; sie kamen dahin um Maaren auSzutaufchen oder um

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