Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 7 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
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27 i Die Herr'n sind Forscher, sind Erfinder. Wa« Sie suchen, liegt nicht, quf d»sn Markt. Da gisz's Versuch« wachen, und Derstrch, kosten Biel Geld. — Und weiter dacht' ich: Ist e« -och Die Wissenschaft, die hohe, di« dem Juden Das Leben har gerettet. — Ei, da muß er Ihr auch sein Scherflein bringen. — Euch nicht, Herr'», Ihr konntet'« übel deuten. Gott behüte! — Ihr nur allein, der hohen Wissenschaft, Bring ich di« kleine Gabe, daß sie schöner Aum Heil der unterdrückten Menschheit blühe. Und darauf mit gekrönten Häuptern füllt' Ich diesen Schrein/' Doch mir der Ueberaatwortung seine« Golde« an di« beiden Jünglinge ist die Thätigkeir de- Juden im Stücke noch lange nicht erschöpft. Durch ihn wird der ritter» licke Berthold Schwarz auch auf die sicherst« Spur de« Verbrechens geleitet, da« an „Gisela" war begangen worden, und durch ihn macht Berrhold Schwarz auch die, seinen Plänen so außerordentlich nützlich« Entdeckung, daß der Kaiser ein „Adept." — Nach allem diesen scheidet Ben Obadja von seinen Beschützern mir den Worten: „Lebt wohl! Ich könnte mehr von all den Dingen Noch reden, als ihr melnt, wenn nur mein Zeugniß Auf Erden die geringste Gelrung hätte. Doch darf der Jud' nicht zeugen vor Gericht, Und null und nichtig ist, was er bekundet. Der Jud', ihr wißt eS ja, ist ein Lerfiuchter." Benhold Schwatz aber hatte genug erfahren, um da» rauf hin das große Werk der Rettung Gisela« zu unter, nehmen. — Und was wa/s denn eigentlich mit der Jung« frau? — Was man ihr zugefügt, war schlimmer noch denn der Tod. Ihr Unglück hieß „Ausstoßung aus der menschlichen Gesellschaft" und „Lebendig begraben sein."— Die Adepten Pantaleon und Dordogni, welche — um ihre alchimistischen Amecke* **)) verfolgen zu können — zu dem außerordentlich großen Erbgut Gisela'- gelangen wollten, hatten Letztere al« wahnsinnig erklärt und ihr hinter hohen Klostrrmauern einen Kerker bereitet, wo sie ihr junges Leben vertrauern sollte. Doch es geschieht nicht. Denn Berrhold Schwarz, von dem Juden eben auf die sichere Spur geleitet, beginnt da- Werk brr Rettung und vollbringt es. Gisela wird befreit und nach dem „Rodenstein" gebracht. — Vor dem Ende de- Stückejedoch, das des Interessanten wie des Großartigen gar Vieles noch bardtttet, läßt der Dichter den „Juden" noch «in» mal — und zwar vor dem Kaiser selber — auftreten. Der Jude Ben Obadja meldet dem Kaiser, — welcher (beiläufig gesagt) für Gisela das größte Interesse har und haben muß"), — den Aufenthalt der Jungfrau, — meldet ihm, baß, wie diese, auch ihr Retter Berthold noch am Leben und sicher geborgen, — meldet ihm endlich, baß die ersten, in Heidelberg verbreiteren und dem hohe« Herrscher zu Gesichte gekommenen, Druckschriften von Johann Guttenberg herrühren und wie sie von die» *) Diese bestanden bekanntermaßen darin: „Told zu machen" und da« sog. „Leb«n«-Elixir" zu bereiten, — in welchen Resultaten die Adepten den „Stein der Weisen" suchten reop. gesunden haben wollten. **) Sie entpuppt sich nachher als seine eigene Tochter — H la „Kächchen von Heilbronn" (H. v. Kleist). | fern — nickt mit Satan« Kün sie a, sonder« — vermittelst seiner eigenen kleinen Press« sei»» )» Stande gebracht worben. —*Bm Obadja Ist « äuch, welcher für die,, von allen Seilen aagefrinberen Lib der,Zauberei" verdächtigten, deutschen Erfinder jden Kaiser in wärmster Weife um Schutz und Schirm atrfleht: „Herr Kaiser, rettet Beide, B nde k Treibt Die edelsten der Menschen arli »t zum Letzten!" Und ak« Ruprecht hierauf fragt: ,,Wa« kann ich rhun?" erwiedert ihm Ben Obadja: „O gern ihnen frei Geleit und laßt sie zieh'n, die schuldlos sind An Allem) wa« geschah und nofli gefcheb'n kan»" Al« aber auch diese« nicht ansct lagen mag und der Kaiser (in zorniger Aufregung) bemerkt, baß wer sich ver» gangen, dem Recht verfallen sei, wagt Dm Obadja noch einen letzten Versuch, indem er entgegret: „Dock könnt Ihr Gnade üben, . )m. Ihr seid De« Reiche« höchste« Haupt—seid Gott auf Erden." Das ist der „Jude" in Alepanier Rost'« neuestem Schauspiel, — und sei derselbe auch i ichr« weiter al« eia dichterische« Phantasiegebilde, so bleil t bieß doch immer ein schöne« und hat uns schon dar die Mitlheilung in dirsen Blättern nicht unwerkh gesck ienen. Die Israeliten in Pest. Die „Köln. A." dringt jetzt „Ungarisch« Briefe von I. Scherer." Man kennt die Tendenz, ober sagen wir die Färbung, welche diese« Blatt in Bezug auf die Jude« stet« an sich tragt: sie bekennt sich;rz liberalen Grundsätzen, ist auch nicht gradezu feindlich, berichtet, wo e« nicht ander« geht, da« Gute und Lobrnsi^erthe von und an Juden — aber sie verbrämt die« stet« mit einer ironischen Beimischung, der man da« Mißwoll« ansieht. 8« ist, wie wenn e« ihr schwer wird, etwa« Gute« von Juden zu sagm, und sie versetzt e« daher jedeafall I mit einiger Satyre um sie dafür zu strafen, baß sie so uns alant sind, die Köl» aerin zu einer unangenehmen Arbeit nöthigen. Desto lieber kann es un« sein, wenn sie im Gr undr uns doch loben muß. In einem -dieser Briefe, vom IA. Dez. theilt sie Folgende« mit: * Der Rückweg vom Unterhaufe, dc« ziemlich am sÜd» östlichen Ende der Stabt liegt, führt uns an der neuen Synagoge vorbei. Die Emaneiparion i ind der ailßrrordrnt» lich«, täglich wachsende Rrichtdum, woz x in fast alle» Ländern Europadie Juden gelangt sinh haben ihnen auch auf die öffmtlichen Angelegenheiten, se bst auf das wissen, schastliche und sociale Leben einen Einst >ß verschafft, der an manchen Orten «ine Herrschaft genar nt wrrdm kann.*) Obgleich bekanntlich die alrmosaisch« Ersetzgeduntz und der strenggläubig« Talmud vomehmlich im 2 testen Europa « eben nicht gerade mehr im Geschmack« der M chrhelt seiner modernen Bekenner sind und ein große« S hisma zwischen den Orthodoxen und den Reformrrn ringrlretr i ist, so hat man doch *) Reichthum und Herrschaft! Da haben zu welchen, man die Juden Überall machen Anzahl au« der großen, untern uud mittig beiter hat l oir sofort die Popanze, »ill, wo sich eine Nein« n Masse heraufaear- Redakr. d. I. v.