Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 7 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
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26 „Heraus! 's giedr »ine Jvdenhatz. Da- Volk 2st roll. Es wirb ein Gaudium jum Sterben ruft Eckard v. Rodenstein, dder Senior oer „Pfälzer," änd bewirkt hierdurch, baß selbst die Srudenken an best» grau mhaflen Tumult« sich detheiligen. Man will den Ju »en im Stücke zerreißen. Da ist Berthold Schwarz der Einzige, der sich des Unglücklichen annimmt. Er t ritt den Stürmenden mit den Worten entgegen: „Wie? Seid ihr Studiosen * se,d ihr Jünger Der Wissenschaft, der hohen, heiligen, Daß ihr des Wahne- Trug zur Kurzweil fördert. Und wo da- Her; dem Biedermann» blutet, Mir kaltem Hohn euch wollt am Opfer weiden i Ich kann'- nicht Glaubens werden, edle Herr'n! Kommt, helft mir den Unschuldigen erretten!" Doch, wenn hierauf auch die „Commilitonen" sich Uuf die Seite Berrbolb's schlagen,— das Volk, von Ledr^cht immer eifriger fanalisirt, wird stetlodender, sietwürhen >er, und — will sein Opfer baden. „Zum Tod nie ihm \" ruft Alle-, auf den Juden zustürzend, und die 8er fahr für denselben wächst von Sccunde zu Secunde. X och Berthold verzagt nicht. Auf Ledrecht zeigend, donnert er: „Und weil «S dieser Mensch behauptet, glaubt ihr'» Auf- Work? Da muß min doch das Wasser selbst Erst untersuchen, ob'- auch wahr ist«-1-" Da- Volk tolft nicht mehr, es murrt nur noch, sind brr edle Jüngling fahrt fort: ' „Woklan, so-will> Ich selbst elbun! Dort ist der Brunnen. Laßt Uns sehen. Füllt den Krug. Ewird sich zeigen." Und nachdem nun Johann Gorrenberg an den Brun» nen geeilt ist und einen Krug mir Wasser gefüllt hat, unurwitft Berrhslb Schwarz einen Tdeil des letzlera, der Probe „nach de» Regeln arlis cliemicae" unöbeweist so durch die Analystvor den Augen Aller, baß: ..-das Wasserlrein, wie Gold, - 1 Klar, wi> Sonnenschein, und kein Stäubchen > Gift ist in demselben." > Dorbognr aber sucht daerstaunte und ruhig gewordene Volk von Neuem aufzuwiegeln; er schilt Berthold einen Gorce-lästrer, einen Ketzerverthciöiger, und verlangt eine B ütgschaft dafür, „— — — baß nicht dennoch Gift k Im Brunnen sich befind», robe-drohend Für alle guten Bürger." — Der Ehr'micusoll Ihm und dem Volk beweisen, „Daß feine Mittel prob,haltig sind Und die Analysis sich auch bewährte." Auch hiervor schreckt der seiner Sache sichere Berthold Schwarz nickt zurück. Er füllt sich «inen Becher! alldem Krage, und uater dem begeisterten Autrafe: l „Auf besser Zukunft unsres Baterlanb- Und auf da- Wohl der unterdrückten Menschheit bar er ihn in einem Zuge biauf den Grund geleert. — £jo$: „Er ist verhext, ist fest, — ihm hat da- Gi .Nichtan!" schreit Dordogni, und da- Volk entsetzt sich^ schaüdrrt zurück. — Da thut Gultenberg, der von ganz Heide! rerg aleia Jüngling „gläubigen Herzen- und. von frommem Sinn" gekannt ist, schnell'äa-selbe, wasein Freund Schwarz gekhan; auch er füllt' sich einen Becher audem Kruge, rtinft ihn vor den Augen Aller, — und so haben die „beiden deutschen Erfinder" den Juden vom Tode ge» rettet. — Allein, hiermit ist noch nicht Allegetha«. Denn der Oderrichrer, welcher in dem „fahrenden Schüler" BertholdSchwarz einen „in die Geheimnisse de- Aveprenkhum- Eingeweiheten" erkannt hat, will eben nur diesen „seine- Wegein Frieden" ziehen lassen, ihm nur die Freiheit schenken, nicht aber dem Juden, der sich ja doch auf einem Territorium, von welchem die Söhne Israel» langst in- Ghetto verbannt waren, hat betreffen lassen. . Doch Bertbold, zum Fortgehen aufge» fordert, spricht: „Nicht ohne meinen Juden hier. Mein ist Er durch ein Gokle-urrheil!" Unfrhiermit har er dem Juden neben dem Leben, auch die Freiheit erhallen. — Ec tst hoch erfreut ob seiner edlen Thal und ermuntert seinen Schützling mit den hochherzigen Worten: „Kommt, Jude, reicher mir die Hand. Erst bring' ich Euch sicher unter Dach und Fach und dann Behüt' euch Gatt, der Herr, auf eurem Pfade!" Len Odabja, nicht wissend, wie ihm geschehen, fallt seinem Retter zu Füßen, nennt ihn „seinen Engel" und stammelt freudig bewegt: „Gott Abrabam-, gieß Deinen reichsten Segen Auf dieses Ebristendaupr!" Har bihierber der Jude, so zu sagen, nur passiv im Stücke milgewirkt. so sehen wir ihn dafür im weitern Verlauf der Handlung desto arlivrrund theilnehmen» ber auftrelen. Es treibt ihn, seinem Lebensretter sich dankbar zu erweisen, und gar bald ist »S ihm gelungen, die schlicht, Wohnung, welche die beiden Jünglinge Schwarz und Gultenberg mit einander theilen, zu ermitteln. — Wie aber durch die geräuschvollen Gassen der aufgeregten Stadl ungehindert dorthin gelangend — Der weise Jude har auch hierzu schnell ein Mittel, ein sicheres, gefunden. Er legt die Tracht eint- Todtengräders an, nimmt einen deinen Sarg unter den linken Arm, einen Sparen in die rechte Hand, tritt feine Wanderung an und gelangt so — da ihm Aller auSweichr — ohne die geringste Aufhaltung ans Ziel. — Was will ec hj/r? Wir haben es bereits gesagt: seinem Retter danken. Doch nicht mit dem verhallenden Worte, — nein, mit brr lebendigen Thal. Denn sein Sarg ist nicht leer; er schließt in sich dasjenige, um bessrntwillen Ben Odabja der „reiche Jude", ist ge, heißen im ganzen Gau, er ist mir Golde gefüllt. Und diese- „hohe Gur" ist Ben Odabja gekommen, zu Füßen zu legen denen, die für idn so wacker eing,standen in der Stunde der Gefahr. — Aber auch nicht da-„Gefühl de- Dants" allein ist'-, was den Juden treibt, von feinem Reichthuwe sich zu trennen, — nein, noch ein anderegroßeS und edle» Metiv hat er für feine große und «hle Thar. Was er erworben durch unermüdliches Streben und jahrelangen Fleiß, —der „Wissenschaft" will«« e-al- Opfer weihen. Der Dichter laßt ihn dieß, wie folgt bekunden -. -„34 sagte Ja schon, warum ich kam. Dacht' ich mir doch: