Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 7 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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28 een beiden Seiten nicht uaterlasirn, für den Aufbau glänzendster Tempel in Gemeinsamkeit die freigebigste« Mittel herdeizuschaffea.*) Fast jede großer« Stadt zähU seit den letzten zwanzig Jahren Synagogen zu den Zierd a ihrer Architektur, christliche Kirchen sind dagegen »her des heibener und einfacher geworden.*?) In Pesth aber ist dajüdische unbedingt das schönste und großartigste aller Gott« «Hauser. Sein Styl erinnert an die reinsten Muster de« Orient«, so denkt man sich etwa «ine glückliche Nachahmung desalomo» nifchen Tempel«. Ein breiter Borhof, recht« nnd l nt« mir SLuleagäagen, führt in die Vorhalle, über welchee ich zwei hohe, in der Kuppel reich vergoldete Thürme erheb« a. Da« Innere zerfallt in drei Schiffe mit äußerst harmonisii en Verhältnissen- Decke und Pfeiler sind reich und gediegen verziert . die Frauen-Tribunen in feiner Holzsculpmr gearbeitet, die Fenster von gemaltem Gla«. Zum Chor geleiten Mehrere Stufen, ein« marmorne Balustrade trennt e« von ^der Gemeinde. Da« Allerheiügste mir der Bunbesiabe erhebt sich in einem hohen, kostbären Schreine, und darüber wölbt sich die hohe Kuppel, di« da« ganze Gebäude rückwärt« adschließt. E« war Samstag und gerade Gottesdienst, mit Mühe Eingang zu finden, die ganze Versammlung in Andacht versunken. Man verehrt hier den Gott brr Väter noch mit Inbrunst und froher Erwartung de« Messia«, di« Meisten trugen den weißseidenrn, mir Gold gestickten Überwurf. Nachdem ich an der Kunst de« Baue« da« Auge gjesätkigt, ließ ich da« Ohr schwelgen in dem musterhaften Spiel der ausgezeichneten Orgel und den Tönen de« Vorsänger« und de« responvirenden Knadenchor«. Ein Bariton ersten Range«, brr auf dem Theater sein Glück machen müßte.*'*) Will man den Genuß vervollständigen, so faßt man Posten okn Ausgange der Frauengalecie, und man wird zugrstehen, daß auch im neunzehnten.Jahrhundert die schönen Rebekka'« und Ester'« nicht auSgestorben sind. Man rechnet in PesthrOfen gegen 40,000 Israeliten, also nahezu der vierte Theil der gesummten Bevölkerung; auch in anderen Städten Ungarn« haben sie seit 30;5afcctn außerordentlich zugenommen. Dem Stamme nach gehören sie zu der deutschen und und polnischen Rare. Geldwechsel- und Papiergeschäft sind, wie überall, vorzugsweise sn ihren Händen, bann aber auch der Handel in Producten und Manufakturen. Ich harte bereit« in Brief H ihrer ftöeziehungen zu dem Grundbesitz gedacht, dessen Credil^eber sie sind und den sie sich durch Vorschüsse und die rapid an¬ *1 Das Säiirma, an welchem sich die. nichtjüdischen deutschen Autoren so lehr ergötzen, und dar sie daher so geru iu grellen Farbe» zeichueu, muß doch nicht so groß sein, wenn sich die beiden Parteien zur Erbauung gemeinsamer Tempel vereinigen, denn da« setzt doch auch einen gemeinsamen Gottesdienst voran«'—pud dasoll ein Schi-ma sei»! Die Wahrheit ist, daß zwischen dqn beiden Extremen so piele Mannigfaltigkeit in Ansicht und Leben vorhanden ist, daß Niemand eine Scheidelinie augebeu kann, folglich ein wirklicher Schisma nicht besteht. Redakt. d. h. v **) Dag ist sicherlich übertrieben. Die Svuagoge'n swd eben Neubauten und ziehen deshalb die Aufmerksamkeit aus sich. Mit geringer Aurnabme find fie im Verhältnisse zu deo Kirchen doch nur kleine Gebäude. Redakt. d. I. B. ***) Herr Friedmann. Lberkantor. Wir freuen un«. dMl gesch. Manne dieser Lob «rlheilr zu seben. Redakt. d. J. B verantwort Verlag sc* ««amgättacr’* «ach i wachsende Zinstnlast in mehreren Comitaten bi« zur Exe» eution unlerthanig gemacht haben. Wie manche Aemt« ist schon gezahlt, ehe sie gefäet ist; die schlecht, Wirth» schast eine« großen Theil« de« Adel« hat ihn der Thätigkeit und Betriebsamkeit der Juden Prri« gegeben.') Daher er, klärt sich, wie selbst in den RevolutionSjahren von 2848 — 49 die Emancipalion derselben sogar bei der demokratischen und republikanischen Regierung in Debreczin auf Widerspruch stoßen konnte und wie man noch heute nur mit schwerem Herzen sich dazu verstehen will. Uebrigen« war dieselbe faktisch so gut wie vorhanden, e« handelt sich nur noch um da« aktive Wahlrecht. Grund und Boden können die Juden schon seit längeren Jahren** ***)) erwerben; hier in der Hauptstadt gehören ihnen auch viel, Häuser, und wenn sie ländliche Grundstücke weniger besitzen, so liegt der Grund darin, daß sie ihr Geld fruchtbarer zu verwerlhen wissen, al« in der Landwinhschaft."*) Anecdote. Ein Talmudjünger fand in einer Stabt bei den Reichen armselige Unterstützung und bei den Armen reichliche« Mitleid. Da sagte er: Hier in dieser Stadt hat da« Jahr nur I I Monate, denn der Monat KiSlev fällt jede« Mal au«. Denn wer den Kt« (Beutel) hat. dem fehlt da« Lev (Herz) und wer da« Lev hat, har keinen Ki«. Druckfehler. Nr. 6. S. 24. Z. 9. v. o. muß e« „er" statt „»«" heißen, wodurch der Sinn erschwert wird. *) Man sieht ti dem Herrn Sch. au, daß e« ihm sauer wird, die Juden in industrieller Beziehung so ohne alle schwere Hiebe . lasten zu müssen. Die vorhandenen Uebeistände kann er zuletzt doch nur „der schlechten Wirihichask de« Adel«" zuschreiben, und muß den Fleiß und die Betriebsamkeit der Juden gelten lasten. Bon Wucher, Betrug, Bersührnng kann er. nicht« sagen. Wie stände c« um Ungarn, wenn der Fleiß und die Betriebsamkeit der Juden auch noch sehlren. Redakt. d. I. B. **) Die ^längeren Jahre" sind noch kein Jahrzeheud! Redakt. d. I. B. ***) Die« ist doch wohl nicht der einzige Grund! Mau hat die Juden anderthalb Jahrtausende von aller Landwirlhschast fern gehalten und durchaus zu einer städtischen Bevolkerung gemachk, wie sollen sie aus einmal in Maste Landwirlhschast treiben?! Uebrigeo« giebt e« gerade in Ungarn Distrikte, wo viele Juden Landwirrbschaft, namentlich We,ubau. mir eigenen Händen betreiben z. B. am Hidalja-Gebirge. Redakt. d. A B. Allgemeine. Zeiruug de« Judernhum«. No. 6. 1866. Inhalt: Leitende Artikel: Au« den Sturmreiten in der Bibel. — Literarischer Wochenbericht. — ZeitunasnachrichleurDeutschland: München, Dre«. den. Preußen.^ Granden;. Berlin, Landsberg. Oesterreichikcher Karserstaal: Pest. Schweiz: Bern. Italien: Au« Oberilalie». Notizen. Correspondenz: Brief eine« Chinesen. IV. Lrk' Au beziehen, durch jede« Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich ®/4 Thaler. icher Redacreur Or. H. Lotze. ta ecipjig. — Druck ston s. Srcofiag ia Stipjig.